25. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Wegen Bauarbeiten auf A 5

Ärger über Beton-Lager am Wanderparkplatz Winterstein

Am Wanderparkplatz unterhalb des Forsthauses Winterstein lagern seit Wochen tonnenschwere Fahrbahnteiler. Beton und Naturschutz, wie passt das zusammen? Gar nicht, meint ein Leser.
25. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Zehn große Stapel mit Fahrbahnteilern aus Beton lagern auf der Panzerstraße am Wanderparkplatz auf dem Winterstein. Kein schöner Anblick. (Foto: Nici Merz)

Am Eichkopf im Wald bei Ober-Mörlen, wo bis 2005 Panzer der US-Streitkräfte die Landschaft durchpflügten, wurde ein FFH-Gebiet entwickelt. 59 Hektar wurden nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union unter Schutz gestellt. Die Gelbbauchunke hat sich in den rund 150 schlammigen Tümpeln heimisch eingerichtet. Der sanft hügelige Eichkopf, einer der schönsten Flecken weit und breit, liegt einen guten Kilometer vom Wanderparkplatz auf dem Winterstein entfernt. Als Anschauungsobjekt wurde dort ein Lehrtümpel angelegt. Schilder informieren über den nahen Wildkatzenpfad und die Naturschutzziele: Lebensraum und Bedürfnisse der geschützten Amphibien sollen vorgestellt werden, die Besucher sollen »für die Notwendigkeit des Schutzes bestimmter Areale zum Erhalt der biologischen Vielfalt« sensibilisiert werden.

Man muss kein Natur-Sensibelchen sein, um sich an dem Anblick zu stören, der sich den Wanderern wenige Meter weiter bietet: Zehn Stapel tonnenschwerer Fahrbahnteiler aus dem Straßenbau lagern am Rande des Waldweges. Der WZ-Leser Achim Lotz (Friedberg) hat wenig Verständnis für dieses Baumaterialien-Lager mitten im Wald. »Eigentlich sollte unser Wald besonders geschützt werden. Es ist daher unverständlich, warum er als Lager für Fahrbahntrenner missbraucht wird.«

Er habe vor einigen Wochen an einem Sonntag die Schwerlasttransporter beobachtet, mit denen die Fahrbahnteiler über die Zufahrtsstraße zum Winterstein transportiert wurden. »Ist die Straße dafür überhaupt ausgelegt?«, fragt der Leser. Holz aus dem Wald zu holen, sei unvermeidbar für die wirtschaftliche Nutzung. »Die Transporte der Fahrbahntrenner in den Wald hinein sind eine bedenkliche, zusätzliche Belastung der Natur mit Lärm und Abgasen und sollten vermieden werden.«

Forstamt: Kein Dauerlager

»Das ist kein Dauerlager«, sagt Thomas Götz vom Forstamt Weilrod. Die Fahrbahnteiler stammten von Arbeiten an der A 5, Hessen Mobil habe ein Zwischenlager gesucht. Auf andere große Flächen wie der Friedberger Kaserne, die im Besitz des Bundes ist, habe die Landesbehörde keinen Zugriff. Wären die Fahrbahnteiler über weite Strecken an einen anderen Ort gefahren worden, würde die Ökobilanz wohl viel schlechter ausfallen. Götz: »Deshalb haben wir uns breitschlagen lassen.«

Die Panzerstraßen im Winterstein, sichtbares Relikt aus der Zeit als Truppenübungsplatz, bestünden aus massivem, meterdickem Beton. »Der wird da noch viele Jahre liegen«, sagt Götz. Als Alternative hätte Hessen Mobil einen Acker anmieten und für die Lagerung versiegeln müssen. »Die Fläche im Winterstein ist schon versiegelt.«

Götz räumt ein: Die am Waldrand lagernden Betonteile sähen nicht schön aus. Für den Naturschutz stellten sie aber kein Problem dar. Ein ganz anderes Problem beschäftigt derzeit das Forstamt. »Wir haben in den Fichtenbeständen einen massiven Borkenkäferbefall. »Ganze Waldabteilungen sind abgestorben und kahl. Dieser Wucht konnten wir nicht Herr werden.«

Große Schäden durch Borkenkäfer

Nicht weit von den Fahrbahnteilern entfernt lagern Baumstämme. Holztransporter werden sie demnächst abholen. Es ist mit mehr Verkehr im Wald als üblich zu rechnen. Alle Waldanrainer klagten über massive Probleme mit dem Borkenkäfer, sagt Götz. Die befallenen Fichten seien eine große Gefahr für Fußgänger und Radfahrer, brechen viel schneller zusammen als Eiche und Buche.

Die Zeit drängt. »Vor dem Winter kann das Holz noch vermarktet werden, wenn auch zu schlechteren Preisen als üblich.« Liege das Holz ein halbes Jahr im Wald, tauge es nur noch als Brennholz oder für die Herstellung von Spanplatten. Götz: »Das wollen wir vermeiden.« Das Borkenkäferproblem erklärt auch, warum es im Wald an einigen Stellen derzeit recht wüst aussieht.

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