11. Juni 2019, 20:36 Uhr

70er-Jahre-Disco-Flair kehrt zurück

Die letzten Proben für die große Premiere am 13. Juni sind in vollem Gange. Mit dem Musical »Saturday Night Fever« wollen Regisseur Benedikt Borrmann und seine Darsteller das Lebensgefühl der 70-Jahre-Disco-Szene auf die Bad Vilbeler Burg holen. Wir verraten vorab, was die Besucher bei einer der größten Festspiel-Produktionen 2019 erwartet.
11. Juni 2019, 20:36 Uhr
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Von Mario Hess
Viel Spaß schon bei den Proben: Die Musical-Darsteller von »Saturday Night Fever« bereiten sich mit Schwung auf die Aufführungen vor. (Foto: Mario Hess)

Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive«, schallt es aus der alten Reithalle, gleich neben dem Sport- und Kulturforum in Dortelweil. Beim Betreten des hinteren, von der Mittagssonne aufgeheizten Gebäudeteils, sticht sofort das Geschehen auf der provisorischen Bühne ins Auge. Eine Truppe junger Darsteller des Musicals »Saturday Night Fever« probt gerade die Szene, in dem eines der wahrscheinlich bekanntesten Musikstücke der 70er Jahre zu hören ist. Und auch wenn die Kostüme, die sich mit Schlag- und Lederhosen sowie bunten Hemden und Oberteilen stark an eben jenes Jahrzehnt anlehnen, derzeit noch fehlen - die Magie ist schon da, und die Vorfreude auf die Premiere steigt von Tag zu Tag.

Wir befinden uns im Brooklyn des Jahres 1977. Abseits der bunten Discowelt geht es in den Straßen dreckig und rau zu. Obwohl man angesichts des Titels und der Melodie ein lebensfrohes Stück erwartet, werden alltägliche Probleme in den Slums einer Großstadt aufgezeigt - Themen wie Raub, Vergewaltigung und Tod werden thematisiert. »Es ist im Grunde ein ernstes Stück, das macht es für mich sehr interessant«, erklärt Regisseur Benedikt Borrmann.

Mehr Tanzszenen

Auch die Übertragung des Filmplots ins Musical ist keine leichte Aufgabe. Bei einer Länge von rund 120 Minuten kommt der »Tanzfilm« mit gerade einmal 14 Minuten Tanzszenen aus, diese wurden für das Musical stark erweitert. Zahlreiche Musikstücke wurden zudem erst nach der Veröffentlichung des Films überhaupt geschrieben und erklingen daher nur im Musical - und sie wurden an die Darsteller und deren Stimmlagen angepasst. Und so erklingen die Stücke modern und nicht etwa im altbekannten Stil. Federführend ist hier der Musikalische Leiter Markus Höller, der auch die begleitende Band, bestehend aus Bläsern, Bass, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug koordiniert.

Dass sich die 70er nicht nur anhand der bunten und ausgefallenen Klamotten von der heutigen Zeit unterscheiden, bemerkten die singenden und tanzenden Männer und Frauen, die allesamt aus dem deutschsprachigen Raum stammen, sehr schnell. »Damals stand der Spaß beim gemeinsamen Tanzen im Vordergrund - heutzutage ähneln die Menschen auf den Tanzflächen der Discotheken eher einer Schafherde«, kommentiert Choreographin Amy Share-Kissiov.

Stil beibehalten

Den Tanzstil der 70er Jahre wollte man beibehalten. Das bedeutet, dass es keine Hip-Hop Elemente, wie etwa Twerking gab. Vielmehr werden die Tänze durch viel Arm- und Beckenbewegungen verstärkt. »Darauf muss ich die jungen Darsteller immer wieder hinweisen, gerade bei improvisierten Tanzeinlagen«, ergänzt Share-Kissiov. Auch für Hauptdarsteller Sascha Luder (30), der Tony Manero spielt, ist es eine neue Erfahrung, so zu tanzen und die 70er Jahre in den Körper zu bringen. »Die Bewegung und die Outfits wirken auf die heutige Jugend eher befremdlich und belustigend«, sagt er. Auch häufige Szenenübergänge sind auf der Bühne nicht einfach darstellbar. Gelöst hat Bühnenbildnerin Elke König das Problem mit einem multifunktionalen Bühnenaufbau. Die gesamte Handlung spielt konstant in einem einzigen großen Raum. Mittels Klapp-Elementen können etwa Graffitiwände ins Auge des Betrachters gerückt werden, um den Szenenwechsel in die Straßen zu verdeutlichen.

»Auf diese Weise stören wir den Fluss des Stückes nicht, vermeiden längere Pausen zwischen den Szenen und können so eins zu eins dem Filmdrehbuch folgen«, so Borrmann. Den größten Umbau stellt die Discoszene dar, wenn bunte Lichter blinken, Glitzerelemente reflektieren und die Discokugel von der Decke baumelt. Im Team der Burgfestspiele ist man jedenfalls voller Vorfreude. Ebenso die Musicalfans, so scheint es. Denn Intendant Claus-Günther Kunzmann verkündet: »Noch keine Produktion hat im Vorhinein solch große Umsätze gemacht - die Nachfrage ist extrem groß«.



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