21. November 2018, 19:06 Uhr

60 Tonnen Kies für die Fische

21. November 2018, 19:06 Uhr
Fischarten wie Barbe und Bachforelle sollen an den neuen Kiesbänken in der Wetter ihre Eier ablegen können. (Fotos: pv)

An der Gambacher Wetter waren kürzlich Wathosen und Muskelkraft gefragt: Rund 60 Tonnen Kies haben die Mitglieder des Vereins Auen- und Gewässerschutz Wetterau (AuGe), des Angelsportvereins Butzbach und Umgebung sowie Mitarbeiter der Quarzwerke Gambach verbaut. Ziel des Projekts ist es, in der Wetter selten gewordenen Tierarten einen Lebensraum zurückzugeben.

Die Idee dazu hatten der AuGe-Vorsitzende Niklas Berting aus Friedberg und der Butzbacher Umweltwissenschaftler Christian Friedrich. Beide engagieren sich seit vielen Jahren für die Renaturierung von Fließgewässern. Bei dem aktuellen Projekt geht es unter anderem darum, Fischarten wie Barbe und Bachforelle Laichplätze zur Verfügung zu stellen. Derzeit können diese Tiere in der Wetter nur durch Besatzmaßnahmen existieren. Für sie sind Kiesbänke lebenswichtig, denn nur hier können sie laichen, also ihre Eier ablegen und sich erfolgreich vermehren. Aber auch Insektenlarven und andere Wirbellose brauchen Kies als Lebensraum.

Warten auf Hochwasser

Die Wetter sei strukturell völlig verarmt, erklärt Friedrich. Es fehle an Dynamik im Bachbett, die unter natürlichen Bedingungen von ganz allein für die Entstehung dieser Lebensräume sorge. Ein Grund dafür seien beispielsweise die Entnahme von umgestürzten Bäumen oder angeschwemmten Totholz, auch dort, wo sie keinen Schaden für die Anlieger bedeuten. Solche natürlichen Abflussbarrieren verändern die Strömung kleinräumig und führen regelmäßig zur Neubildung von Kiesbänken und Kolken. Mindestens genauso hinderlich seien aber auch die vielen Querbauwerke, welche die Strömung verlangsamen und den Sedimenttransport fast vollständig zum Erliegen bringen.

Wie sinnvoll die Maßnahme ist, zeigte sich schon am Folgetag. Vom Ufer aus konnten die ersten Bachforellen beobachtet werden, wie sie das neue Bachbett inspizierten. »Wenn wir Glück haben, laichen hier die ersten Fische noch dieses Jahr«, sagte Berting. In nur sieben Wochen von der ersten Begehung bis zur Fertigstellung mit so vielen motivierten Helfern zu kommen, sei bemerkenswert, hebt er die gute Zusammenarbeit hervor. Die Liste der Beteiligten ist lang. Angefangen mit den Quarzwerken Gambach, über den Angelsportverein Butzbach, die Untere Wasserbehörde, dem Land Hessen bis hin zum Wasserverband und der Stadt Münzenberg haben alle an einem Strang gezogen. Die Genehmigung fiel Thomas Buch von der Unteren Wasserbehörde leicht. Denn die Zusammenarbeit mit dem AuGe ist an der Nidda bereits vielfach erprobt. »So macht Naturschutz Spaß«, fügte der ASV-Vorsitzende Erik Brünig zufrieden hinzu. Das Ergebnis von vier Stunden Arbeit könne sich sehen lassen und motiviere für weitere Kooperationen mit Berting und Friedrich.

Gespannt wartet man nun auf die kommenden Hochwasser, die die Arbeit am Bachbett ganz ohne menschliche Hilfe fortführen werden.

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