30. September 2018, 06:00 Uhr

Großprojekt

500 Wohnplätze auf Knast-Areal in Friedberg?

Über fünf Jahre sind seit der Schließung der Jugendarrestanstalt in Friedberg ins Land gegangen. Nun gibt es Bewegung: Das Studentenwerk kann sich bis zu 500 Wohnheimplätze vorstellen.
30. September 2018, 06:00 Uhr
Seit mehr als fünf Jahren wird die Jugendarrestanstalt in Friedberg unterhalb des Wartturmes nicht mehr genutzt. Ideen für eine Nachfolgenutzung hat es schon einige gegeben. Im vergangenen Jahr war kurzzeitig sogar ein Abschiebegefängnis im Gespräch gewesen, was allerdings wieder verworfen wurde. (Archivfoto: Nici Merz)

Den Wetterauer FDP-Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn hatte das Thema schon mächtig auf die Palme gebracht: Als er vor ein paar Monaten bei der Landesregierung nachfragte, was denn nun mit dem Gelände in Friedberg geschehen solle, auf dem bis zum Frühjahr 2013 die Jugendarrestanstalt stand, bekam der ehemalige Justizminister die Antwort, dass »eine landesinterne Nachnutzung der Liegenschaft geprüft« werde. Sollte es die nicht geben, dann sei eine öffentliche Ausschreibung zum Verkauf des Areals vorgesehen.

 

Land hält sich mit Aussagen zurück

 

Hahn bezeichnete die Antwort damals als »Unverschämtheit«. Was die Pressestelle des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) am Donnerstagabend auf WZ-Anfrage geantwortet hat, klingt genauso unkonkret: »Landesintern wird derzeit noch geprüft, wie eine mögliche Nachnutzung der Liegenschaft aussehen kann. Weitergehende Auskünfte sind uns vor diesem Hintergrund leider nicht möglich. Wir bitten dafür um Verständnis.«

Das Studentenwerk Gießen lehnt sich da schon weiter aus dem Fenster: Sollte das Land Hessen das Gelände an das Studentenwerk übertragen, ließen sich dort laut Pressemitteilung auf einen Schlag bis zu 500 Wohnheimplätze realisieren. »Wir haben hierfür bereits ein Konzept ausgearbeitet. Auch ein Erschließungsplan existiert und wurde mit der Stadt Friedberg erörtert – wir stehen also sozusagen in den Startlöchern«, erläutert Ralf Stobbe, Geschäftsführer des Studentenwerks.

 

Komplizierte Erschließung

 

Wohnraum für bis zu 500 junge Menschen – damit würde man angesichts des Wohnungsmangels einiges bewegen. Die Zeit der Brache auf dem Areal mitten in der Stadt wäre außerdem beendet. Für das Studentenwerk wäre das Vorhaben ein nächster Schritt, entstehen doch derzeit Wohngebäude auf der Ritterwiese. Dieses Bauprojekt neben historischen Burg-Gemäuern ist bei der Stadt nicht auf Begeisterung gestoßen. Friedrich-Wilhelm Durchdewald, Fraktionsvorsitzender der UWG im Stadtparlament, brachte das Wort »Baufrevel« ins Spiel, sorgte sich angesichts der historischen Bedeutung der Burganlage und fragte, wo denn die ganzen Autos parken sollen. Beim Spatenstich im April machten Anwohner ihrem Unmut Luft und protestierten gegen das Bauprojekt auf dem Burgareal. Letztendlich lag die Entscheidung nicht in städtischen Händen, gehört das Burggelände doch dem Land – und der Kreis hat die Baugenehmigung erteilt.

Bezahlbaren Studentenwohnraum brauchen wir dringend in Friedberg

Dirk Antkowiak

Das Vorhaben wenige Hundert Meter weiter südlich wird, sollte es denn Realität werden, eine ganz andere Dimension haben. »Der Vorschlag kam von uns«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak auf Nachfrage der WZ. »Wir könnten uns das gut vorstellen.« Er bestätigte auch, dass die Planungen für Studentenwohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Jugendarrestanstalt vorliegen. Dass die Erschließung schwierig wäre, ist seit Langem bekannt. Derzeit kann man das Gelände nur über den Parkplatz des Amtsgerichts erreichen. Eine Stichstraße vom Grünen Weg her wurde bereits als Option genannt.

Antkowiak kann der Wohnheim-Idee einiges abgewinnen: »Machbar ist es, das Land Hessen müsste als Eigentümer mitspielen.« Der Bürgermeister verwies darauf, dass das Studentenwerk zum Land gehöre. »Das Land Hessen müsste mit sich selber klarkommen.«

Die Aussage aus dem Ministerium ist – positiv formuliert – ergebnisoffen. Sollte sich das Land mit der Idee anfreunden und sie umsetzen, dann wäre für die Studenten und die Stadt ein wichtiger Schritt gemacht. Für den Bürgermeister ist das Thema ohnehin von großer Bedeutung: »Bezahlbaren Studentenwohnraum brauchen wir dringend in Friedberg.«

Info

Anmelden für Burg-Wohnheim

»Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen am Standort Friedberg haben ab sofort die Möglichkeit, einen Antrag für einen Wohnheimplatz im neuen Studentenwohnheim ›In der Burg‹ zu stellen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Studentenwerks Gießen, das den ehemaligen Feldwebelbau in den vergangenen Monaten »denkmalschutzgerecht zu 31 Einzelapartments für Studierende restauriert und umgebaut« habe und diese ab Anfang 2019 vermieten werde. Der Neubau auf der benachbarten Ritterwiese solle im Herbst kommenden Jahres fertiggestellt werden und 33 weitere Wohnheimplätze bieten, sodass mit dem Wohnheim Steinkaute in Friedberg dann insgesamt 280 Plätze zur Verfügung stünden. Laut Geschäftsführer Ralf Stobbe ist es Ziel des Studentenwerks, eine Unterbringungsquote von mindestens zehn Prozent gemessen an den Studierendenzahlen zu erreichen. »Da ist bei derzeit rund 6000 THM-Studierenden in Friedberg noch viel Luft nach oben.« (pm)

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