Wetterau

29-Jähriger muss für 13 Taten hinter Gitter

Er ist in Friedberg und Bad Nauheim eingebrochen und hat dort gestohlen, um seine Drogensucht zu finanzieren. Nun muss ein 29-Jähriger für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis.
11. April 2018, 11:00 Uhr
Jürgen W. Niehoff
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Im Zeitraum von Anfang November 2016 bis Mitte Februar 2017 soll der Angeklagte in Friedberg und Bad Nauheim insgesamt 13 Wohnungseinbrüche und Autoaufbrüche verübt haben. Dafür muss er nun mehr als zwei Jahre ins Gefängnis. (Symbolfoto: dpa)

Zwei Jahre und vier Monate wird ein 29-Jähriger nun im Gefängnis über seine Drogensucht und die ihm zur Last gelegten Einbrüche und Diebstähle nachdenken können. So lautet nämlich das Urteil für seine insgesamt 13 Straftaten, die er im Zeitraum von Anfang November 2016 bis Mitte Februar 2017 in Friedberg und Bad Nauheim verübt haben soll. Der 29-jährige gebürtige Offenbacher, der derzeit in Bad Nauheim lebt, zeigte sich von Anfang an geständig. »Ich habe zu der Zeit ziemlich viele Drogen konsumiert – von Marihuana bis zu Heroin, einfach alles. Und dafür habe ich massenhaft Geld gebraucht«, entschuldigte sich der Mann vor Gericht. Deshalb ließ er in dieser Zeit alles mitgehen, was nicht niet- und nagelfest war. Zum Teil verschaffte er sich Eintritt in Sporthallen und stahl aus den Umkleidekabinen alles, was ihm in die Hände fiel – vom Handy über Portemonnaies und Brieftaschen bis hin zu Auto- oder Wohnungsschlüsseln. Mit letzteren durchsuchte er die passenden Autos und Wohnungen.

 

Kein Opfer erscheint vor Gericht

 

Weil er nur nach Dingen suchte, die sich schnell zu Bargeld machen ließen, hielt sich der Schaden in jedem Einzelfall in Grenzen. Meist lag der Wert der Beute bei ein paar Hundert Euro, wobei der angerichtete Schaden oftmals viel höher war.

Selbst eine sechsmonatige Gefängnisstrafe auf Bewährung wegen des Diebstahls von Fahrrädern aus einem abgeschlossenen Keller, die der Angeklagte kurz vor seiner Einbruchsserie Ende 2016 kassierte, konnte ihn nicht stoppen. »Ich wollte ja nach dem Urteil aufhören. Aber dann war die Sucht doch größer«, gestand er kleinlaut.

Mit den Hartz-IV-Einkünften allein seien seine Eskapaden nicht zu finanzieren gewesen. Seit Langem sei er schon drogenabhängig, und deshalb habe er das Leben genommen, wie es gekommen sei. Die Bewährungsstrafe habe deshalb auch keine abschreckende Wirkung auf ihn gehabt. Deshalb habe er weitergemacht. Nicht einmal die Auflagen des Gerichts, sich mit seinem Bewährungshelfer kurzzuschließen und darüber hinaus mit einer Entziehungskur zu beginnen, habe er zu erfüllen versucht.

Ich wollte ja nach dem Urteil aufhören. Aber dann war die Sucht doch größer

Der Angeklagte über eine frühere Bewährungsstrafe

»Das soll sich nun grundlegend ändern«, versprach der Angeklagte. Um reinen Tisch machen zu können und das Drogen-Kapitel abschließen zu können, hatte der Richter einen zweiten Verhandlungstag angesetzt, um so den Opfern Gelegenheit zu bieten, in diesem Verfahren auch ihre zivilrechtlichen Ansprüche geltend zu machen. Doch zur Verhandlung am Dienstag erschien keines der Opfer. »Dann scheint das Interesse an der Aufarbeitung bei den Geschädigten ja nicht allzu groß zu sein«, folgerte der Richter und wies die zivilrechtlichen Ansprüche der Geschädigten samt und sonders ab.

 

Verteidigung plädiert für erneute Bewährungsstrafe

 

Bei der anschließenden Urteilsfindung ging er dann auch seinen eigenen Weg: Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und sechs Monate für die 13 Straftaten gefordert – unter Einbeziehung der sechsmonatigen Bewährungsstrafe aus dem vorhergehenden Urteil. Die Verteidigung sprach sich für eine erneute Bewährungsstrafe aus, doch für den Richter waren die Einbrüche in die Wohnungen, ein vom Gesetzgeber besonders geschütztes Gut eines jeden Einzelnen, ausschlaggebend.

Auch wegen der Vielzahl der Fälle in einer so kurzen Zeit und weil der erste Warnschuss mit einer Bewährungsstrafe bei dem 29-Jährigen keine Wirkung gezeigt habe, verurteilte ihn der Richter zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Darüber hinaus sollen 6577 Euro eingezogen werden, der Gegenwert der erbeuteten Gegenstände.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-29-Jaehriger-muss-fuer-13-Taten-hinter-Gitter;art472,415128

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