09. Mai 2019, 05:00 Uhr

Prognose bis 2024

240 neue Plätze: Millionen Euro für den Kita-Ausbau

Bad Nauheim wächst und wächst, immer mehr Kinder wohnen hier. Deshalb plant die Stadt bis 2024 etwa 240 neue Kita-Plätze. Damit sind Zusatzausgaben in Millionenhöhe verbunden.
09. Mai 2019, 05:00 Uhr
Ein Bad Nauheimer Kita-Kind bei der Arbeit. Den Ausbau des Tagesstätten-Angebots lässt sich die Stadt in den kommenden Jahren einige Millionen Euro kosten. (Foto: Nici Merz)

Bad Nauheim hat es geschafft, wie Erster Stadtrat Peter Krank im Sozialausschuss am Dienstagabend nicht ohne Stolz anmerkte, in den letzten 20 Jahren erfolgreich gegen den bundesweiten demografischen Trend anzukämpfen. Aus einer Kleinstadt, die zu »vergreisen« schien, sei eine wachsende Kommune mit gemischter Altersstruktur geworden. Der Zuzug junger Familien ist zwar gewünscht, bringt gewisse Einnahmen, kostet aber andererseits auch eine Menge Geld. Vor allem wenn eine Kinderbetreuung auf hohem Niveau angeboten werden soll.

Der zuständige Fachbereichsleiter Jochen Mörler präsentierte dem Ausschuss ein weiteres Mal Daten, die das ungebrochene Wachstum bei der Zahl der Kita-Kinder dokumentieren. Allein in diesem und im kommenden Jahr muss die Stadt für deren Betreuung Zusatzausgaben in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro einplanen. Nur ein kleiner Teil davon wird laut Mörler durch Landeszuweisungen für die Betreuung der Ü 3-Kinder und durch die Gebühren, die Eltern zu zahlen haben, refinanziert. Den Rest bezahlt die Stadt.

Prognosen, keine Fakten

Nach Aussage des Ersten Stadtrats werden Planung und mittelfristige Prognose immer schwieriger. Das liege nicht zuletzt an den Baugebieten. Niemand weiß im Voraus genau, wer dort hinzieht. »Beim Hempler in Nieder-Mörlen wurde vor allem mit Familien gerechnet, die schulpflichtige Kinder haben. Mit dieser Annahme lagen wir fatal falsch.« Tatsächlich kamen viele jüngere Kinder, was weitere Kita-Plätze erforderlich macht.

Mörler sprach von einem »Blick in die Glaskugel«, der nicht die Wirklichkeit abbilde. Schließlich reichten die Vorhersagen, an denen die Verwaltung ihr Handeln ausrichten müsse, bis ins Jahr 2024. Der Fachbereichsleiter rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einem Mehrbedarf von rund 240 Kita-Plätzen für unter und über dreijährige Kinder. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, werden in den kommenden beiden Jahren viele kleine Erweiterungsmöglichkeiten in fünf Kitas genutzt. Teilweise sollen diese neuen Gruppen nur vorübergehend bestehen.

Zwei neue Tagesstätten

Bis 2021 werden nämlich zwei neue Tagesstätten in der Kernstadt gegründet. Eine soll 2020 eröffnen, die andere im Jahr darauf im Umfeld des Neubaugebiets Bad Nauheim Süd. Wie Krank erklärte, seien konkrete Gespräche mit Immobilieneigentümern und Bauherren im Gange. Verträge sind aber noch nicht unterzeichnet. Außerdem behält sich der Fachbereich die Option vor, in dem städtischen Gebäude, das die Kita am Hochwald beherbergt, ab 2021 auch das Dachgeschoss für Kinderbetreuung zu nutzen.

Bei den Mehrkosten in Millionenhöhe spielen die Investitionen nur eine kleine Rolle. Den überwiegenden Teil machen die Personalkosten aus, weil immer mehr Betreuerinnen und Betreuer eingestellt werden müssen. Deshalb kommt Mörler ein Trend sehr entgegen, der so nicht erwartet wurde. Die Zahl der U 3-Kinder steigt nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. »Gott sei Dank«, meinte der Fachbereichsleiter.

Pläne einstimmig gebilligt

Schließlich kostet die Betreuung der Kleinsten deutlich mehr als die der Ü 3-Kinder. Viel stärker als prognostiziert nimmt dagegen die Zahl der Drei- bis Sechsjährigen zu. Bezüglich der Bedarfsquote geht die Stadt bei Ü 3-Kindern von 100 Prozent aus, während bei den Jüngeren für jedes zweite Kind ein Platz vorgehalten werden soll.

Im Anschluss an die Präsentation Mörlers, die von einigen Fragen unterbrochen worden war, billigte der Sozialausschuss die Ausbauplanung einstimmig.

 

Info

Notfall-Szenarien

Zu einer vorausschauenden Planung in Sachen Kinderbetreuung gehören Notfallpläne. Sehr unwahrscheinlich ist der Fall, dass der Bedarf an Kita-Plätzen in den kommenden Jahren geringer ist als vorhergesagt. Dann würde die Stadt auf die temporäre Erweiterung der Kita »Apfelwiese« verzichten. Dort sollen vorübergehend elf neue Ü 3-Plätze geschaffen werden, die wieder entfallen, wenn 2021 die neue Tagesstätte in Bad Nauheim Süd ihre Arbeit aufnimmt. Eher wahrscheinlich ist der umgekehrte Fall: Der mittelfristig vorgesehene Ausbau reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Dann sieht das Notfall-Szenario eine Container-Kita vor, die in zehn Wochen entstehen könnte. »Wir werden mit allen Mitteln versuchen, eine Container-Kita zu vermeiden. Wir hätten es uns leicht machen und auf diese Weise fünf neue Gruppen unterbringen können«, sagte Erster Stadtrat Peter Krank. (bk)

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