26. April 2019, 20:03 Uhr

1000 Briefe am Tag begutachtet

26. April 2019, 20:03 Uhr
Hans Drechsler hat im April 1983 beim Wetteraukreis angefangen. 36 Jahre später geht er in den Ruhestand. (Foto: prw)

Ruhe bewahren können ist eine der wichtigsten Tugenden, die ein Mitarbeiter der Poststelle des Wetteraukreises haben muss, in der täglich mehr als 1000 Briefe ein- und ausgehen. Hans Drechsler ist ein ruhender Pol – und das seit fast 20 Jahren. Ende April geht er nach mehr als 45 Berufsjahren in den Ruhestand.

1955 in der Nähe von Hermannstadt in Siebenbürgen geboren, machte Hans Drechsler dort eine Lehre als Landwirtschaftstechniker. Mit seinen Eltern kam er 1977 in die Wetterau, wo er als Mechaniker in der Zuckerfabrik in Friedberg Arbeit fand. Nach deren Schließung arbeitete er für einige Monate in Bad Nauheim bei einem Unternehmen, das sich auf Mikroverfilmungen spezialisiert hatte. »Den ganzen Arbeitstag im Dunkeln zu verbringen und abends ins grelle Licht zu schauen, das war nichts für mich.« Drechsler bewarb sich beim Wetteraukreis, der einen Hausmeister suchte. Das war 1983. Drechsler bekam die Stelle und arbeitete 17 Jahre lang in der Kreisverwaltung, bis sich im Jahr 2000 eine neue Herausforderung bot. »Der langjährige Poststellenleiter ging in Rente, und ich wollte gerne noch mal etwas anderes machen. Aber, ob als Hausmeister oder in der Poststelle, die Arbeit hat stets Spaß gemacht. Es kommt einfach auf die Einstellung an.«

Dienstbeginn ist um 6.45 Uhr, dann werden die ersten 30 bis 40 E-Mails gesichtet und den fünf Fachbereichen, 19 Fachdiensten und den Fachstellen zugeordnet. Um 7.30 Uhr fährt Hans Drechsler zur Post. »Dann hole ich die Arbeit für das ganze Haus.« Täglich gehen mehr als 1000 Briefe sowie 20 bis 25 Einschreiben ein. Dazu werden noch Pakete angeliefert, die es ebenfalls zu verteilen gilt. »Die Post wird geöffnet, mit Ausnahme der Schreiben an Landrat Weckler, Erste Kreisbeigeordnete Becker-Bösch und Kreisbeigeordneten Matthias Walther. Auch Personalsachen öffnen wir nicht«, erklärt Drechsler.

Während Johanna Fröhlich, die seit mehr als zehn Jahren in der Poststelle arbeitet, die Papiere verteilt, kümmert sich Drechsler um die Ausgangspost. Die bereits adressierten und zugeklebten Schreiben aus der Verwaltung werden sie nach Gewicht und Maß sortiert und mit einer Maschine frankiert. Die Portokosten werden auf das Komma genau den einzelnen Einheiten zugeordnet. Die Schreiben mit Postleitzahlen, die mit »61« beginnen, werden gesondert sortiert. Denn die sind etwas billiger als die Standardpost. Rund 250 000 Euro zahlt der Wetteraukreis für das Porto pro Jahr. Die Briefe werden nachmittags von der Post abgeholt.

Er freue sich auf seinen Ruhestand, sagt Hans Drechsler, aber er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. »Ich habe immer gerne gearbeitet. Wir haben hier ein tolles Team. Es war nie langweilig und hat immer Spaß gemacht.«

Zeit nehmen will er sich nun für den eigenen Garten in Schwalheim und für die Enkel. Im Juni geht es dann auf große Tour nach Siebenbürgen, und als weiteres Ziel stehen die USA auf dem Reiseplan, ein Traumziel schon seit Langem.

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