Wetterau

100 Tage im Amt und schon einiges bewegt

Am Donnerstag war Landrat Jan Weckler (CDU) 100 Tage im Amt. Vor der Presse kündigte er »deutlich höhere Investitionen« im Schulbau an – allerdings »mit Augenmaß«.
29. Juli 2018, 15:00 Uhr
Jürgen Wagner
Abgehakt und weiter geht’s: Landrat Jan Weckler zieht ein – wie soll es anders sein – positives Fazit seiner ersten 100 Tage als Chef der Wetterauer Kreisverwaltung. (Foto: Wagner)

Jan Weckler (CDU) bringt man nicht so leicht aus der Fassung. Auf die Frage, ob er, wenn die Koalition demnächst einen weiteren hauptamtlichen Kreisbeigeordneten wählt, wieder mehr Zeit für ausgedehnte Reisen durch den Wetteraukreis hat, so wie vor der Wahl, antwortet er schmunzelnd: »Ich bin sieben Tage die Woche im Kreis unterwegs.« Ein Landrat, der ständig Kontakt zu den Menschen sucht. Und so eloquent und redselig, wie er den Bürgern entgegentritt, so legte der 46-Jährige nun im Kreishaus der Presse auch die erste Bilanz seiner Tätigkeit vor.

Die Pressemitteilung zur 100-Tage-Bilanz umfasst 11 000 Zeichen, das würde für drei Aufmacherartikel in der WZ reichen. Das Fazit liest sich wie ein Aktenvermerk: »Neben der weiteren Haushaltskonsolidierung müssen aufgrund der aktuellen Herausforderungen in den nächsten Jahren deutlich höhere Investitionen erfolgen, vor allem im Schulbau. Gleichwohl haben eine stabile Finanzlage und die Entlastung der Kommunen weiterhin Priorität.« Weckler ist Verwaltungsmensch durch und durch, es ist seine sechste Behörde, in der er arbeitet. Zwei Jahre lang war er Erster Kreisbeigeordneter. Seit Januar, nach dem Abgang seines Vorgängers Joachim Arnold (SPD), hat er die Kreisverwaltung mit 1300 Mitarbeitern kommissarisch geleitet. Nichts ist ihm dort fremd, sein Fazit könnte auch lauten: »Der Laden läuft.«

 

Unterricht im Container

 

Als wichtige Akzente der ersten 100 Tage nennt Weckler: die Erweiterung des Ganztagsprogramms, den Bau von Schulgebäuden und den Radwegeverkehrsplan. Die Kommunen müssen bei Schulbauten nicht mehr die Hälfte der Investitionen übernehmen. Aufgrund des Bevölkerungszuwachses werde der Kreis seine Investitionen verdoppeln.

Bis zu 30 000 Neubürger werden in den nächsten Jahren erwartet. An 24 von 88 öffentlichen Schulen im Kreis wurden Container aufgestellt. Eigentlich zu viele, sagt der Landrat. Finanzpolitisch macht Weckler dort weiter, wo Arnold aufgehört hat: Die Kassenkredite werden abgelöst, die Frist wurde verlängert bis zum 20. November. Dann erhält der Kreis 31 Millionen Euro aus der »Hessenkasse«. Außerdem werde der Kreis rund 20 Millionen als »Liquiditätspuffer« zur Seite legen, damit keine neuen Kassenkredite aufgenommen werden müssen.

 

Glasfasern und Biowoche

 

Es fließt viel Geld in die Wetterau, 60 Millionen für den Schulbau kommen aus den »KIP«-Programmen, 28 Schulen profitieren davon. Beim Ganztagsprogramm und der Anbindung der Schulen ans Glasfasernetz komme man voran, zuerst an 31 Schulstandorten, in einem zweiten Schritt an den 51 anderen. Bei der Landwirtschaft will Weckler beide Modelle – konventionell und ökologisch – fördern. Hier gibt es Nachholbedarf: Von 1000 Betrieben wirtschaften in der Wetterau nur 50 auf Öko-Basis. Die dritte »Biowoche« soll Abhilfe schaffen.

Beim Verkehr verweist der Landrat auf die Reaktivierung der Horlofftalbahn zwischen Wölfersheim und Hungen. Den Radverkehr will Weckler voranbringen, das Klimaschutzkonzept fortschreiben und den Tourismus vorantreiben. Hier werde sich die Wetterau zusammen mit Vogelsberg, Gießen, dem Taunus und Frankfurt »neu aufstellen«.

In der Ausländerbehörde, zuletzt heftig in der Kritik, sind neue Stellen vorgesehen. Ziel sei es, dass ein Sachbearbeiter nicht mehr als 1000 Fälle bearbeitet. »Bei aktuell 39 000 Ausländern wären das 39 Stellen. Tatsächlich haben wir 34,5.« Auch in der Baubehörde fehlen Fachleute, Bauvorhaben warten auf ihre Umsetzung, etwa der Lehrertrakt des Burggymnasiums. Er soll nun »bis 2020« saniert sein. Bleibt das Gesundheitszentrum Wetterau. Die Frage, ob er so wie sein Vorgänger die Stadt Bad Nauheim vor den Kopf gestoßen hätte, beantwortet Weckler höflich mit der Bemerkung, abgestimmte Pressemitteilungen seien ihm lieber. Der Standort Bad Nauheim werde ausgebaut. Das sei ein Pfund bei den Gesprächen mit dem Hochtaunuskreis über eine Zusammenarbeit. Man werde »die Gesundheitsversorgung im Wetteraukreis auf eine breite und zukunftssichere Basis stellen«. Auch das klingt wie ein Aktenvermerk. Der Laden läuft.

 

Infobox

Kehrtwende beim Schulbau

Vor einigen Jahren gab es die Befürchtung, in kleineren Orten würden Schulen geschlossen. Der Nachwuchs fehlte. Jetzt steigen die Geburtenzahlen wieder, und es kommen Neubürger hinzu. Die Wetterau boomt. Der Kreis erhält aus den Kommunalen-Investitions-Programmen »KIP I« und »KIP II« Investitionszuschüsse von rund 60 Millionen Euro. Das Geld wird für wichtige Sanierungsmaßnahmen sowie für den Ausbau der Ganztagsangebote mit Mensa und Differenzierungsräumen verwendet. Für Neu- und Erweiterungsbauten aufgrund steigender Schülerzahlen dürften die Mittel grundsätzlich nicht verwendet werden, sagte Landrat Weckler. Die Maßnahmen sind bereits in den Kreistag eingebracht und sollen im August beschlossen werden. (jw)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-100-Tage-im-Amt-und-schon-einiges-bewegt;art472,463921

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