27. November 2014, 18:13 Uhr

Volksbühne: Vorhang auf für zwei weitere Jahre

Friedberg (jw). Ob man es nun bürgerliches Trauerspiel, Stegreifkomödie oder absurdes Theater nennen mag – auf jeden Fall ist der Streit um den Volksbühnen-Zuschuss beendet, der Vorhang hebt sich für weitere zwei Jahre.
27. November 2014, 18:13 Uhr
David-Michael Johnson, Darsteller in »Motown« (27. Januar, Stadthalle), hat gut lachen. Er macht Musiktheater. Andere machen absurdes Theater. (Foto: pv)

Sicherlich sogar noch viel länger, aber der Gewährsvertrag mit der Stadt (und damit rund 20 500 Euro Zuschuss pro Jahr) soll solange gelten. Gibt es 2016 bei den Haushaltsberatungen keine Widersprüche, wird ein weiteres Jahr drangehängt. Das Geld fließt erst dann, wenn der Haushalt 2015 genehmigt ist. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss (HuF) am Mittwochabend mit den Stimmen von SPD, Grünen und UWG beschlossen; am 11. Dezember wird das Stadtparlament entscheiden. Die CDU enthielt sich der Stimme, und das galt auch für die Frage, ob sie gegenüber den Mitgliedern den Volksbühne, die neulich vor den Kopf gestoßen wurden, ein Wort der Entschuldigung aussprechen. Die Grünen haben das getan.

Ein zweites Mal waren die Vorstandsmitglieder der Volksbühne einer Einladung in einen Ausschuss gefolgt, »und diesmal kommen Sie zu Wort«, begrüßte Ausschussvorsitzende Marion Götz die Gäste. Zur Erinnerung: Im Oktober hatten sowohl HuF als auch Kulturausschuss die Volksbühne eingeladen. Bevor der Zuschuss fließt, sollten Fragen zur Geschäftsführung beantwortet werden. Im Kulturausschuss ließ die CDU mit Unterstützung der Grünen diesen Punkt von der Tagesordnung nehmen; der Haushalt werde erst im Februar beraten, vorher könne man kein Geld ausgeben, lautet die Begründung. Die Volksbühne musste unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen.

Wer nun erwartet hatte, die CDU würde im Haupt- und Finanzausschuss ihr Bedauern aussprechen und einen Fehler einräumen, sah sich getäuscht. Stattdessen richtete der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Geipel eine Frage an Kämmerer Peter Ziebarth (CDU), woraufhin dieser erschöpfend und Paragraphen zitierend Auskunft über die Gesetzeslage gab. Der Zuschuss sei eine freiwillige Leistung, die dürfe die Stadt ohne genehmigten Haushalt nicht bezahlen.

Es folgte ein abrupter Szenenwechsel. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Uebelacker entschuldigte sich bei den Mitgliedern der Volksbühne für seine Fraktionsmitglieder und bedauerte den Sitzungsverlauf im Kulturausschuss. »Das geht nicht, und das soll nicht wieder passieren.« Zustimmendes Nicken in den Reihen der Gäste. Doch dann ging es zur Sache, aus den Reihen von SPD, Grünen, UWG und FDP gab es eine Reihe von Fragen an die Volksbühne. Deren Geschäftsführerin Susanne Keller gab Auskunft, lieferte aber auch so manchen politischen Kommentar ab, während ihr Mann, Bürgermeister Michael Keller (SPD), den Sitzungssaal ordnungsgemäß verlassen hatte; er ist 1. Vorsitzender der Volksbühne.

»Wir müssen die Wahrheit sagen: Es geht nicht. Wir krebsen rum, haben kein Geld«, machte Olaf Beisel die Haltung der CDU deutlich. Dem hielten Bernd Messerschmidt (UWG) und Ulrich Haussner (SPD) die nötige Planungssicherheit des Vereins entgegen. Ohne Gewährvertrag keine Stücke für die nächste Saison. Marion Götz erinnerte daran, dass die Auszahlung ohnehin erst im April oder Mai erfolgen könne, wenn der genehmigte Haushalt vorliege.

Aber warum für drei Jahre und nicht für zwei? Warum 20 000 Euro? Warum reicht die Rücklage nicht? Können mit dem Kartenverkauf höhere Einnahmen erzielt werden? Peter Schmidt (Grüne) hatte eine Reihe von Fragen an Susanne Keller. Achim Güssgen (FDP) wollte zudem wissen, ob der Volksbühnenverein in wirtschaftliche Schieflage gerät, wenn die Parlamentarier den Gewährsvertrag erst im Februar beschließen.

»Davon wird die Stadt nicht ärmer«

Nun folgte der resolute Auftritt von Susanne Keller. Der Finanzbericht der Volksbühne sei bis auf den Cent genau, sagte sie. Die Rücklagen reichten aus, um die aktuelle Saison abzuwickeln. Zu mehr aber nicht. Ohne den Gewährsvertrag müsse der Traditionsverein seine Arbeit nach der Saison beenden. Von den 20 500 Euro Zuschuss müsse man 3000 Euro für sie Stadthallenmiete abziehen. »Die Stadthalle könnte man uns auch umsonst geben.« Verbleiben 17 000 Euro. Das seien »Peanuts«, von denen »die Stadt nicht ärmer wird«. Die Kommunalpolitiker müssten den Rotstift ansetzen, »aber nicht im Bildungsbereich«, schrieb Keller den Ausschussmitgliedern ins Stammbuch.

Die letzte Saison der Volksbühne war sehr erfolgreich. Es flossen Sponsorengelder und Spenden, die Stücke waren gut besucht, 64 500 Euro wurden erwirtschaftet – eben jene Rücklage, die nun benötigt wird. Stücke von renommierten Theaterbühnen sind nicht ganz billig. Die »Päpstin«, die am 10. Januar in der Stadthalle zu sehen sein wird, kostet 9500 Euro. Die Volksbühne müsse außerdem Tantiemen, Mehrwertsteuer, Versorgungsabgaben und Aufbaukosten zahlen. Susanne Keller: »Der Zuschuss wurde vor einigen Jahren reduziert, wir wurden nicht gefragt.«

Als CDU-Sprecher Beisel nach dem Geschäftsführergehalt »in Höhe von 11 000 Euro« fragte, antwortete Susanne Keller mit den Worten »Wenn Sie die Zahlen richtig zitieren würden« und rechnete vor, dass es 7000 Euro im Jahr sind, für zwölf Stunden in der Woche. »Ich kann Ihnen gerne eine Arbeitsplatzbeschreibung liefern.« Für manche Ausschussmitglieder und Zuhörer klang das, wie hinterher zu hören war, »recht selbstbewusst« oder auch »etwas zu nassforsch«. »Unverschämt« lautete ein Kommentar aus den Reihen der CDU.

Dass die Laufzeit des Gewährsvertrags von drei Jahre auf zwei plus ein Jahr Option verlängert wurde, war als Brückenschlag gedacht. Die CDU enthielt sich dennoch der Stimme. Neben finanzpolitischen Erwägungen dürften hier auch (gegenseitige) Antipathien im Spiel sein. Und so schloss sich der Vorhang und das eigentliche Schauspiel hatte sich hinter manch nachdenklicher Miene, einigen bösen Blicken sowie eifrig während der Sitzung getippten WhatsApp-Nachrichten verborgen und lugte nur in wenigen spitzen Bemerkungen hervor.

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