04. November 2014, 17:48 Uhr

Grabscherei an Fasching: 50-Jähriger verurteilt

Friedberg (jwn). Ein Jahr und drei Monate Gefängnis auf Bewährung. Das ist der Preis, den ein 50-jähriger Friedberger für seine ungezügelten Lustgefühle zahlen muss. Der Mann musste sich wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung vor dem Schöffengericht verantworten.
04. November 2014, 17:48 Uhr
Süße Stückchen von der Bäckerei versprechen durchaus sinnliche Genüsse. Die sind aber rein kulinarischer Art. Ein 50-jähriger Friedberger hat das nicht verstanden. (Foto: DPA Deutsche Presseagentur)

Weil ihm die Verkäuferin in seiner Stammbäckerei schon seit Längerem zusagte, deutete der 50-jährige Arbeitslose die gegen Kunden übliche Zuvorkommenheit als persönliche Geste ihm gegenüber. Erschwerend kam hinzu, dass es Faschingsdienstag war und der Mann glaubte, er könne sich aus diesem Anlass etwas mehr herausnehmen als üblich.

So kehrte der Angeklagte am 4. März dieses Jahres nach seinem normalen Einkauf noch in einmal in die Bäckerei in Friedberg zurück und bat besagte Verkäuferin, die er von seinen täglichen Einkäufen doch so gut zu kennen glaubte, weil sie mit ihm des Öfteren belanglose Gespräche über die Theke hinweg geführt hatte, mit ihm in den hinteren Bereich der Bäckerei zu gehen. Dort befindet sich ein kleines Café. Da die Verkäuferin den Angeklagten als guten Stammkunden kannte, folgte sie ihm. Als er sie dann jedoch am Arm packte, gegen die Wand presste und sie zu küssen versuchte, protestierte und wehrte sie sich heftig.

Das will der Angeklagte aber nur als vorgetäuscht empfunden haben. Jedenfalls bedrängte er sie deshalb umso heftiger. Er packte sie an den Po, an ihre Brust und rieb seinen erigiertes Geschlechtsteil an ihrem Bein. Und je mehr sie sich gegen die Annäherung des Angeklagten wehrte, umso stärker wurden dessen sexuellen Attacken, begleitet dazu von Worten wie »geile Sau« oder »Komm zu mir nach Hause, da zeige ich es dir dann richtig«. Der sexuelle Übergriff hörte erst auf, als Kunden den Laden betraten. Er habe daraufhin fluchtartig das Geschäft verlassen.

Als in den folgenden Tagen die Mitarbeiterinnen der Bäckerei seine Personalien herauszubekommen versuchten, ging der Mann von sich aus zur Polizei. »Ich hatte Angst, dass die Polizei mich mit Steckbrief sucht und eines Tages auf der Straße verhaftet«, sagte der Angeklagte kleinlaut vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Strafrichter Dr. Markus Bange. Von der Polizei erhielt er sofort Hausverbot für die Bäckerei.

Plötzlich ist die Erinnerung wieder da

Dem Angeklagten war das »Missverständnis« sehr unangenehm, deshalb wollte er bei seiner Vernehmung vor Gericht auch nicht sofort mit der Sprache heraus. »Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern«, war zu Verhandlungsbeginn der Satz, den das Gericht am häufigsten zu hören bekam. Erst als sein Anwalt auf ihn einredete, dass er die Situation nur noch schlimmer mache und durch sein Verhalten die Vernehmung der Verkäuferin vor Gericht erforderlich würde, lenkte er ein. Denn der Vorfall war nicht nur ihm unangenehm, sondern auch der Verkäuferin, die den Vorfall dann in allen Einzelheiten vor der Öffentlichkeit hätte schildern müssen. So räumte der 50-Jährige schließlich alle von der Staatsanwaltschaft gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein. »Ja, wenn die Frau das so sagt, wird es wohl so gewesen sein«, gab er Vorwurf um Vorwurf zu.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Einen minderschweren Fall sexueller Nötigung schloss er aus, schließlich habe die Verkäuferin von der hemmungslosen Grabscherei des Angeklagten mehrere blaue Flecke an der Brust davongetragen. Außerdem forderte er ein Hausverbot in der Bäckerei für den Angeklagten. Da auch der Verteidiger sich dem Strafmaß anschloss, er aber um Milde bat, da der Angeklagte sich schließlich aus freien Stücken bei der Polizei gemeldet habe, folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Ein Jahr und drei Monate Gefängnis auf Bewährung und Hausverbot. Von zusätzlichen Arbeitsstunden sah das Gericht ab, da der Angeklagte aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig ist. Noch im Gerichtssaal nahmen beide Seiten das Urteil an und verzichteten auf weitere Rechtsmittel.

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