17. Juni 2014, 12:18 Uhr

Vätertag auf der Kinderfarm Jimbala: So wunderbar wild

Friedberg (jw). ls Kind habe er sich immer über Hochwasser gefreut. »Wir sind in einer Badewanne die Nidda runtergefahren. Das war gefährlich. Heute würden die Eltern Alarm schlagen«, sagt der Senior beim Blick über die Kinderfarm Jimbala. Hier schlägt niemand Alarm. Die Kinder können sich so richtig in der Natur austoben.
17. Juni 2014, 12:18 Uhr
Spaß am Vätertag: Zeljko Brankovic und der zehnjährige Gabriel baggern Löcher für neue Bäume. (Foto: Jürgen Wagner)

Vatertag geht so: An Christi Himmelfahrt belädt man den Bollerwagen mit Bier und zieht mit den Kumpels durch die Gegend, bis man nicht mehr laufen kann. Als ob das einen richtigen Vater ausmacht. Der Vätertag ist ganz was anderes. Hier geht es um die Verantwortung der Väter für ihre Kinder und Familien, es geht um die Frage, was das Vatersein ausmacht oder – um’s mal weniger theoretisch zu sagen – darum, dass Väter und Kinder miteinander Zeit verbringen, spielen, Spaß haben. Ohne dass die Mutter gleich ausgeschlossen werden muss.

Die Hessenstiftung »Familie hat Zukunft« hatte in diesem Jahr zum zweiten Mal Vereine und Initiativen dazu aufgerufen, am 15. Juni Aktionen auf die Beine zu stellen. »Das passt in unser Konzept, also haben wir uns beworben«, sagt Elisabeth Reuter vom Vorstand der Kinderfarm Jimbala. 500 Euro gab es von der Hessenstiftung. »Damit haben wir Würstchen und Salate gekauft, Holz für den Hüttenbau, Bastelmaterial und Schminkfarbe«, sagt die Jimbala-Vorsitzende Karin Johannsmann. Und der Traum aller großen und kleinen Jungs wurde für einen Tag gemietet: ein echter Bagger.

»Das ist mein Spielzeug für Erwachsene«, lacht Zeljko Brankovic. Der Bad Nauheimer, Inhaber einer Firma für Dienstleistungen rund um Haus und Garten, hilft der Kinderfarm gerne, spendet mal Steine, mal Bauholz. Heute hat er seinen Bagger mitgebracht, der ständig belagert ist. Den jüngsten Baggerfahrer hat Papa Robert auf dem Schoß: Jannik ist gerade mal 16 Monate alt, zieht aber schon eifrig an den Hebeln und staunt, wie sich die Baggerschaufel in die Erde gräbt. Dann ist der zehnjährige Gabriel an der Reihe. »Ich bin schon mal Gabelstapler gefahren«, verrät er. Mit dem Bagger hebt er Löcher für Bäume aus, denn natürlich wird das Gelände nicht einfach so umgegraben. »Wir pflanzen dort Bäume«, sagt Johannsmann.

Es fehlen schattige Plätze auf der Kinderfarm, aber ansonsten hat sich schon viel getan auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Streifen Land hinter den 24 Hallen. 2009 gründete ein gutes Dutzend Friedberger und Bad Nauheimer den Jimbala-Verein mit dem Ziel, Kindern ein Gelände zur Verfügung zu stellen, wo sie den bewussten Umgang mit der Natur und einen ungezwungenen Zugang zu Tieren lernen können. Die erste größere Aktion war 2010 die Errichtung eines Mais-Labyrinths, 2012 pachtete der Verein das Ackergrundstück hinter der Bahnlinie von der Stadt. Nach und nach richteten die mittlerweile rund 80 Vereinsmitglieder die Wege her, Strom- und Wasserleitungen wurden verlegt, Erdhaufen aufgeschüttet, Bauwagen aufgestellt, es wurden Hütten und Spielgeräte gebaut. So entstand ein wahres Kinderparadies, bei dessen Entstehung Jung und Alt gleichermaßen mitanpacken. Und wenn sich ein Kind mit dem Hammer auf den Finger haut? »Dann tut’s weh«, lacht Elisabeth Reuter. »Kinder müssen sich ausprobieren können, sie lernen durch Erfahrung«, sagt Karin Johannsmann. Die in Friedberg lebende Sozialpädagogin weiß, von was sie spricht, sie ist Leiterin der Kinder- und Jugendfarm »Dreieichhörnchen« in Dreieich.

Kinder wünschen sich Hühner

Ohne Sponsoren und Hilfe von Außen wäre das alles nicht möglich. Langzeitarbeitslose Männer eines Projekts der FAB gGmbH haben eine Feuerstelle gebaut, Mitarbeiter von Fresenius haben an einem »Social-Day« einen Werkzeugcontainer in einen der Erdhügel eingegraben, die katholische Jugend half beim Bemalen der Bauwagen, zusammen mit dem städtischen Kinderplaneten wurde ein Holzschiff gebaut. Auch eine Benjeshecke aus Zweigen und Ästen wurde geflochten, die Weidenstöcke treiben schon wieder aus. Blindschleichen, Kaninchen und Vögel finden hier ein Zuhause. Überhaupt sollen noch Tiere auf der Farm einziehen. »Die Kinder wünschen sich Hühner. Dafür müssen wir aber erst Ställe bauen«, sagt Johannsmann.

Rafael Rogalski und Tobias Hoffmann hauen gerade Nägel in eine Hüttenkonstruktion. »Das könnte ein Aussichtsturm werden oder ein Fort«, sagt Rogalski. Kommt drauf an, welches Baumaterial zur Verfügung steht. »Die Rolle der Väter hat sich verändert«, sagt Hoffmann. Die klassische Aufteilung – Mann verdient das Geld, Frau kümmert sich um die Kinder – sei längst aufgeweicht. »Väter übernehmen Zuhause mehr Verantwortung«, weiß er. Den klassischen Vatertag hält er ohnehin für einen »Witz«. Bier und Bollerwagen, das war gestern, meint auch Christoph Tilhard, der mit Frau und Kindern einen Fahrradausflug zur Kinderfarm gemacht hat. Lieber backt er Stockbrot überm Lagerfeuer. »Wir sind zum ersten Mal hier. Das ist ein schönes Projekt, wir kommen wieder«, sagt er.

Roman Stricker ist oft auf der Kinderfarm, zum Vätertag ist er mit seinem Sohn Fabian und dem kleinen Paul hier, dem Sohn seiner Lebensgefährtin. »Die darf heute auf der Couch die Füße hochlegen«, lacht er. »Ich habe meine Kindheit in der Natur verbracht und will, dass meine Kinder das auch erleben.« Genau das ist auch der Grund für den Grünen-Stadtverordneten Carl Cellarius, den Verein durch eine Mitgliedschaft zu unterstützen. »Man muss den Kindern Möglichkeiten bieten, damit sie draußen in der Natur spielen können.« Und eben nicht nur drinnen vor dem Computer. »Wenn ich da an meine Kindheit denke, was wir alles getrieben haben.« Die Badewannen-Fahrt auf der Nidda dürfte wohl nur eine Episode unter vielen sein.

Eine Mutter erzählt, wenn sie mit ihrem Sohn hierher komme, sei der sofort nach der Ankunft verschwunden. »Es gibt hier so viele Möglichkeiten zum Spielen. « Der Sohn, befragt, was ihm am besten auf der Kinderfarm Jimbala gefällt, sagt kurz: »Mit gefällt’s hier, weil’s hier so wunderbar wild ist.« Und dann ist er auch schon verschwunden, auf einem der Spielgeräte oder hinter einem der vielen Hügel, Diesteln köpfen.

Die Kinderfarm Jimbala liegt wenige Meter hinter den 24 Hallen und ist samstags von 11 bis 16 Uhr sowie am 1. und 3. Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Vom 18. bis 22. August sowie vom 25. bis 29. August bietet der Verein Ferienspiele an; es sind noch Plätze frei. Weitere Infos gibt’s unter www.jimbala.de.

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