03. April 2014, 18:28 Uhr

Stadtführung in Friedberg: Auf den Spuren von Monstern

Friedberg (ini). In Friedberg wimmelt es nur so von Monstern. Wer das noch nicht wusste, konnte sich kürzlich von der Stadtführerin Dr. Doris Jensch eines besseren belehren lassen.
03. April 2014, 18:28 Uhr
Stadtführerin Dr. Doris Jensch erläutert am Georgsbrunnen Probleme der Wasserversorgung. (Foto: Jutta Martini)

Auch Schätze und Schätzchen gibt es zuhauf in der Kreisstadt, wie sich bei dem Spaziergang von der Stadtkirche zur Burg und über die Kaiserstraße bis ins Barbaraviertel zeigte. »Friedberger Monster, Friedberger Schätzchen« hatte die Kultur- und Naturführerin die Führung überschrieben, bei der amüsante und gruselige, geschichtsträchtige und Geschichten erzählende Kleinigkeiten im Mittelpunkt standen.

Zwölf Neugierige machten sich mit Jensch auf Entdeckungsreise und stöberten unbekannte Dinge an vertrauten Orten und Häusern auf, ließen sich von Geschichten und Anekdoten gefangennehmen. Schon am Ausgangspunkt, der Stadtkirche, zeigte sich, dass es oft eines genauen Hinsehens bedarf, um Monster und Schätze aufzuspüren. Die Wasserspeier und Wächter hoch oben an der Kirche sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Nur durch genaues Hinsehen ist auch die grüne Gestalt, eine Echse oder ein Krokodil, unter dem Kreuz am Karfreitagsfenster, zu erkennen. »Alexander Linnemann hatte hier ursprünglich ein Chamäleon vorgesehen, das Symbol für Verwandlung und Übergang. Das Fenster wurde von einem Schüler Linnemanns ausgeführt, der ein Chamäleon wohl nicht kannte und einfach ein ihm bekanntes Tier einsetzte«, erklärte Jensch zu dem 1901 eingebauten Fenster.

Schätze, das waren in früheren Zeiten nicht nur Geld. Wasser, Salz und Eis (zur Kühlung von Lebensmitteln) gehörten ebenso dazu. Besonders die Wasserversorgung war in der auf einem Hügel gelegenen Stadt nicht einfach, erläuterte die Stadtführerin vor einem mit einem Engel geschmückten Brunnen in der Altstadt. Bis in 20 Meter Tiefe musste gebohrt werden, um an das kostbare Nass zu kommen. Salz wurde aus Meerwasser oder Salzquellen gewonnen. In Friedberg konnte es aus dem benachbarten Bad Nauheim bezogen werden.

Obwohl Stadt und Burg getrennte Gemeinwesen und sich selten einig waren, betrieben sie gemeinsam ein Salzhaus und die Münze (heute Kaiserstraße 6 und 8). Um die letzte Münze, die 1804 in Friedberg von den Burgmannen geprägt wurde, rankt sich eine Legende. Schon zwei Jahre zuvor war die Stadt dem Großherzogtum Hessen-Kassel eingegliedert worden, und die Burg sollte folgen, was den Burgmannen offensichtlich nicht gefiel. Die Münze stellte St. Georg, den Drachentöter, dar. Der Drache soll das Gesicht des Großherzogs getragen haben. Mit etwas Phantasie kann der Abbildung ein Drache mit einer Löwenmähne – der Löwe war das Wappentier des Großherzogs – erkannt werden.

»Auch frühere Generationen zeigten Geschichtsbewusstsein«, zeigte die Stadtführerin auf einen Stein über dem Tor zur Burg. Unter dem Friedberger Wappen ist dort ein Stein des alten Wachtturms der Burg angebracht, der sich hinter dem Burgtor befand.

Die Häuser der Kaiserstraße bieten bei einem genaueren Blick reichlich Entdeckungen. Früher waren an vielen Häusern Hauszeichen angebracht. Einige wie der Ritter oder die Jungfrau sind heute im Wetterau-Museum beziehungsweise in Nürnberg zu sehen. Erhalten ist heute noch die Sandsteinrose am Haus zum Roseneck, besser bekannt als Dunkel. Über dem Tor am Haus Breitenfelder prangt noch immer das Wappen des Deutschen Ordens, der sowohl in der Stadt wie auch in der Burg ein herrschaftliches Haus besaß. Freundlich grüßt der »lachende Friedberger« von den Stadtmauerresten nahe des Durchgangs zur Zehntscheune. »Der ›lachende Friedberger» bringt Glück, wenn man ihn grüßt«, erklärte Jensch und zeigte auf einen wenig auffälligen Stein unter dem Sandsteingesicht. Hier sind die Bauamtsleiter Hartmann Scheibe und Hartmann Feuerbach verewigt, die 1672 die Stadtmauer ausbessern ließen.

Mit dem Besuch am Roten Turm, dem einzigen erhaltenen Turm der Stadtbefestigung, und der Pforte zur Barbarakapelle, von der allerdings nichts mehr erhalten ist, endete die zweieinhalbstündige Führung. Die Teilnehmer wollen künftig mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen und den unscheinbaren Dingen mehr Beachtung schenken.



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