06. März 2014, 17:43 Uhr

Quartiersmanagement: IZF fordert mehr Transparenz

Friedberg (pm). Seit Ende Dezember letzten Jahres steht der Fünf-Finger-Treff leer, die Sozialarbeiterin hatten ihren Vertrag gekündigt. »Sehr unzureichend« seien die bisherigen Informationen über die geplante Weiterführung der Arbeit des Quartiersmanagements, sagt Johannes Hartmann , Vorsitzender des Internationalen Zentrums (IZF).
06. März 2014, 17:43 Uhr
Für kleinere Veranstaltungen wie das Fünf-Finger-Fest sei der bisherige Raum geeignet, meint das IZF. Die Akteure wünschen sich einen richtigen Bürgertreff. (Foto: Pressemitteilungen Provinz)

Für ein Verfahren, dessen Hauptaufgabe darin bestehe, Bürgerengagement für den eigenen Stadtteil zu fördern, sei die bisherige Vorgehensweise kontraproduktiv. »Zumal wenn nicht klar ist, wann und wie es tatsächlich weiter geht. Hier wäre mehr Transparenz vonnöten.«

Das IZF hat die Arbeit des Quartiermanagements in den letzten beiden Jahren unterstützt. So übernahm es die Trägerschaft für das erste Fünf-Finger-Treff-Fest im Mai letzten Jahres und organisierte die Möbelbörse Ende vergangenen Jahres gemeinsam mit der Nachbarschaftsinitiative. Dabei wurden Erfahrungen gesammelt, die in die weitere Arbeit einfließen sollten.

Als »lähmend« empfanden die Unterstützer des IZF vor allem die direkte Einbindung der Quartiersmanagerin in die Verwaltungsstrukturen der Stadt Friedberg mit Anbindung an die Nassauische Heimstätte. Hartmann: »Dieses bürokratische Konstrukt hat vor allem die Sozialarbeiterin viel Kraft gekostet. So war eine eigenständige Öffentlichkeitsarbeit über die Ankündigung von Terminen hinaus nicht möglich. Für jede Stellungnahme oder neue Initiative musste umständlich Stellungnahme und Genehmigung beim Bürgermeister und der Nassauischen Heimstätte eingeholt werden.«

»Zu wenig Flexibilität«

Sozialarbeit lebe von flexiblem Eingehen auf unterschiedliche Bedürfnisse der Zielgruppen. Spontaneität sei ebenso bedeutend wie Kontinuität. »Auch konnte das Quartiersmanagement eigenständig nicht als Veranstalter für Feste auftreten, weil dann die Stadt Veranstalter gewesen wäre. Das war nicht gewünscht.« Feste seien aber wesentlich für das gegenseitige Kennen- und Schätzenlernen in entspannter Atmosphäre. Das IZF wünscht sich für die Zukunft mehr »Beinfreiheit« für die Nachfolge von Sabine Schäfer, wie sie durch die Beauftragung eines freien Trägers möglich wäre.

Aufsuchende Sozialarbeit sei notwendig, um Kontaktpersonen zu finden, die sich um den »Brückenbau« zwischen Alteinwohnern und Neuzuwanderern kümmern und die Kommunikation und Zusammenarbeit für ein friedliches Zusammenleben in Gang setzen können.

Wie die WZ berichtete, kümmert sich momentan Sezgin Yilmaz von der Migrationserstberatungsstelle des DRK um diese Aufgabe. Hartmann dazu: »Wir wünschen uns sehr, dass die Ergebnisse dieser Arbeit in näherer Zukunft zu Kontakten führen und sich positiv in der Altstadt bemerkbar machen. Allerdings halten wir ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen für wichtig, weil es eher zur Verwirrung bei den Betroffenen führen dürfte, wenn jede Organisation einzeln ihre Initiativen startet.« Dafür sei eine baldige Neubesetzung der Stelle für das Quartiersmanagement unbedingt nötig.

»Wir brauchen einen Bürgertreff«

Hartmann: »Wenn Ende des Jahres die Trägerschaft für das Quartiersmanagement durch die Nassauische Heimstätte ausläuft, sollte unserer Ansicht nach die Einbeziehung des Programms der ›Sozialen Stadt» mit ihren Finanzierungsmöglichkeiten in die weiteren Überlegungen einbezogen werden. Dieses Programm könnte zwei Drittel der Kosten finanzieren, erfordert allerdings auch weitere bauliche Maßnahmen in der Altstadt. « Auch wenn die Altstadtsanierung gerade dieses Jahr abgeschlossen werde und die Stadt bis zur Einrichtung des Quartiersmanagements vor zwei Jahren nur auf bauliche Maßnahmen gesetzt habe, gebe es auch dafür noch Bedarf, meint das IZF. »Für kleine Veranstaltungen und Sitzungen war der Fünf-Finger-Treff durchaus ausreichend. Für eine lebendige Bürgerarbeit und Eigeninitiativen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für ihren Stadtteil engagieren wollen, für Treffen und Feste, wäre jedoch ein richtiger Bürgertreff gut, zu dem die verschiedenen Initiativen Zugang haben.«

Nachdem die Musterschule nun wieder einen Schulleiter bekommen hat, könnte auch die Überlegung für eine Elternschule wieder aufgegriffen werden, meint Hartmann. »Da können sich Eltern über alle wichtigen Aspekte unseres Schul- und Bildungssystems informieren, Deutsch lernen, eigene Initiativen zur Unterstützung der Schule und ihrer Kinder entwickeln und gegenseitige Unterstützung organisieren, beispielsweise bei Sprachproblemen.« Auch für eine solche Arbeit würden Räumlichkeiten in der Nähe der Schule gebraucht, die ein Bürgertreff bereitstellen könnte.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos