03. März 2014, 15:38 Uhr

Umsonstladen: Was andere noch gebrauchen können

Friedberg (ini). In Friedberg soll das Projekt »Umsonstladen« starten. Das beschlossen die Teilnehmer einer Informationsveranstaltung in der Weinstube Röder am vergangenen Donnerstagabend. In der Praxis heißt es nun für die Initiatoren und ihre Unterstützer in erster Linie, Räume zu suchen und Patenschaften zu gewinnen.
03. März 2014, 15:38 Uhr
Initiatoren des Projekts »Umsonstladen« (von links): Monika Lux, Gottfried Krutzki und Erika Scheller-Wagner. (Foto: Jutta Martini)

Viele Menschen haben Dinge Zuhause, die sie nicht mehr benötigen oder wollen, die aber noch intakt und zu schade zum Wegwerfen sind. Andere Menschen könnten diese Dinge gebrauchen. Doch wie kommen beide Gruppen zusammen? Hier setzt die Idee des Umsonstladens an. In diesem speziellen Geschäft können vor allem Kleidung und Haushaltsgegenstände kostenlos abgegeben und mitgenommen werden – von der Blumenvase bis zur Bettwäsche, vom Anzug bis zum Toaster. Die Läden sind für jeden geöffnet, es findet keine Prüfung der Bedürftigkeit statt.

»Wer etwas gibt, der gibt. Wer etwas nimmt, der nimmt«, erklärte Gottfried Krutzki, neben Erika Scheller-Wagner, Jann-Simone Zollna und Monika Lux Initiatior des Projektes, die einfache Formel. »Es ist ein Projekt mit einer neuen Philosophie«, ergänzte Mehmet Turan vom Internationalen Zentrum, das die Trägerschaft für das Projekt zugesagt hat. »Es ist ein Geben und Nehmen ohne Kontrolle. Wir vertrauen den Menschen, die etwas abgeben, wie auch denen, die etwas mitnehmen«, erwiderte Turan auf Befürchtungen, dass Leute mit den kostenlosen Gegenständen aus dem Umsonstladen Geschäfte machen könnten.

»Das ist eine Möglichkeit, vom Geld wegzukommen. Es ist eine Warenwirtschaft ohne Geld«, erläuterte Scheller-Wagner die Idee des Umsonstladens, die schon bei der Eröffnung des ersten Ladens dieser Art 1999 in Hamburg Pate stand. »Damit (mit der kostenlosen Abgabe ohne Prüfung, die Red.) stellt der Umsonstladen einen Anfang einer wirklichen Alternative zur kapitalistischen Warengesellschaft dar, in der alles einen ›Wert» hat und folglich Geld kostet«, ist auf der Homepage der Umsonstläden zu lesen. Mittlerweile gibt es etwa 70 Umsonstläden bundesweit, einen davon in Gießen.

Monika Lux kennt die Arbeit dort, hat zehn Jahre lang mitgeholfen. »Die abgegebenen Sachen müssen gesichtet werden, denn es gibt auch Leute, die ihren Müll loswerden wollen«, weiß Lux. Aufgabe der ehrenamtlichen Mitarbeiter ist auch das eventuelle Reinigen und Auszeichnen der Spenden sowie die Öffnungszeiten zu gewährleisten.

Leerer Laden wird benötigt

Acht Personen erklärten sich beim ersten Treffen bereit, im Umsonstladen mitzuarbeiten. Ein erster Schritt zur Realisierung wurde damit getan. Allerdings sind noch einige Hürden zu bewältigen. Am dringendsten ist das Raumproblem. Möglichst günstige und zentrumsnahe Räume wünschen sind die Initiatoren. »Ob der Laden gut angenommen wird, hängt von der Lage ab«, berichtete Lux aus den Erfahrungen in Gießen. Der Wetteraukreis hatte bereits Unterstützung zugesagt und zwei Pavillons in der Pfingstweide angeboten. Allerdings gibt es rechtliche Probleme und daher ist es unklar, wann die Räume genutzt werden können. Außerdem ist die Lage im Gewerbegebiet ungünstig; der Laden sollte zentraler liegen.

Vielleicht, so hoffen die Initiatoren, gibt es Hausbesitzer auf der Kaiserstraße oder einer umliegenden Straße, die ihr Geschäft für das Projekt günstig zur Verfügung stellen. Auch für eine nur vorübergehende Nutzungsmöglichkeit wäre die Initiative dankbar. Auch mit der Stadt Friedberg laufen Gespräche über Möglichkeiten einer Unterstützung.

Zum anderen werden Paten gesucht, die bereit sind, einmalig oder dauerhaft einen finanziellen Beitrag zu leisten. Auch wenn für die Waren keine Kosten anfallen, so doch für Miete und Nebenkosten.

Infos rund um das Projekt »Umsonstladen« geben Monika Lux (Tel. 0 60 31/1 51 53) und Gottfried Krutzki (0 60 31/6 87 02 95). Infos im Internet unter www.umsonstladen.de.

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