19. Februar 2014, 11:38 Uhr

»Wird sich auf Zuckerpreis auswirken«

Wetteraukreis (hed). Die Südzucker AG hat eine vom Bundeskartellamt verhängte Strafzahlung über 195,5 Millionen Euro akzeptiert. Diese Nachricht hat am Dienstag bei den Zuckerrübenanbauern für Enttäuschung gesorgt. »Ich war schon erschrocken. Das wird sich auf den Preis auswirken«, ist sich Herwig Marloff sicher.
19. Februar 2014, 11:38 Uhr
Die Südzucker AG zahlt wegen Kartellabsprachen 195,5 Millionen Euro Strafe. Das könnte ab nächstem Jahr die Wetterauer Anbauer teuer zu stehen kommen. (Fotos: dpa/kai)

Der Vorsitzende des Verbands Wetterauer Zuckerrübenanbauer bedauert im Gespräch mit der WZ die Entscheidung des Kartellamts, das den Unternehmen Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen vorwirft, sich bis 2009 über viele Jahre hinweg über Verkaufsgebiete, Quoten und Preise abgesprochen zu haben. »Wir Anbauer waren der festen Meinung, dass das Verfahren scheitert. Aber wir müssen den Ausgang akzeptieren«, sagt Marloff. Der Reichelsheimer hält den seit Jahren bestehenden Vorwurf bewusster Preisabsprachen für nicht nachvollziehbar. Bei den derzeit hohen Milchpreisen etwa würden sich die Anbieter auch aneinander orientieren, ohne dass das Kartellamt einschreite.

Den Zuckerherstellern wird unter anderem vorgeworfen, sie hätten sich darüber abgesprochen, sich beim Vertrieb im Wesentlichen auf ihr angestammtes Gebiet zu beschränken. Zucker sei zudem eher ins Ausland exportiert worden, als dass er an Kunden in der Region abgesetzt worden sei. Das habe zum Teil erhebliche Preissteigerungen nach sich gezogen, teilt das Kartellamt mit.

Für das aktuelle Geschäftsjahr habe die Millionenstrafe keine Auswirkungen auf die Wetterau, betont Marloff. Die Preise sind erst im Januar fest ausgehandelt worden. Es ist aber durchaus möglich, dass die Südzucker AG, die nun deutlich mehr Schulden macht als vorgesehen, im neuen Jahr an der Preisschraube drehen wird, um die Erlöse zu steigern. Marloff: »Dann könnte etwas in der Kasse der Anbauer fehlen.«

Der Zuckerpreis ist auch ohne die Strafe unter Druck. Sinkende Erlöse und ein sich verschlechterndes Umfeld auf dem Biospritmarkt drücken das Ergebnis. Südzucker selbst verbreitet wenig Optimismus für 2014, auch weil die Quotenregelung – und damit ein regulierter Rübenfestpreis – 2017 ausläuft. Selbst Marloff sagt: »Bei weiter sinkenden Preisen könnten sich die Landwirte auch von der Rübe verabschieden und sich anderen Kulturen wie Raps oder Getreide zuwenden.«

Südzucker hat nach eigenen Angaben Rückstellungen für die erwartete Strafzahlung gebildet. Man habe den Bescheid akzeptiert, um das seit fast fünf Jahren anhängige Verfahren zu beenden und so Rechts- und Planungssicherheit zu erhalten. Ins Wetterauer Anbaugebiet, das sich von Limburg bis Gelnhausen und von Frankfurt bis Gießen erstreckt, fließen jedes Jahr zwischen 15 und 20 Millionen Euro von Südzucker.

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