06. Februar 2014, 16:13 Uhr

Quatiersmanagement in der Friedberger Altstadt verwaist

Friedberg (jw). Integration benötigt Anleitung. Das Quartiersmanagement in der Altstadt, angestoßen von SPD und Grünen, sollte dies leisten: Anlaufpunkt für die Bewohner sein, den interkulturellen Austausch verbessern, den Ausschluss von Zuwanderern aus der Gesellschaft verhindern. Nun steht der Fünf-Finger-Treff leer.
06. Februar 2014, 16:13 Uhr
Der Fünf-Finger-Treff in der Altstadt ist geschlossen, die Arbeit ruht. Zum ersten Treffen des DRK-Projekts mit Cihad Taskin (l.) kamen 20 Teilnehmer. (Foto: pv)

In den Schaufenstern hängen Ankündigungen aus dem November, bis gestern gab es nicht einmal einen öffentlichen Hinweis, dass der Treffpunkt geschlossen ist.

Sozialarbeiterin Sabine Schäfer, als Mitglied der Grünen treibende Kraft bei der Professionalisierung der zuvor ehrenamtlichen Integrationsarbeit der Stadt, hat ihren Honorarvertrag gekündigt, aus persönlichen Gründen. Laut Bürgermeister Michael Keller sind Stadt und Nassauische Heimstätte, der Träger der Einrichtung, auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger.

Quartiersarbeit in der Altstadt leistet derweil eine andere Organisation: Das DRK hat ein Integrationsprojekt angestoßen. »Ich setze mich ein für ein Miteinander« heißt es, zum ersten Treffen kamen 20 bulgarische Bewohner der Altstadt. Treibende Kraft für dieses Projekt ist Sezgin Yilmaz, Fachbereichsleiterin Migration beim Friedberger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. »Das erste Treffen diente dem Kennenlernen und um zu sehen, ob Interesse am Austausch besteht«, sagt Yilmaz, die auch Mitglied der SPD-Stadtverordnetenfraktion ist. Die Teilnehmer hätten großes Interesse bekundet. »Sie wollen sich engagieren und Verantwortung übernehmen, etwa im Ausländerbeirat oder durch eine Vereinsgründung.« Außerdem informiere man beispielsweise über öffentliche Einrichtungen, welche die Zuwanderer nutzen können.

Zuletzt hatten Wanderarbeiter aus Südosteuropa für negative Schlagzeilen gesorgt. Nachbarn in der Friedberger Altstadt sprachen von überfüllten Zimmern, überteuerten Mieten, klagten über Müllprobleme. Sprachbarrieren verhinderten den Austausch. Die Bulgaren, mit denen Yilmaz und Cihad Taskin vom DIL (Diversity Management & Interkulturelle Kompetenz Frankfurt) zusammentrafen, lebten dauerhaft in der Wetterau und wollten auch hier bleiben; die allermeisten hätten eine Arbeit. Yilmaz: »Wir klären über Schulpflicht auf, sprechen über die Rolle der Eltern bei der Bildung und vieles mehr. Das Konzept orientiert sich am Bedarf und Interesse der Teilnehmer.« Yilmaz spricht türkisch mit den Teilnehmern. »Die meisten Bulgaren verstehen das.« Später sollen Lehrer, Sozialarbeiter oder Nachbarn einbezogen werden. Ein Problem ist die Finanzierung. Yilmaz: »Wir brauchen Unterstützung.«

Stadt sucht neuen Träger

Wie es indes mit dem Quartiersmanagement weitergeht, soll sich bald entscheiden. Das Internationale Zentrum hat nach den Worten von Johannes Hartmann großes Interesse, dass die Arbeit fortgeführt wird. »Wir unterstützen das.« Die Stadt stellt die Räume zur Verfügung, Anstellungsträger für die Honorarkraft ist die Nassauische Heimstätte. Die steigt Ende 2014 nach Ablauf des Sanierungsprogramms aus dem Projekt aus. Keller: »Wir sprechen mit anderen Trägern.«



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