10. Oktober 2013, 18:48 Uhr

Lampedusa-Unglück: Pfarrer fordern Flüchtlings-Aufnahme

Friedberg (jw). Der Tod der Flüchtlinge vor Lampedusa erschüttert auch die Menschen in der Wetterau. Die Friedberger Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelischen und katholischen Gemeinden haben nun in einem Brief an Landrat Arnold gefordert, der Wetteraukreis solle zehn Überlebende aufnehmen.
10. Oktober 2013, 18:48 Uhr
Wir schreiben das Jahr 2013, auf der italienischen Insel Lampedusa leben Flüchtlinge aus Afrika hinter Gitterzäunen. Und die EU ist ratlos. (Foto: Ettore Ferrari/dpa)

Dies wäre ein Zeichen der Solidarität und »ein Zeichen zum Umdenken in der Abschottungspolitik der EU«. Man werde den Kreis dabei unterstützen. Landrat Arnold hat dieses Engagement begrüßt. Sobald die Bundesregierung sich dazu entschließe, diese Menschen aufzunehmen, werde der Wetteraukreis »sich umgehend darum bemühen, dass sie auch in der Wetterau Schutz vor Hunger und Krieg finden können«.

»Das Kentern von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer und die unterlassene Hilfeleistung der Marine ist seit Jahren bittere Normalität, geschätzt werden mehr als 20 000 Tote in den vergangenen 20 Jahren«, heißt es in dem Brief. Unterzeichnet haben ihn die Pfarrerinnen und Pfarrer Susanne Domnick, Claudia Ginkel, Sylvia Grohmann, André Witte-Karp, Stefan Wanske, Bernd Weckwerth und Dr. Horst Gebhard.

»Wir haben uns während der Friedensdekade 2011 in Friedberg unter dem Thema ›Save me! – Flüchtlinge vor der Festung Europa» mit Veranstaltungen und einer Ausstellung in der Stadtkirche mit diesem Thema beschäftigt. Der tausendfache Tod von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas ist eine Sünde des Friedensnobelpreisträgers EU«, heißt es in dem Brief weiter. »Das Ausmaß dieser humanitären Katastrophe hat jetzt endlich viele wach gerüttelt und die Defizite in der europäischen Flüchtlingspolitik aufgezeigt.« Die Unterzeichner erinnern auch an Bundespräsident Joachim Gauck, der am Tag der Deutschen Einheit eine stärkere Mitverantwortung Deutschlands zur Aufnahme von Flüchtlingen gefordert hat. Kurz zuvor sei die Ausländerbehörde des Wetteraukreises in das Modellprojekt »Willkommensbehörden« aufgenommen worden. Mit der Aufnahme von zehn Flüchtlingen könne die neue »Willkommensbehörde« ein starkes Beispiel und Signal geben.

»Aufschreien und Lamentieren nach den Himmel schreienden Nachrichten führt in die Ohnmacht und letztlich in die Gleichgültigkeit. Wenn wir stattdessen aktiv handeln, können wir viele Menschen bewegen, sich zu beteiligen und sich für Flüchtlinge einzusetzen. Der Wetteraukreis könnte durch diese Maßnahme ein Vorbild werden.«

Landrat: Flüchtlingspolitik überdenken

Die Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Friedberg haben dazu ihre Unterstützung und Mitarbeit angeboten. »Wir sind bereit, eine Aufnahme von Flüchtlingen im Wetteraukreis mit zu planen und zu bedenken, um möglichst viele Menschen zu gewinnen, mit Wohn-, Spenden- und Unterstützungsangeboten Flüchtlingen eine Heimat zu geben. Es gibt im Wetteraukreis viele Initiativen im Bereich der Flüchtlingsarbeit. Wir sind bereit, uns in Organisation und Planung personell einzubringen und uns in unseren Gemeinden für tatkräftige Unterstützung einzusetzen.«

Landrat Joachim Arnold hat in einer Stellungnahme seine Bereitschaft bekundet, den Flüchtlingen zu helfen. »Die schrecklichen Bilder und Berichte, die uns über das Schicksal der Bootsflüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa erreichen, müssen zu Konsequenzen führen«, fordert Arnold. Nach seiner Ansicht muss die Flüchtlingspolitik in der EU »schnellstens unter humanitären Gesichtspunkten überdacht und in allen Mitgliedsstaaten gleiche Standards für die Unterbringung und Betreuung der in Not geratenen Menschen gesetzt werden«.

Arnold weiter: »Zu allererst aber müssen wir den Flüchtlingen, die aktuell gerade erst dem Tod knapp entronnen sind, ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen. Sobald die Bundesregierung sich dazu entschließt, diese Menschen aufzunehmen, wird der Wetteraukreis sich umgehend darum bemühen, dass sie auch in der Wetterau Schutz vor Hunger und Krieg finden können. Wie Arnold berichtet, gebe es bereits Angebote von Wetterauer Einrichtungen und Bürgern, »die uns bei der Betreuung dieser traumatisierten Mitmenschen unterstützen wollen. Dafür bin ich sehr dankbar.«

Wie berichtet, hat der Arbeitskreis Flüchtlinge im Internationalen Zentrum für den morgigen Samstag von 12 bis 14 Uhr zu einer »Mahnwache gegen die tödliche EU-Abschottung« vor die Stadtkirche in Friedberg eingeladen. Der Arbeitskreis fordert »einen völligen Neubeginn in der Flüchtlingspolitik Europas. Die Abschottung der beiden letzten Dekaden ist gescheitert.«



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