Friedberg

Reinhard Wilk führt ein Leben im Unruhestand

Friedberg (har). Reinhard Wilk gehört zu den Menschen, »die man gut überreden kann«, sagt der 69-Jährige über sich selbst. Ehefrau Ursula, die er 1979 geheiratet hat, bringt es auf den Punkt: »Der Reinhard kann nicht Nein sagen.« In unserer Serie »Lebenslinien« stellen wir Wilk vor.
15. August 2013, 17:28 Uhr
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Keine Ende in Sicht: Reinhard Wilk wird sich weiterhin engagieren. (Foto: lod)

Der gelernte Betriebswirt hat das Gen, das alle Ehrenamtlichen haben, deren Lebenslinien in den vergangenen Wochen in der Wetterauer Zeitung vorgestellt wurden. Die Serie endet mit diesem Beitrag, das Engagement der Ehrenamtlichen hingegen geht weiter.

Nach 30 Jahren im Vorstand des Skiclubs Friedberg (SCF) hängte Reinhard Wilk die Bretter an den Nagel. Doch von Füße hochlegen keine Spur: Kein Jahr später hatte er sich ein neues Ehrenamt gesucht, der 69-Jährige engagiert sich bei der Gesellschaft der Freunde Theater Altes Hallenbad, wo er seit 2009 Vize-Vorsitzender ist. Obendrein leitet er den Beirat der dazugehörigen GmbH.

»Und ich dachte, ich hätte mal etwas mehr von ihm«, sagt Ursula Wilk, die das Engagement ihres Mannes immer mitgetragen hat, »auch wenn ich ihn manchmal kaum gesehen habe«. Woher sein Faible für ehrenamtliches Engagement kommt, weiß Wilk sofort, zumindest was den Skiclub betrifft: »Edmund Gräff hat mich in jungen Jahren immer wieder angesprochen und gefördert«, sagt Wilk, der 1944 im oberschlesischen Hindenburg geboren wurde. Nach der Flucht 1946 kam er mit Mutter und Schwester nach Friedberg, wuchs in der Ludwigstraße ohne Vater auf. »Edmund war wie ein väterlicher Freund für mich«, beschreibt Wilk das Verhältnis zu seinem Förderer, der Mitte der 60er Mitglied im Skiclubvorstand war. Mit 19 Jahren trat auch Wilk in den Skiclub ein. Zwei Jahre zuvor war er in die Jugendlanglaufmannschaft aufgenommen worden. »Ich habe an vielen Rennen in Hessen teilgenommen, allerdings ohne sichtbaren Erfolg.« Doch Erfolg ist nicht alles: »Dabei sind viele, zum Teil bis heute bestehende Freundschaften entstanden.«

Schon 1968 wurde Wilk als 24-Jähriger erstmals in den SCF-Vorstand gewählt. Bis 1972 war er nordischer Sportwart, danach zehn Jahre lang Jugendwart. Es folgten 17 Jahre als Kassenwart, bevor er bis zu seinem Ausscheiden 2007 Vize-Vorsitzender war. Immer wieder engagierte er sich weit mehr, als sein Amt es verlangte. Anfang der 70er Jahre war es Wilk, der zusammen mit Gudrun und Uli Eisenkrämer die Jugendfahrten in die Alpen organisierte. Als Sport- und Jugendwart hat er zudem jahrelang die Sportstunden geleitet. »Die Verbundenheit der Jugendlichen zum SCF war damals sehr ausgeprägt, viele Freundschaften entstanden«, betont Wilk.

Doch der Einsatz ging weiter. »Reinhard hat dreimal das Skiclubheim mit aufgebaut«, erzählt seine Frau. 1970 hatte der Verein nach der Fusion mit dem Eislaufverein das ehemalige Schützenhaus auf der Seewiese übernommen, das abgebrannt war. 14 Jahre später wurde das Clubheim umfangreich saniert, nach dem Brand des Heims im Jahr 2003 packte er natürlich wieder mit an. »Veranstaltungen wie Nikolaus- und Lumpenball und das Heringsessen haben uns ebenfalls viel abverlangt«, sagt Wilk. Längst hat er alle Ehrungen erhalten, die der Skiclub zu vergeben hat, dazu kam der Ehrenbrief des Hessischen Skiverbands.

Von 1959 bis 1962 absolvierte Wilk eine kaufmännische Lehre im Autohaus Vogler in Friedberg. Trotz seines ehrenamtlichen Engagements nahm er sich 1972 Zeit für eine betriebliche Aus- und Weiterbildung. Nach dem Abschluss eines betriebswirtschaftlichen Studiums wurde er Leiter des Rechnungswesens in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. »Skiclub und Kerckhoff bestimmten von da an mein Leben. « Später war Wilk als stellvertretender Verwaltungsdirektor tätig und zuletzt 15 Jahre als Prokurist Leiter der Finanzen, stellvertretender Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik sowie ab 2005 gleichzeitig Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der Kerckhoff-Klinik GmbH. Wie beim Skiclub kümmerte er sich auch hier um den Nachwuchs, bildete junge Menschen zu Bürokaufleuten aus. Seit 1998 führt er die Geschäfte der »Stiftung William G. Kerckhoff Herz- und Rheumazentrum Bad Nauheim«, der Gesellschafterin der Kerckhoff-Klinik GmbH. Dem Fachverband der Verwaltungsdirektoren gehörte er 30 Jahre an, seit 2002 vertritt er die Klinik im Beirat der Sparkasse Oberhessen. 2008 war Wilk Gründungsmitglied des »Vereins der Freunde und Förderer der Kerckhoff-Klinik« und übernahm den Posten des Schatzmeisters. Dann kam der Hallenbadverein hinzu. »Beim Heringsessen 2008 kamen Uli Lang und Bernd Pollack auf mich zu und erzählten mir von ihrer Idee, aus dem Alten Hallenbad ein Theater zu machen. Ich fand das sofort faszinierend«, erzählt Wilk. Mal wieder konnte er nicht Nein sagen, zumal er sich dem Hallenbad verbunden fühlt: Wie viele andere Friedberger hat auch Wilk dort schwimmen gelernt.

Im ersten Quartal des nächsten Jahres soll der erste Bauabschnitt Nord abgeschlossen sein. »Dann ist das Alte Hallenbad schon eine Veranstaltungsstätte«, freut sich Wilk, der sich mit der Finanzplanung für Investitionen in Millionenhöhe befasst. »Diese Pläne sind von besonderer Bedeutung.«

Und dann sind da noch die Hobbys

Trotz seines Engagements fand Wilk noch Zeit, seinen Hobbys nachzugehen – wenn auch einige im Zusammenhang mit dem Skiclub stehen: »Bergtouren, Wandern, Joggen, Radfahren, Radtouren, Tauchurlaub.« Dass er ein Vereinsmensch ist, zeigt die Aufzählung weiterer Vereine, denen er zum Teil schon mehrere Jahrzehnte angehört, wenn auch überwiegend passiv: Deutscher Alpenverein, VdK, NABU, VFCG. Ehefrau Ursula hat sich längst daran gewöhnt, dass ihr Gatte nicht ans Aufhören denkt. »Auch wenn sie manchmal Zornesfalten hatte, wenn ich zu oft nicht zu Hause war. « Da er körperlich noch fit ist – »mit Ausnahme der Hüfte, die sich langsam bemerkbar macht« –, wird er im Hallenbadverein sicher noch lange aktiv sein und sich engagieren. Reinhard Wilk bleibt also vorerst im »Unruhestand«.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedberg/art555,83862

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