14. Juni 2013, 17:03 Uhr

Im Ortsbeirat: Rote Zebrasteifen und große Einmütigkeit

Friedberg (flj). Wie arbeiten Ortsbeiräte? Welche Aufgaben haben sie, welchen Problemen widmen sie sich? In einer Serie stellt die WZ die sechs Friedberger Ortsbeiräte vor, die als Vermittler zwischen Bevölkerung und Stadtverordnetenversammlung fungieren. Diesmal steht das Gremium der Kernstadt im Fokus.
14. Juni 2013, 17:03 Uhr
Nicht vollständig, aber stark aufgestellt: Der Ortsbeirat Kernstadt mit (v. l.) Andreas Bösch, Daniel Ster, Evelyn Weiß, Johannes Contag, Schriftführerin Susanne Manderla, Torsten Bietz, Gisela Liermann, Carl Cellarius, Okan Cümbüs und Karlheinz Güssgen. (Foto: Jung)

Neben verschiedenen Bauanträgen beschäftigten sich die Mitglieder bei ihrer jüngsten Sitzung erneut mit der Altstadt. Ein Dauerthema. Aber es wurden auch ganz praktische Vorschläge zur Verkehrsberuhigung gemacht.

Mittwochabend im Nebengebäude des Rathauses, der Ortsbeirat der Kernstadt tagt, eine ganze Reihe von Bebauungsplänen steht auf der Tagesordnung. Überall soll gebaut werden: an den 24 Hallen, in der Housing-Ära, im Krämer, in der Gießener Straße. Alle Anträge werden einstimmig beschlossen, der Ortsbeirat zieht an einem Strang. »Obwohl viele verschiedene Parteien vertreten sind, haben alle ein gemeinsames Ziel: Wir wollen das Beste für Friedberg, dafür setzten wir uns ein«, sagt Ortsvorsteherin Evelyn Weiß.

Sind Bebauungspläne oft schnell abgehandelt, führen andere Themen zu längeren Diskussionen. Allen voran die Altstadt, die den Ortsbeirat regelmäßig beschäftigt. »Einige Anwohner, die sich immer wieder beschweren, müssen einfach akzeptieren, dass die Altstadt, so wie sie jetzt ist, auch bleiben wird«, sagt Weiß. Sie spielte damit auf die Problematik der verschiedenen Ethnien an, die in der Altstadt auf engem Raum zusammenleben. Egal, ob Mülltrennung oder Lautstärke, man müsse versuchen miteinander auszukommen und die Differenzen endlich beiseitezulegen, sagt die Ortsvorsteherin.

Neuerdings stehen Wanderarbeiter im Fokus. Die würden einige Häuser in der Altstadt regelrecht bevölkern und für Lärm sorgen, hatten sich Anwohner beschwert. »Ein Unding«, sagt Weiß. »Die Leidtragenden sind doch die Wanderarbeiter selbst, die auf engem Raum leben und für Zimmer, die sich in einem schlechten Zustand befinden, auch noch horrende Mieten zahlen müssen. Außerdem können die Bewohner selbst nichts für die heruntergekommenen Außenfassaden der besagten Häuser.« Man müsse mit den Vermietern sprechen, um diesem Problem Heer zu werden. Im Allgemeinen sei die Lage aber besser geworden. »Es wurde viel getan. Meiner Meinung nach hat sich die Lage in der Altstadt verbessert. Natürlich gibt es aber noch einiges zu tun«, meint Weiß.

Im Kernstadt-Ortsbeirat ist es wie in den Ortsbeiräten auf den »Dörfern«: Oft dreht sich die Diskussion um den berüchtigten »wackelnden Kanaldeckel«. Der kommt diesmal in Form eines roten Zebrastreifens daher, von dem niemand so recht weiß, was es mit ihm auf sich hat. Beim Punkt »Verschiedenes« meldet sich der Bürger Klaus Fischer zu Wort, Anwohner der Heinrich-Busold-Straße. »Vor kurzem wurde dort ein Mädchen auf dem Fahrrad angefahren. Die gesamte Straße ist 30er-Zone, doch einige Autofahrer nehmen es mit der Geschwindigkeit nicht so genau.« Geschwindigkeitsmessungen der Polizei hätten zwar ergeben, dass nicht allzu viele Autofahrer zu schnell fahren. Aber in der Straße ist ein Kindergarten angesiedelt. »So oder so, es muss etwas passieren«, sagt Ortsbeiratsmitglied Carl Cellarius (Grüne). Die Idee: Schilder aufstellen und so die Autofahrer auf die Kinder aufmerksam machen. Und die roten Streifen in einen offiziellen Zebrastreifen umwandeln. »So beenden wir das Verwirrspiel«, stimmt Weiß zu. »Zurzeit weiß keiner, egal, ob Autofahrer oder Fußgänger, etwas mit den besagten Streifen anzufangen.«

Ein Dauerthema ist auch die »Knospe«, der mittlerweile arg heruntergekommene Bungalow an der Seewiesen-Promenade, ein ehemaliger Treff für seelisch belastete und psychisch kranke Menschen des Diakonischen Werks. Daniel Ster (SPD) berichtet von einer Ortsbegehung, über den Winter habe das Gebäude schwere Schäden erlitten. »Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und das Bauamt waren vor Ort. Es stellte sich heraus, dass die komplette Heizungsanlage kaputt ist. Rund 20 000 Euro würden die Baumaßnahmen kosten«, sagt Ster. In Kooperation mit der Lebenshilfe Wetterau, der AWO und der »Aktion Mensch« soll die »Knospe« zum Tagescafé umgebaut werden. Dabei würde die »Aktion Mensch« die ersten drei Jahre finanzieren.

Der Ortsbeirat der Kernstadt besteht aus 13 Mitgliedern. Vorsitzende und Ortsvorsteherin ist Evelyn Weiß (SPD). Ebenfalls für die SPD im Ortsbeirat sitzen Andreas Bösch, Peter Alfred Müller und Daniel Ster. Die CDU ist vertreten durch Torsten Bietz, Bernd Fleck und Sybille Wodarz-Frank, die Grünen werden vertreten durch Carl Cellarius, Johannes Contag und Bernd Stiller, die FDP durch Karlheinz Güssgen, die UWG durch Gisela Liermann, hinzu kommt der parteilose Okan Cümbüs. »Im Grunde herrscht immer Einvernehmen unter uns«, sagt Ortsvorsteherin Weiß. »Auch bei der Stadt treffen wir auf offene Ohren. Vieles geht über den kurzen Dienstweg.« Carl Cellarius kann sich dem nur anschließen: »Natürlich haben wir politisch gesehen unterschiedliche Meinungen. Aber wir finden immer einen Weg, die Probleme zu lösen.«



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