Friedberg

Lebenshilfe: Seit 50 Jahren Arbeit an der Inklusion

Friedberg-Fauerbach (ema). Inklusion ist eines der zentralen Anliegen der Lebenshilfe Wetterau, und so gestalteten Menschen mit und ohne Behinderung kreativ den Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Vereins.
07. Juni 2013, 16:58 Uhr
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»Schwanensee«: Mit großer Hingabe tanzen Mädchen mit und ohne Handicap von der Sophie-Scholl-Schule bei der Jubiläumsfeier des Lebenshilfe Wetterau. (Foto: ema)

Der TSV Friedberg-Fauerbach hatte seine Halle und Bedienungskräfte zu Verfügung gestellt. Lebenshilfe-Geschäftsführer Thomas Mächtle konnte am Donnerstagabend viele Mitglieder aus der Wetterauer und der Gießener Kreisvereinigung, Vertreter des Sozialministeriums, der Bundes- und Landesvereinigung Lebenshilfe, des Landtages, der Kreis- und Stadtgremien und anderer Behinderteneinrichtungen sowie Mitarbeitende und Förderer begrüßen. Den Festvortrag hielt Prof. Dieter Katzenbach (Frankfurt), der davor warnte, die Idee der Inklusion gedankenlos zu zerreden.

Mächtle sprach in seiner Begrüßung die beiden kooperierenden Pole der Vereinigung an: Selbsthilfe und Interessenvertretung der betroffenen Familien sowie soziale Dienste mit professionellen Kräften. Immer wieder gelte es, gemeinsam neue Aufgaben zu meistern, etwa bei der Gestaltung des Außengeländes der Friedberger Einrichtung oder beim Ausbau der inklusiven Sophie-Scholl-Schule in Bad Nauheim.

Rote »Flämmchen« in Bewegungsfiguren zu den Klängen von »Fireworks«, dann kleine Tänzerinnen in Weiß zu »Schwanensee«-Musik – Mädchen aus der Sofie-Scholl-Schule mit und ohne Handicaps traten mit gleicher Hingebung auf. Solche Projekte werden seit Jahren an der Schule mit dem Alternativen Tanzverein durchgeführt. Ebenso setzten ein Blech- und ein Holzbläserensembele der Musikschule Bad Nauheim Akzente im Programm.

»Empathie« war der Schwerpunkt im Grußwort von Staatsminister Axel Wintermeyer, der die guten Wünsche der Landesregierung überbrachte. Der Staat könne und müsse Rahmenbedingungen für Menschen mit Hilfebedarf garantieren, aber es seien die persönlichen Beziehungen, die solche Strukturen mit Leben füllten. Die Glückwünsche des Kreises überbrachte Landrat Joachim Arnold. Mit einem Schlaglicht auf die Wichtigkeit von Hilfe für den Behinderten selbst wie für sein familäres Umfeld sprach Arnold die Partnerschaft des Kreises mit regionalen Sozialverbänden und -einrichtungen an. Glückwünsche der Lebenshilfe-Gremien überbrachte Prof. Jeanne-Niklas Faust, Geschäftsführerin der Bundesvereiningung. Sie dankte der Lebenshilfe Wetterau für die »große Energie, den starken Einsatz, die konstruktive Kooperation von Eltern« und forderte eine gemeinsame kritische Anstrengung: »Inklusion ist kein Sparmodell.«

»Wohnzimmer als Geschäftsstelle, Fahrrad als Dienstfahrzeug, private Mittel als Etat« – so bildhaft schilderte Rainer Mühlhaus, seit langen Jahren Vorsitzender der Lebenshilfe, die Bedingungen der Gründung auf Initiative von Heinrich Winkler, Vater eines geistig behinderten Sohnes in Butzbach. Mühlhaus nannte markante Entwicklungsdaten, den Aufbau eines vielseitigen Hilfe- und Dienstleistungsnetzes. Rund 600 behinderte Menschen werden heute von 150 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit begleitet. Mit der Silbernen Ehrennadel der Lebenshilfe konnten Maren Müller-Erichsen (Bundesvorstand) und Markus Liebendörfer (Landesvorstand) drei langjährig in Vorstandsarbeit und Projekten Engagierte auszeichnen: Gertraude Stengel, Birgit Becker und Brigitte Lindner.

Kröte, Ratte, Hyäne und andere Tiere kommen mit Musik aus der Isolation und feiern ein vergnügtes Fest – die Zuschauer freuten sich an der Botschaft des Schattenspiels von Bewohnern und Mitarbeitern der Wohnstätte für schwerstmehrfach behinderte Menschen. Das Jubiläumsfest der Lebenshilfe Wetterau beginnt heute um 11.30 Uhr in der Fauerbacher Hauptstraße 23-29. Zwischen 13.30 und 15.30 Uhr findet ein Sponsorenlauf statt. Teilnehmer und Gäste sind willkommen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedberg/art555,81905

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