02. November 2012, 13:53 Uhr

Fimprojekt: »Dank an die JAA – Es war schön bei euch«

Friedberg (lod). »Film ab« hieß es am Dienstag in der Jugendarrestanstalt (JAA), und dies bereits zum elften und zugleich letzten Mal.
02. November 2012, 13:53 Uhr
Die sechs jungen Männer, die beim Film mitgemacht haben.

Grund für das Ende des erfolgreichen Projekts »Biografische Spielfilmarbeit zur Konfliktbearbeitung« von Prof. Dr. Reinhard Nolle von der Universität Kassel ist die endgültige Schließung der Arrestanstalt zum 31. Januar nächsten Jahres (siehe Kasten).

JAA-Leiter Peter Gebhard konnte viele Gäste begrüßen, darunter die Leiterin der JVA Rockenberg, Michaela Wasemüller, sowie Werner Schulte und Norbert Schupp vom Kriminologischen Dienst für den hessischen Justizvollzug in Wiesbaden. »Kein Ende in Sicht« war der Titel des ersten Streifens, der vor zweieinhalb Jahren gedreht wurde. Christoph Ternes, der zusammen mit Steffi Thons die letzten sieben der elf Projekte betreut hatte, erläuterte kurz die Entstehung des aktuellen Films, in dessen Mittelpunkt die Themen Angst und Scham stehen. Jeder der zehn Jugendlichen, die nach einem »Casting« für den Film ausgewählt worden waren, musste zunächst eine selbst erlebte Geschichte aufschreiben, die dann in den Film einfloss. Jedoch spielt keiner seine eigene Geschichte.

»Dilemma« war der Titel des Streifens, der mit 17 Minuten Spieldauer relativ lang war. Dies habe, so Ternes nach der Premiere, am großen Einsatz der Gruppe gelegen, denn »es kamen immer wieder neue Bilder dazu«. Themen wie Drogenhandel, Gewalt, aber auch Unfallflucht mit Todesfolge wurden in dem Film verarbeitet.

Wie sehr sich die Teilnehmer mit ihrem Film identifiziert haben und zugleich eine »homogene Gruppe, wie wir sie selten erlebt haben« (Ternes) entstanden ist, zeigte sich in der anschließenden Diskussion mit sechs der zehn Teilnehmer. Sechs sind inzwischen schon entlassen worden, doch zwei kamen nach wenigen Tagen noch einmal in die JAA, um bei der Premiere dabei zu sein.

»Ich wollte eigentlich erst nicht kommen, aber nun bin ich da«, beantwortete der 18 Jahre alte Kai aus Wiesbaden (alle Namen geändert) die Frage eines Sozialarbeiters, ob ihm die Rückkehr leicht gefallen sei. Zunächst recht zurückhaltend wurden die ersten Fragen beantwortet, doch nach und nach tauten die sechs regelrecht auf. Vor allem Murrat aus Kassel, der wegen eines Drogendelikts eine dreiwöchige Arreststrafe erhalten hat, ergriff immer wieder das Wort: »Das Projekt hat uns geholfen, zusammenzuhalten, und die Teamer haben es geschafft, dass alles auf den Tisch kam«, meinte der 20-Jährige, und der ein Jahr jüngere Thomas aus Fulda erklärte: »Das hat alles geholfen, mit unserer Situation klar zu kommen. Wir sind jetzt Teamplayer«.

Wie anstrengend die sechs Projekttage waren, erklärte Greg (19): »Ich war manchmal ganz schön fertig, doch ich würde jederzeit wieder einen Film machen, aber nicht im Knast«. Dem fügte Murrat hinzu: »Ich weiß jetzt, dass ich keinen Mist mehr baue.« Da nickten die meisten mit dem Kopf.

Dass die Jugendlichen vielleicht doch einiges verstanden und gelernt haben, zeigte sich auch im Abspann des Films, in dem mehrere JAA-Mitarbeiter kleine Rollen übernommen hatten. »Dank an die JAA – Es war schön bei euch« war da zu lesen.

Nach der knapp halbstündigen Diskussion zog Gebhard ein kurzes Fazit des erfolgreichen Projekts. So wurde ein Film sogar für den Hessischen Filmpreis in der Kategorie »Kurzfilm« nominiert. »Ohne die enorme Arbeit der Teamer wäre dieses hervorragende Projekt, in das viel Geld geflossen ist, nicht möglich gewesen«, erklärte Gebhard.

So überraschte er Steffi Thon und Christoph Ternes mit der Ernennung zu »Masters of the Arrest-Arts«, und Dr. Reinhard Nolle wurde gar »Big Master«. Für alle drei gab es neben der »Ernennungsurkunde« noch einen Oscar »für Drehbuch, Schnitt, Kamera, Ton und alle anderen Kategorien«, so Gebhard. Beim anschließenden »Imbiss« mit Salzgebäck und alkoholfreien Getränken wurde noch längere Zeit über den aktuellen Film, aber auch über das nun beendete Projekt diskutiert.

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