Friedberg

»Hollerfeldchen«: Ausschuss teilt Anliegerbedenken nicht

Friedberg-Ockstadt (sda). Die Entscheidung über die Zukunft des Ockstädter »Hollerfeldchens« wird am 30. Oktober von der Stadtverordnetenversammlung gefällt. Der Bauausschuss fasste kürzlich den Satzungsbeschluss und diskutierte zahlreiche Einwände aus der Bevölkerung gegen den Bebauungsplan.
24. Oktober 2012, 16:43 Uhr
3a LOK FBN 21 - B_101943
Ein Teil des »Hollerfeldchens«, das an die Kapellenstraße grenzt: Hier sollen 25 Wohneinheiten geschaffen werden. (Foto: Dämon)

Am nordöstlichen Rand des Dorfes, angrenzend an Kapellen- und Waldstraße befindet sich die rund 0,9 Hektar große Fläche – bisher unbebaute Natur. Doch das wird sich ändern, zumindest dann, wenn das Stadtparlament in der nächsten Woche für die Errichtung von rund 25 Wohneinheiten auf dem Gelände stimmt.

Eine lange Diskussion geht dieser Entscheidung voraus: Im vergangenen Jahr hatte die Stadt den Bebauungsplan offengelegt. Zahlreiche Eigentümer seien an der Bebauung der Fläche interessiert, außerdem gebe es »derzeit einige Bauplatzbewerber speziell für Ockstadt«, heißt es in einer Begründung. Alternative Flächen für ein Wohngebiet gebe es in Ockstadt nicht.

Das sehen zahlreiche Einwohner anders, weswegen sie vehement Widerspruch gegen die Bebauung des Gebiets eingelegten. Ablehnung erfährt die Stadt hauptsächlich von den unmittelbaren Nachbarn aus der Kapellenstraße. Die hatten sogar Anfang des Jahres eine Unterschriftenliste mit den Signaturen von 47 Unterzeichnern vorgelegt: Der geplante Bau sei eine »unzumutbare Belastung«, heißt es immer wieder. Der Verkehr und die Lärmbelästigung – so die Befürchtungen – würden enorm steigen.

Aber nicht nur Anwohner zeigten sich skeptisch: Auch die Ockstädter Grundschule äußerte Sorgen: Schon jetzt sei das Verkehrsaufkommen im Kreuzungsbereich Waldstraße und Kapellenstraße sehr hoch, insbesondere morgens. Für Kinder sei die Situation oftmals unübersichtlich.

Der Bauausschuss hingegen teilte die Bedenken der Bevölkerung nicht: Das neue Wohngebiet mit maximal 25 Wohneinheiten werde kaum merklich zur Verkehrssteigerung beitragen, Einwohner müssten sich zudem keine Sorgen über Lärm- oder Abgasprobleme machen.

»Mama-Taxis« als Verursacher?

Was die Verkehrssituation an der Grundschule angeht, erklärte Bürgermeister Michael Keller: Hauptakteur im morgendlichen Verkehrschaos seien die »Mama-Taxis«, so sein Resümee, das auf einer Ortsbegehung während der Hauptverkehrszeit beruht. Die Lage vor der Schule sei zu jeder Zeit übersichtlich gewesen, heißt es im Protokoll.

Neben den zahlreichen Bürgereinwendungen kam auch eine Stellungnahme des Kreises mit dem Thema »Ökokonto« zur Sprache: Anhand eines solchen Kontos werden die Bilanzen der Stadt berechnet. Einhergehend mit dem neuen Baugebiet sinke die »Öko-Bilanz«, die Stadt müsse daher an anderer Stelle eine »Ausgleichsfläche« anbieten. Auch das Darmstädter Regierungspräsidium hatte sich zu dem Vorhaben geäußert und »aus regionalplanerischer Sicht « keine Bedenken. Eine Forderung muss die Stadt erfüllen: Da das Gebiet im Bad Nauheimer Heilquellenschutzgebiet liegt, müssten noch Nachweise über die Schonung des Grundwasservorkommens durchgeführt werden.

Der Bauausschuss erklärte jedoch, dass im Bebauungsplan »ausreichende Festsetzungen und Hinweise« zur Schonung des Wassers vorhanden seien. Außerdem aus Darmstadt gefordert: eine Überprüfung auf »Kampfmittel«, da das Gelände zu einem ehemaligen Bombenabwurfgebiet gehöre.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedberg/art555,75389

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung