28. Mai 2012, 16:18 Uhr

Open-Air-Kino: Ohne Ton, ohne Farbe, aber mit Ambiente

Friedberg (jw). Ohne Ton, ohne Farbe, ohne Dach überm Kopf – aber mit dem unvergleichlichen Ambiente des Rathausparks ist am Freitagabend das Friedberger Open-Air-Kino gestartet.
28. Mai 2012, 16:18 Uhr
Es ist immer eine schöne, gemütliche Atmosphäre im Rathauspark, so auch beim Stummfilm »The Artist« am Freitagabend.

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Schwarzweiß-Film »The Artist«, der bis auf wenige Sequenzen am Ende auf gesprochenen Text verzichtet, lockte rund 120 Zuschauer und damit mehr als erwartet an. Am Samstag folgte »Die Eiserne Lady« mit Meryl Streep. Wie am Vortrag herrschte auch hier bestes Open-Air-Kino-Wetter: Wolkenfreier Himmel und die Temperaturen gerade richtig, um es sich mit einer Decke über den Knien gemütlich zu machen.

Bevor der Freilichtkino-Spaß beginnen konnte, war noch einiges zu tun. Am Donnerstag hatte das Unwetter das »Roxy« unter Wasser gesetzt. Kinocenter-Chef Hans-Albert Wunderer hatte daher in der Bismarckstraße alle Hände voll zu tun und nur den Freitag zur Verfügung, um ein paar hundert Meter weiter die Technik aufzubauen. Am Abend ratterte der 1957 gebaute Kinoprojektor aber wie eh und je aus dem alten Wohnwagen. »Wir sind ein festes Team, das klappt wie am Schnürchen«, meinte Stadtjugendpfleger Jürgen Umsonst. Für gut 250 Besucher waren Stühle gestellt, der Rekord liegt bei 650. »Das war bei Ice Age III«, erzählt Umsonst. Dass »The Artist« bei weitem nicht an solche Zahlen herankommt, war Wunderer schon vorher klar: »Den Film habe ich mir einfach mal gegönnt.« Die Zuschauer dürften genauso gedacht haben, sie waren sehr angetan, klatschten am Ende gar Beifall.

Jugendfeuerwehr wieder aktiv

Popcorn-Duft wehte durch die hohen Linden im Park. Die Jugendfeuerwehr war wieder für den Verkauf von Getränken und Snacks zuständig. Im Gegensatz zu früheren Jahren war es bereits vor 22 Uhr dunkel genug, um den Film starten zu können. Die Veranstalter wollten der Fußball-Europameisterschaft aus dem Weg gehen. Daher flimmern die Filme gut vier Wochen eher als sonst über die Leinwand.

Wie in jedem Jahr wird vor dem Filmstart musiziert. Am Freitag trat die vierköpfige Band Simon and Furunkel auf, Musikstudenten aus Gießen, deren Bandname freilich nichts mit Simon and Garfunkel zu tun hat, sondern einfach nur ein albernes Wortspiel ist. Der charismatische Sänger und Keyboarder Martin Simon aus Bad Nauheim liefert den einen Teil des Namens, seine Bandkollegen Chris (Gitarre), Stef (Gitarre) und David (Cajon) sehen sich als »Furunkel« an seiner Seite, was aber genauso wenig ernst gemeint war wie die Ankündigung, einen Song von Simon and Garfunkel hätten sie auch im Repertoire und der passe auch zum Stummfilm: »The Sound of Silence.« Drei, vier, dann war es plötzlich still im weiten Rund. Spaßvögel eben.

Blues und Ray-Charles-Klassiker

Ansonsten spielten die vier Jungs (»Unsere Eltern wollten, dass wir was Vernünftiges lernen, jetzt ist es doch nur die Musik geworden«) schleppenden Blues (»Sweet home Chicago«), eine unorthodox-entspannte Version des Eagle-Eye-Cherry-Hits »Save tonight« und am Ende einen Song, bei dem es sich um den Ray-Charles-Klassiker »Hit the road jack« gehandelt haben dürfte.

Der Rathauspark füllte sich, vor der Bühne knutschten Pärchen auf Decken, schöne Fotomotive, was einer der Knutschenden allerdings nicht fand. »Bei mir wäre das nicht so gut, wenn ich so in der Zeitung zu sehen wäre.« Kein Problem, Foto gelöscht, niemand hat’s gesehen.

Und der Film? Wunderbar. Stummfilme zwingen die Zuschauer zu erhöhter Aufmerksamkeit. Wer nicht hinsieht, verpasst was, und es gibt bei »The Artist« viel zu verpassen: große Gesten, kleine stille Augenblicke des Glücks, ein Wimpernschlag, der das ganze Leid eines Menschen zum Ausdruck bringt, rasante Stepptänze und eine Geschichte, die so schlicht ist und doch ans Herz rührt: Ein Stummfilmstar verweigert sich dem Tonfilm, stürzt ab, verzweifelt, kommt fast ums Leben, wird aber gerettet von einer jungen Frau, die sich von der Statistin zum Star der neuen Filmära hochgearbeitet hat und ihm ein neue Chance gibt. »Ich sage nichts, kein Wort«, lautet die erste Texteinblendung am Anfang des Films. In der Schlussszene, nach einer Tanznummer, ruft der Filmproduzent: »Perfekt! Kriegen wir das noch einmal?«, und es folgt Valentins erster und einziger hörbarer Satz: »Mit Vergnügen!«

110 Besucher bei »Die eiserne Lady«

Am Samstag lief dann »Die eiserne Lady«, rund 110 Besucher sahen sich diesen Film an. Am Freitag, 1. Juni, wird der Kassenschlager »Die Tribute von Panem« gezeigt, es spielt die Band Vorstadt zum Garten. Zum Abschluss des Open-Air-Kino läuft dann am Samstag, 2. Juni, die Erfolgskomödie »Ziemlich beste Freunde« mit der Sängerin Nadine Dannehl im Vorprogramm, die schon an diesem Samstag mit ihrer Band Stage Flakes auf der Bühne stand.



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