27. Januar 2012, 17:28 Uhr

Der Mentor der Stadtplanung geht

Friedberg (ütz). 29 Jahre lang war er der Chef des Stadtbauamts, nun ist Schluss mit dem Berufsleben: Dr. Werner Braam hat zu Beginn des neuen Jahres die Ruhephase seiner Altersteilzeit angetreten.
27. Januar 2012, 17:28 Uhr
Bei der Verabschiedung: Dr. Werner Braam (M.), Bürgermeister Michael Keller (r.) und Alt-Bürgermeister Winfried Bayer. (Foto: pv)

Nach 29 Jahren und einem Monat schied der 62-Jährige aus dem aktiven Dienst als Bauamtsleiter der Stadt aus. Er wurde am Freitag vergangener Woche im Rathaus von Bürgermeister Michael Keller verabschiedet; anschließend wurde im kleinen Kreis in der »Dunkel« der Ruhestand gefeiert.

Mit Braam verlässt ein versierter Fachmann in der Stadtplanung die Stadtverwaltung, der in seiner Dienstzeit das Bild der Stadt entscheidend mitgeprägt hat. Er hatte am 1. November 1982 seine Stelle im Bauamt angetreten, wo er zunächst Leiter der Abteilung Stadtplanung wurde. Am 1. Juni 1983 wurde ihm dann nach dem Ausscheiden seines Vorgängers die Leitung des Stadtbauamts übertragen. Unter anderem hat er seitdem zahllose Bauleitpläne aufgestellt und zur Rechtskraft gebracht. So wurde Ende der 80er Jahre ein neuer Flächennutzungsplan aufgestellt, für den in der Folgezeit bis heute verschiedene Planänderungen erforderlich wurden.

Braam war als Vertreter der Stadt beteiligt an der Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplans für den Planungsverband Rhein/Main, dem 75 Städte und Gemeinden angehören. Er entwickelte eigenständige Bebauungspläne für Wohn-, Gewerbe-, und Industriegebiete sowie für spezielle Infrastruktureinrichtungen und Verkehrsprojekte.

Einen großen Verantwortungsbereich stellte die 1985 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Altstadtsanierung dar. In Zusammenarbeit mit dem von der Stadt beauftragten Sanierungstreuhänder Nassauische Heimstätte wurden unter Braams Leitung zahlreiche öffentliche Maßnahmen realisiert. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit lagen in der Infrastrukturplanung für den Hochwasserschutz, dem Verkehrsberuhigungskonzept sowie das von Braam entwickelte Radwegekonzept. In allen diesen Bereichen zeichnete sich der Bauamtsleiter durch große Sachkenntnis und Sachlichkeit aus, wobei ihm nie daran gelegen war, an vorderster Front in der Öffentlichkeit aufzutreten – obwohl er das, wie beispielsweise zuletzt bei der Präsentation der Planung für die Kaiserstraßen-Umgestaltung – manchmal musste. Sein umfangreiches Wissen spiegelt sich in dem Buch »Stadtplanung« wider, das er 1999 im Düsseldorfer Werner-Verlag veröffentlichte. Darin erläutert er anschaulich und kenntnisreich auf über 450 Seiten aktuelle Entwicklungstendenzen und Zielsetzungen, neueste inhaltliche und rechtliche Rahmenbedingungen und das umfangreiche Instrumentarium der Stadtplanung.

Braam wurde am 10. Juni 1949 in Kleve-Donsbrüggen geboren. 1975 legte er an der Universität Karlsruhe in der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen sein Ingenieurs-Diplom ab. Diese Fakultät verlieh ihm im Juni 1982 für seine Dissertation »Regionalisierung und Infrastrukturerstattung von Fremdenverkehrsbereichen« die Würde eines Doktor-Ingenieurs. Zu dieser Zeit arbeitete Braam an dieser Universität als Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Städtebau und Landesplanung. Er ist verheiratet und zweifacher Familienvater und in Friedberg nicht nur beruflich, sondern auch privat heimisch geworden.

Drei Bürgermeister gratulieren

In seiner Dienstzeit hat Braam drei Bürgermeister erlebt: Dr. Ludwig Fuhr, Winfried Bayer und aktuell Michael Keller. Alle drei waren zur kleinen Feierstunde in der letzten Woche eingeladen; Fuhr musste allerdings wegen eines länger geplanten Gesundheits-Checks im Krankenhaus absagen. Keller dankte dabei Braam im Namen des Magistrats für seine geleisteten Dienste. Den Glückwünschen schlossen sich die Haupt- und Personalamtsleiterin Cornelia Becker für die Amtsleiter und die Personalratsvorsitzende Susanne Manderla an, ehe es mit den Amtsleitern, der Personalratsvorsitzenden, dem Bürgermeister und dem Ersten Stadtrat in die »Dunkel« ging.



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