27. November 2011, 16:58 Uhr

Von den »Gefahren im Glas« haben viele noch nichts gehört

Friedberg (cor). Was soll schon passieren, wenn man mit guten Freunden einfach mal Party macht? Eigentlich nichts, doch ein kurzer Moment fehlender Aufmerksamkeit kann das Leben negativ verändern. Für Donnerstag hatte das Jugendhaus Junity zur Veranstaltung »Sexfalle K.o.-Tropfen« eingeladen.
27. November 2011, 16:58 Uhr
Aufklärung: Jugendliche und Erwachsene diskutieren im Junity über die Gefahr K.o.-Tropfen. (Foto: cor)

Organisiert wurde der Infoabend gemeinsam mit dem Arbeitskreis »Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder«, »Frauen helfen Frauen«, dem Fachdienst für Frauen und Chancengleichheit Wetterau, dem Frauennotruf und Wildwasser. Ziel war es, Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren und auf die Gefahren der »Droge« aufmerksam zu machen. Viele Jugendliche und Erwachsene waren gekommen und diskutierten nach einer Dokumentation über die »Gefahren im Glas«.

Wie zu erfahren war, sei GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) eine »Droge«, die offiziell keine ist, denn sie falle nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Die Substanz werde eigentlich als Reinigungsmittel eingesetzt. Doch GHB sei auch als Liquid Ecstasy oder K.o.-Tropfen bekannt. Die Flüssigkeit sei farblos, schmecke und rieche nicht. K.o.-Tropfen würden häufig in der Kneipen- und Discoszene, aber auch auf privaten Feiern verabreicht. Die Folgen seien gravierend: enthemmtes Verhalten, Verwirrtheit, Schwindel, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit. Atemnot, Krampfanfälle, verlangsamte Herzfrequenz oder Kopfschmerzen könnten auftreten. Betroffene beschrieben oft ein »vernebeltes Gefühl« und einen schlagartigen Erinnerungsverlust. Symptome, die von Tätern ausgenutzt werden. Die Opfer würden vergewaltigt, ausgeraubt oder gefilmt. Die Mittel wirkten bereits nach 10 bis 20 Minuten, Alkohol oder Medikamente führten zur Verstärkung.

Zunehmend wendeten sich Mädchen und Frauen, die unter dem Einfluss von K.o.-Tropfen Opfer sexueller Gewalt geworden sind, an Frauennotrufe und Beratungsstellen. Das Scham- und Schuldempfinden der Opfer sei groß. Viele glaubten, der »Filmriss« sei auf Alkohol zurückzuführen und schwiegen. Schwierig sei der Nachweis der Substanz, die sich im Blut bereits nach gut acht Stunden abgebaut habe. Im Urin seien diese Drogen dagegen bis zu 20 Stunden nachweisbar. »Daher ist es wichtig, unmittelbar nach einem – wenn auch nur vermuteten – Ereignis Kontakt mit Eltern, Beratungsstellen, Polizei und Krankenhaus aufzunehmen«, rät Prof. Harald Schütz, Rechtmediziner aus Gießen. Schütz informierte über diverse Missbrauchsfälle. »Auch wenn viele Fälle nicht aufgeklärt werden konnten, wurden Täter auch schon gefasst und verurteilt«, fügte Christa Mansky vom Frauennotruf hinzu.

Wie sich im Gespräch ergab, haben die anwesenden Jugendlichen noch nie von dem Thema gehört oder höchstens mal in der Zeitung davon gelesen. Zum Glück sei noch niemand aus ihrem Freundeskreis betroffen gewesen, wie ein Mädchen sagte. Im Dokumentarfilm traf es nicht nur ein Discobesucherin, auch eine junge Polizistin wurde Opfer einer Vergewaltigung. Die junge Frau konnte ihren Dienst nicht mehr fortsetzen.

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