14. Oktober 2011, 19:33 Uhr

Ein Wunderwerk der Technik im »Heiligtum«

Friedberg (bd). Picobello sauber, ein Wunderwerk der Technik und mit Untersuchungsgegenständen aller Art gefüllt ist der mannshohe Laborschrank der Friedberger Kriminalpolizei. Er befindet sich im Herzen des Kommissariats 32. Hier arbeiten 17 Beamte im Erkennungsdienst.
14. Oktober 2011, 19:33 Uhr
Herr über Labor- und Chemieschrank: Kriminalhauptkommissar Michael Merz. (Foto: Dörr)

Sie sind zuständig für Spurensicherung, Spurenbewertung und Asservate. Ein Teil von ihnen bildet den Regionalen Tatortdienst. Sie bearbeiten eine Vielzahl von Delikten, angefangen von Einbrüchen bis zu Tötungsdelikten.

Bei Delikten, bei denen spezielle Methoden benötigt werden, unterstützen die vier Mitarbeiter der Spurensicherung die Kollegen der regionalen Tatortgruppe und die Ermittler. Zuständig sind sie bis zum Mord. Es können aber auch unklare Todesursachen, tödliche Unfälle und Selbstmorde sein. »Bei der Spurensicherung gibt es viele Beweise zu sichern. Alle glatten Gegenstände, auf denen Fingerspuren sein könnten, kommen in den Laborschrank und werden dort untersucht«, sagt Kriminalhauptkommissar Michael Merz, der für den Laborschrank und den daneben stehenden Chemieschrank zuständig ist.

Die Ausbeute an Spuren sei hier wesentlich höher als bei den Untersuchungsmethoden, die man etwa aus dem Fernsehkrimis kennt, berichtet der Hauptkommissar. Denn: Statt Pulver werden Kunststoffkleber aufgetragen, die nach der Bedampfung auf Salze reagieren. Es gilt dann Spuren herauszufinden, die nach den Verbrechen zum Täter führen. Merz: »Alle Deliktbereiche sind betroffen. Schlägereien, sexuelle Übergriffe, Verkehrsunfallfluchten, Hauseinbrüche und Diebstähle, etwa aus Geschäften. Eben alles was mit Straftaten zu tun hat.«

Merz gehört zum Kommissariat 32 und hat jeden Tag gut zu tun. Er ist Spezialist für die Spurensicherung und für erkennungsdienstliche Behandlungen zuständig. Beim WZ-Besuch schaut er sich gerade einen Spurenträger an, nachdem dieser entsprechend »bedampft« worden ist. Damit ließen sich auf einem schwarzen Degen auf den ersten Blick unsichtbare Spuren sichtbar machen. Der Degen war in der Nähe eines Tatorts im Wetterauer Osten sichergestellt worden. Unter anderem tauchten auf der Waffe wie von Zauberhand Fingerabdrücke auf. Merz schaut gerade nach, ob die Spuren auswertbar sind: »Da haben wir doch was.«

Der Laborschrank steht im Untersuchungsraum der Friedberger Polizei. Den gefliesten Raum, der an ein Chemielabor erinnert, darf kein Unbefugter betreten. Er gilt als so etwas wie das »Heiligtum« der im Grünen Weg angesiedelten Behörde. Im 15 000 Euro teuren Laborschrank – er hat mittlerweile elf Jahre auf dem Buckel – landet so allerhand an Gegenständen.

Und diese müssen nicht nur auf Fingerabdrücke untersucht werden, die Bierflaschen, Werkzeuge, Holzleisten, Spiegel, Vasen und anderes, das möglicherweise im Zusammenhang mit einer Straftat steht. Auch DNA-Spuren, Rauschmittel, Abrieb, Blut und andere Körperflüssigkeiten, wie Speichel, Schweiß und Sperma sind von Interesse. Etwa 3000 dieser Gegenstände werden dort jährlich untersucht, katalogisiert und sicher verwahrt. Es wird eben nichts unversucht gelassen, den Tätern auf die Spur zu kommen.

Meist ermitteln Hauptkommissar Merz und seine Kollegen die Täter anhand der Spuren, auch wenn es lange dauert. Aber auch das gibt es: Nach manchen Tätern fahnden die Beamten immer noch, etwa nach dem Mörder der Schülerin Johanna Bohnacker aus Bobenhausen, die 1999 umgebracht wurde, oder nach dem Brandstifter, der in Bad Nauheim einen verheerenden Großbrand mit neun Toten verursachte, eine Katastrophe, die inzwischen 20 Jahre zurückliegt.

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