Friedberg

Alligatorenschädel sorgt für Rätselraten in Ockstadt

Friedberg-Ockstadt (jw). Der Schädel eines toten Alligators hat am Wochenende in Ockstadt für Rätselraten gesorgt. Ein zehnjähriger Junge hatte die Skelettteile am Samstag in der Nähe des Alten Sportplatzes gefunden. Wurde das Tier dort entsorgt? Ist es dort gar verendet?
10. Mai 2011, 18:05 Uhr
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Der weitgehend skelettierte Schädel eines Alligators, den der zehnjährige Sirius Hess am Alten Sportplatz fand. (Fotos: Hess)

Die Stadtverwaltung hat am Montag das Veterinäramt und die Abteilung Artenschutz beim Regierungspräsidium Darmstadt eingeschaltet, um die Hintergründe des Fundes in Erfahrung zu bringen. Des Rätsels Lösung offenbarte gestern René Renz, Betreiber der Ockstädter Alligator-Action-Farm: Es handele sich um den Schädel eines vor längerer Zeit bereits verstorbenen Tieres, der vermutlich von einem Wildtier vom Gelände der Farm fortgeschleppt wurde.

Am Samstag besuchte Martin Hess mit Frau und Kindern den Flohmarkt auf dem Alten Sportplatz. Im Naturschutzgebiet unterhalb der großen Wiese machte der zehnjährige Sohn Sirius beim Spielen eine Entdeckung: einen Alligatorenschädel. Der Vater dachte zuerst an einen verspäteten Aprilscherz, überzeugte sich dann aber von dem Fund. »Mein Sohn war nicht erschrocken. Er hat sich total dafür interessiert und hätte den Schädel am liebsten mitgenommen«, erzählt Hess.

»Wir haben uns natürlich gefragt, wie der Schädel da hingekommen ist. War das Tier verendet und wurde dort entsorgt oder ist es abgehauen und dort verendet?« Der Alligatorschädel habe vor dem Eingang eines Fuchs- oder Dachsbaus gelegen, erzählt Hess. »Bei genauerer Suche fanden wir noch mehr Knochen, die wohl auch von dem Tier stammen müssten.« Und seine Frau und die große Tochter entdeckten eine Rotwangen-Schildkröte im Teich direkt hinter der Fundstelle. Dort wimmelt es von Fröschen, Kröten und anderen Tieren. Die aus Nordamerika stammende Rotwangen-Schildkröten dürfte dort allerdings kaum heimisch sein. Als die Familie Hess am Sonntagabend erneut an den Fundort kam, um den Alligatorschädel mitzunehmen und der Polizei zu bringen, war er allerdings verschwunden.

Das Ordnungsamt der Stadt hat am Montag das Regierungspräsidium über den Fund informiert. Wie RP-Sprecher Dieter Ohl sagt, will die Behörde bei der einen Steinwurf vom Alten Sportplatz entfernt liegenden Alligator-Action-Farm nachfragen, ob das Skelett von dort stammt. Alligatoren sind artengeschützt. Stirbt ein Tier, muss dies gemeldet werden. Dann wird die Tierkörperbeseitigungsanstalt eingeschaltet.

Riesenschildkröte ausgebüxt

Im vorliegenden Fall lief das Prozedere offenbar etwas anders. »Den Schädel haben wir aus privater Hand erhalten«, sagt Tiertrainer René Renz. Längere Zeit habe er in einer Tiefkühltruhe gelegen. Da Tierpräparationen nicht billig sind, sei der Schädel zum Auftauen in die Sonne gelegt worden. Ameisen sollten das Fleisch von den Knochen abfressen. Dabei muss der Schädel von einem Wildtier verschleppt worden sein.

Auf Renz' Farm leben auch Schlangen, Spinnen, Schildkröten und Skorpione. Können die ausbüxen? Renz antwortet mit einer Gegenfrage: »Gibt es im Leben für irgendetwas eine Garantie?« Wenn sein Bruder mit dem Zirkus »Universal Renz« ins Winterlager kommt, leben in Ockstadt Bären, Tiger und viele andere Tiere. Probleme mit ausgebrochenen Tieren habe es bislang noch nicht gegeben. Doch ab und zu kommt das vor. Wie der Tiertrainer erzählt, hat kürzlich eine 60 Kilo schwere Riesenschildkröte die Flucht ergriffen. Über den Golfplatz machte sie sich auf den Weg in Richtung Autobahn. Radfahrer hörten ein Rascheln im Gebüsch, schauten nach, drehten das Tier auf den Rücken und verständigten die Polizei. Die Riesenschildkröte hatte sich mit großer Gewalt unter einem Zaun durchgewühlt.

Aber das sei ein Einzelfall, und die Rotwangen-Schildkröte, die am Sonntag gesichtet wurde, sei nicht von ihm, sagt Renz. Seine Tiere sind alle zahm. Dass die Ockstädter Angst hätten, die Tiere könnten ausreißen, sei ihm nicht bekannt. Ortsvorsteher Günther Weil und Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf bestätigen das. »Mir sind keine Beschwerden bekannt«, sagt Weil. Schade nur, dass der Schädel am Sonntag verschwunden war. Sirius Hess hätte ihn so gerne in seinem Kinderzimmer aufgestellt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedberg/art555,58957

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