15. Februar 2011, 20:36 Uhr

Leila, Lissy und ihr Leben nach dem Labor

Friedberg-Dorheim (jw). Der berühmteste Beagle der Welt heißt Snoopy, liegt die meiste Zeit auf dem Dach seiner Hundehütte, widmet sich dort philosophischen Gedanken. Beagels sind liebenswürdige, aufgeweckte Zeitgenossen, ohne Anzeichen von Angriffslust oder Ängstlichkeit. Doch ihr freundliches und robustes Wesen ist dafür verantwortlich, dass Beagle oft als Versuchstiere in der biomedizinischen Forschung verwendet werden.
15. Februar 2011, 20:36 Uhr
Beagle sind freundliche Hunde, die gerne schmusen, sagt Reinhard Ditschler. Enkelin Nika demonstriert das für die WZ. Sie schmiegt sich gerne an die ältere Beaglehündin Leila. Nur die aufgeweckte Lissi hält es nicht lange im Körbchen, sie will lieber Fußball spielen. (Foto: Wagner)

Laborbeagle werden diese Hunde genannt, und manchmal gibt es für sie ein Leben nach dem Labor. Der in Langgöns ansässige Verein Laborbeaglehilfe vermittelt die Tiere, zwei davon leben bei der Familie Ditschler in Dorheim, die sehr gute Erfahrungen mit den Beagles gemacht hat.

Wie reagiert ein Hund, der in seinem Leben nichts anderes als Zwinger und Laborräume gesehen hat, auf alltägliche Dinge wie Straßen, Autos, Gras oder Holz? »Ganz unterschiedlich«, sagt Reinhard Ditschler. Die Beagle-Hündin Leila habe, als sie in Dorheim ankam, verschüchtert in einer Ecke der Wohnung gesessen. »Aber dann blühte sie in den ersten Wochen regelrecht auf.« Ihre Artgenossin Lissi hingegen ging, kaum dass sie ihre Box verlassen durfte, sofort auf Menschen zu,. »Sie ist total zutraulich und verspielt«, erzählt Simone Ditschler. Laborhunden sehe man eine gewisse Scheu in den Augen an. »Sie sind zurückhaltend. Aber bald leben sie auf, dass einem das Herz aufgeht.«

Die Ditschlers haben schon immer Hunde. Auf die Idee, einen Laborbeagle aufzunehmen, kam die Tochter Jasmin. Vor zwei Jahren suchte sie nach einem Hund und stieß im Internet auf die Seite der Laborbeaglehilfe (<%LINK auto="true" href="http://www.Laborbeaglehilfe.de" text="www.Laborbeaglehilfe.de" class="more"%>). So wurde Leila adoptiert. »Sie war binnen kürzester Zeit stubenrein«, erzählt Reinhard Ditschler. Die Familie war derart von dem Hund begeistert, dass beschlossen wurde, in diesem Frühjahr einen weiteren Beagle aufzunehmen.

Der letzte Mischlingshund kam aus dem Tierheim, bekam bei den Ditschlers sein Gnadenbrot. Nachdem er gestorben war, kam der neue Hund viel schneller nach Dorheim als gedacht. »Im November wurden der Laborbeaglehilfe 16 weitere Beagles angeboten, die dringend eine neue Familie oder Pflegestelle brauchten. Kurzerhand entschlossen wir uns, einen der Hunde aufzunehmen«, schildert Ditschler. Alles ging so kurzfristig, dass sogar die Laborbeaglehilfe keine detailierten Angaben über das Aussehen der Hunde geben konnte. Das war den Ditschlers egal. »Jeder Beagle, der das Labor verlassen darf, hat ein Recht auf ein langes, liebevolles neues Leben, egal ob der Beagle aus der Krebsforschung kommt oder ob nur ein Nasenspray an ihm getestet wurde.« So kam die quierlige Lissi am Nikolaustag nach Dorheim.

In der Küche der Ditschlers setzte die 21-monatige Lissi zum ersten Mal ihre Pfoten in die Freiheit. »Keine Spur von Angst oder Verstörung« habe sie gezeigt, erzählt Simone Ditschler. »Er begrüßte sofort sein Herrchen, ließ sich kraulen und mit Leckerlies füttern«, ergänzt ihr Mann. Die wuselige Lissi ist ein Marshall-Beagle. Das ist eine besondere Beaglezüchtung von den Marshall-Farms in den USA, speziell für Labore gezüchtet. Von der Statur her sind sie etwa halb so groß wie normale Beagles.

So nimmt Lissi die Rolle der »kleinen Schwester« ein, wenn sie mit Leila im Garten tobt, einem alten Fußball hinterherjagt oder auf Stöcken herumkaut. Holz kannte sie vorher nicht, auch ein Knochen war ihr fremd. Was ein Feld ist, musste sie ebenso lernen wie die Tatsache, dass ein Grill heiß ist und man am besten nicht seine Schnauze reinsteckt. Selbst dann nicht, wenn auf dem Grill Würstchen bruzzeln. Auf Leilas Halsband steht »Fressmonster«. »Beagles essen sehr gerne und viel«, weiß Reinhard Ditschler. Man kann sie aber auch zum Fressen gern haben, so wie es die achtzehn Monate alte Enkeltochter Nika tut. »Sie schmust mit den Hunden, und die lassen sich das gerne gefallen. Beagles sind eben sehr kinderlieb«, erzählt Simone Ditschler.

Wenige Auskünfte zur Vorgeschichte

Leila wurde im Labor offenbar nur als Zuchthündin gebraucht. Welchen Versuchen Lissi ausgesetzt waren, wissen die Ditschlers nicht. Die Labore hüllen sich darüber in Schweigen. »Hunde, die in der Krebsforschung einer Chemotherapie unterzogen wurden, bekommen ein graues Fell. Ich hätte auch so einen Hund angenommen«, sagt Reinhard Ditschler. Zur Zulassung von neuen Medikamenten sei es in Deutschland unumgänglich, diese an Versuchstieren zu testen. »Unser Beitrag ist, dass wir den Hunden ein neues Leben schenken.« Vielleicht waren Laila und Lissi nicht die letzten Laborbeagle, die in Dorheim ein neues Leben und erstmals ein wirkliches Zuhause gefunden haben. Simone Ditschler: »Mein Mann hätte am liebsten noch mehr Hunde.« »Am besten vier«, sagt der Systeminformatiker. »Aber erst wenn ich in Rente gehe. Denn Beagle brauchen viel Zuwendung.«



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