15. Februar 2011, 19:04 Uhr

Typisierungsaktion am Burggymnasium: Erster Schritt in Richtung Leben retten

Friedberg (pm). Alle 45 Minuten erkrankt ein Mensch in Deutschland an Leukämie - an Blutkrebs. Eine Krankheit, bei der die blutbildenden Zellen, die Leukozyten, befallen sind und das Abwehrsystem des Menschen nicht mehr richtig funktioniert. Eine Krankheit, bei der schon eine leichte Erkältung tödlich sein kann.
15. Februar 2011, 19:04 Uhr
Ehrenamtlich in Aktion: Dr. Wolfgang Pilz nimmt einer Schülerin Blut ab; Schulkioskbetreiberin Christel Eckhardt und Schulleiter Dr. Lothar Korger schauen sich’s an. (Foto: pv)

Friedberg (pm). Alle 45 Minuten erkrankt ein Mensch in Deutschland an Leukämie - an Blutkrebs. Eine Krankheit, bei der die blutbildenden Zellen, die Leukozyten, befallen sind und das Abwehrsystem des Menschen nicht mehr richtig funktioniert. Eine Krankheit, bei der schon eine leichte Erkältung tödlich sein kann. Eine Krankheit, bei der die Chance auf Heilung meist nur aus einer Stammzellenspende besteht.

»Ich bin gerade sehr froh, dass mir nicht schwindelig wird«, erklärt eine Schülerin. In ihrer einen Hand hält sie ein kleines Fläschchen mit Blut und in der anderen ein ausgefülltes Formular. Als sie beides in die Hände der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) gibt, ist sie noch ein kleines bisschen blass um die Nase. Als Lohn bekommt sie einen »Genau-mein-Typ?«-Anstecker und Gummibärchen. Der Andrang bei der Typisierungsaktion im Burggymnasium ist groß. Eine Aktion, die Lehrerin Christina Gimbel und ihr 12er-Leistungskurs Chemie organisierten. Dr. Wolfgang Pilz aus Ockstadt und sein Team, die für ihren ehrenamtlichen Einsatz die Praxis verlassen haben, müssen sogar zusätzliche Mitarbeiter anfordern. Und nun nimmt das fünfköpfige Team den Schülern das Blut ab. Für die, die danach etwas wackelig auf den Beinen sind, steht eine Liege bereit.

Zwei Unterschriften und fünf Milliliter Blut

Die Aula wird heute von Schülern und Lehrern nicht für Theater, Musik und Klausuren, sondern für die Registrierung in der DKMS genutzt. Der erste Schritt in Richtung Leben retten erfolgt mit zwei Unterschriften und fünf Milliliter Blut. Diese sind nötig, damit später im Labor Gewebemerkmale untersucht werden können.

Die Deutsche Knochenmarkspender-Datei vermittelt seit 1991 potenzielle Stammzellenspender an Leukämiepatienten. Bis heute umfasst die weltweit größte Datei auf diesem Gebiet 2,3 Millionen Menschen. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich ein passender Spender findet, doch genau auf diesen sind die jährlich 11 000 an Blutkrebs erkrankten Menschen angewiesen. Er könnte ihre einzige Hoffnung sein, die Krankheit zu bekämpfen. Und das ist der Grund, warum sich möglichst viele Menschen registrieren lassen sollten. Denn etwa jeder fünfte an Leukämie erkrankte Mensch hat keinen passenden Spender.

Doch die möglichen Mittel dafür kommen aus eigener Tasche. Denn der Staat unterstützt die Arbeit der DKMS nicht. Stimmen Gewebemerkmale allerdings überein, so übernimmt die Krankenkasse die weitere Behandlung bis zur tatsächlichen Spende. Bis dahin übernimmt die auf Spenden angewiesene DKMS die Kosten von 50 Euro pro Typisierung, um möglichst vielen Betroffenen zu helfen. Registrieren lassen kann sich jeder ab 17 Jahren. Die Daten von Minderjährigen werden erst ab dem 18. Lebensjahr freigegeben. Doch bis dann wirklich das Telefon klingelt, weil ein hilfebedürftiger Patient gefunden worden ist, können Jahre vergehen.

Doch was ist, wenn das Telefon dann doch irgendwann klingelt? Heute Morgen im Burggymnasium ist natürlich auch eine Mitarbeiterin der DKMS dabei. Nicola Wenderoth, die dafür zuständig ist, neue Spender zu gewinnen, erklärt, was eine Spende alles bewirkt und welche Ängste so manch einer noch hat.

Stammzellen werden Beckenkamm entnommen

»Bei der Knochenmarkentnahme denken viele Leute, dass die Stammzellen dem Rückenmark entnommen werden. Das ist allerdings komplett falsch, denn die Stammzellen werden dem Beckenkamm entnommen.« Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose, und der Spender bleibt zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Anders verläuft die periphere Stammzellenentnahme. Dabei nimmt der Spender über fünf Tage ein Medikament ein, was den vermehrten Fluss von Stammzellen im Blut bewirkt. Mit einem speziellen Verfahren werden die Stammzellen dann entnommen. Da diese Methode keine Vollnarkose erfordert, wird sie zu 80 Prozent praktiziert.

Als Nebenwirkungen sind bis heute grippeähnliche Symptome bekannt. Doch viele Schüler entschließen sich trotzdem zu spenden. Vor allem, weil sie mit ihrer Spende einem Menschen das Leben retten könnten. Und jeder will ja schließlich auch, dass einem geholfen wird, wenn man selber betroffen ist.

Nicola Wenderoth und Lehrerin Christina Gimbel sind am Ende der Veranstaltung mehr als zufrieden. »Wir würden eine Aktion in der Form gerne alle drei Jahre wiederholen«, erklärt Lehrerin Christina Gimbel. Auch Schulleiter Dr. Lothar Korger ist von der Idee und von seinen Schülern angetan. Insgesamt ließen sich an diesem Morgen 180 Schüler und Lehrer in der Deutschen Knochenmarkspender-Datei registrieren. Ein großer Erfolg. Alle handelten frei nach dem Motto: ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für irgendjemand anderen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erkältungen
  • Kranke
  • Leukämie
  • Leukämiepatienten
  • Musikverein Griedel
  • Stammzellen
  • Vollnarkose
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos