24. November 2010, 18:36 Uhr

Lesung mit Ulrich Wickert

Friedberg (con). Fünfzehn Jahre lang blickte Ulrich Wickert in deutsche Wohnstuben, Millionen von Zuschauern ließen es sich nicht nehmen, zum Abschluss des Tages von ihrem »Mr. Tagesthemen« eine gute Nacht gewünscht zu bekommen. Mit »Guten Abend, meine Damen und Herren« begrüßte Ulrich Wickert seine Gäste life in der Aula der Augustinerschule und erntete dafür bereits einen ersten Applaus. Die Buchhandlung Bindernagel holte zusammen mit der Ovag AG und der Stadt Friedberg den bekannten und beliebten einstigen Moderator anlässlich »Friedberg lässt lesen« auf die Bühne.
24. November 2010, 18:36 Uhr
Ein Sympathieträger frankophiler Lebensweise: Ulrich Wickert. (con)

Ulrich Wickert scheint um keinen Tag gealtert, seit er sich vom Bildschirm verabschiedet hat. Sein charmantes Lächeln, seine humorvollen Einwürfe und die direkte Ansprache an das Publikum ziehen diese sofort in den Bann, selbstsicher und fast unmerklich führt er durch den Dschungel der Krimiwelt, die er in seinem Roman »Das achte Paradies« vorstellte. Er gestaltete diesen Abend nicht nur als Lesung, sondern berichtet rund um seine Arbeit als Autor. Wickert gibt seinen Zuhörern Einblick in die Entstehung des Buches, lässt sie erleben, wie der Hauptprotagonist Jacques Ricou entstand und zu seinem Namen kam, weshalb er kein Kommissar, sondern ein Untersuchungsrichter ist und warum er in Paris in der Rue de Belleville lebt. Wickert lässt Margaux entstehen, eine (oder doch die?) Freundin Ricous, deren Cousine, Topmodel bei einer Modeagentur, in einer exklusiven Luxusvilla spurlos verschwindet. Das Verschwinden des Models bringt Jacques in die Welt der georgischen Mafia.

Ulrich Wickert berichtet, dass er seine Krimis mit dem Finger auf dem Stadtplan und beim Googeln mit Streetview schreibt, denn seine Bücher sind identisch, die Plätze sind wiederzufinden und die Straßen nachzugehen. Wickert ist Weltbürger, und doch spürt man seine besondere Affinität zu Frankreich. Während seiner Berichte und der gelesenen Passagen aus dem Buch hört man das Brausen der riesigen Weltmetropole, spürt die französische Gelassenheit, schmeckt das in Milchkaffee getränkte Croissant und glaubt, an einem der kleinen runden Bistrotische zu sitzen, mitten im Trubel der Hauptstadt, die Le Monde auf dem Schoß.

Man riecht die Gitanes Mais und glaubt, das Quaken von Margauxs Stimme dank ihrer ständigen Anrufe aus dem Mobilfon zu hören. Als Jacques Michael verfolgt, einer der gejagten Kriminellen, der nackt mit dem Fahrrad durch Paris radelt und in den unterirdischen Katakomben verschwindet, endet Wickerts Lesung.

Ulrich Wickert wurde 1942 in Tokio geboren, studierte politisches Wissen und absolvierte darin ein juristisches Staatsexamen. Er wurde Mitarbeiter und Redakteur der Sendung Monitor, ging als ARD-Korrespondent nach Washington und Paris, drehte eine Dokumentation über Herbert Marcuse »Der Traum von einer besseren Welt« in Kalifornien und Connecticut und wurde Leiter des ARD-Studios in New York. Von 1991 bis 2006 brachte er die Tagesthemen in seinem ureigenen Stil in die deutschen Wohnzimmer. Wickert wurde zum Ehrenkommissar der Bonner Polizei ernannt und in die Hall of Fame aufgenommen. Neben bereits fünf erschienen Kriminalromanen, die zum Teil als Hörbuch, von ihm selbst gelesen, erschienen sind, schrieb er etliche Sachbücher. Bekannt als Meister der französischen Lebensart, besitzt er das Flair und die Gelassenheit eines weitgereisten Menschen, dem es als Weltbürger gelingt, Spontanität, Gelassenheit und profundes Wissen in seinen Büchern zu vermitteln.

8 Ulrich Wickert, »Das achte Paradies«, Piper Verlag, 19,95 Euro.

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