28. September 2010, 17:24 Uhr

3D-Kino: Wenn der Flugsaurier durchs Roxy schwebt

Friedberg (jw). Wenn die Samen vom Baum des Lebens wie kleine Quallen über den Köpfen der Zuschauer schweben und wenn der Thanator, eines der gefährlichsten Landraubtiere Pandoras, aus den hinteren Sitzreihen zum Sprung auf den Hauptdarsteller auf der Leinwand ansetzt – dann sitzt man im 3D-Kino.
28. September 2010, 17:24 Uhr
Brillen auf und festgehalten: Bürgermeister Keller (2. Reihe, Zweiter von rechts) und seine Gäste folgen den Abenteuern der Avatare. (Foto: jw)

Friedberg (jw). Wenn die Samen vom Baum des Lebens wie kleine Quallen über den Köpfen der Zuschauer schweben und wenn der Thanator, eines der gefährlichsten Landraubtiere Pandoras, aus den hinteren Sitzreihen zum Sprung auf den Hauptdarsteller auf der Leinwand ansetzt – dann sitzt man im 3D-Kino. Den Tipp, den die Wissenschaftlerin Grace Augustine dem Ex-US-Marine Jake Sully gibt – »Abhauen, definitiv abhauen!« –, hat keiner der Zuschauer befolgt, die Bürgermeister Michael Keller am Montagabend im Kinocenter Friedberg begrüßte. Kinobesitzer Hans-Albert Wunderer hatte den Bürgermeister eingeladen, der durfte Gäste mitbringen, und rund 60 Ehrenamtliche aus Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeirat, dem Vorstand des Stadtmarketings und dem Stadtmarketing-Arbeitskreis Bildung wollten sich das dreidimensionale Vergnügen nicht entgehen lassen. Hin und wieder zuckten sie mit den Köpfen oder stießen leise Schreie aus, wenn der riesige Flugsaurier Toruk durchs Roxy fegte und die Surround-Tontechnik den Eindruck vermittelt, man befinde sich mitten drin im Geschehen, mitten auf dem von James Cameron geschaffenen Planeten Pandora, der das 3D-Kino quasi neu erfunden hat.

»Für das Kino werben macht mir großen Spaß«, sagt Bürgermeister Keller. Ein Kino in den Innenstadt, »und noch dazu ein technisch derart hochwertiges«, sei sehr wichtig für das kulturelle Angebot, vergleichbar mit der ebenfalls in der Innenstadt beheimateten Diskothek Central Studio. Bei der Begrüßung der Gäste mit Sektempfang im Foyer betonte Keller, dass die Investition, die Kinobetreiber Wunderer aus eigenen Kräften geschultert hat, eine existenzielle sei. »Die jungen Leute fahren sonst nach Frankfurt ins Kino. Durch die neue Technik bleibt Friedberg konkurrenzfähig.« Was enorm wichtig sei, denn eine Schließung des Kino würde im »Gefüge der Stadt manche Veränderung zum Schlechten hin« mit sich bringen, sagte Keller.

Im Januar werden es 28 Jahre sein, seit Wunderer das Kinocenter betreibt. »Wir gehen mit der Zeit«, sagte er, und die neue Technik sei »überlebensnotwendig«. In einigen Jahren wird es keine Filme mehr auf 35-Millimeter-Rollen geben. Die Filme werden dann nur noch in Form digitaler Daten an die Kinos verteilt. Wer nicht nachrüstet, hat bald das Nachsehen.

3D, machte Wunderer deutlich, ist nur ein zusätzlicher Effekt dieser neuen Technik. Die digitalen Bilder sind klarer, lebensechter und auch nach dem x-ten Mal »Abspulen« weitaus schärfer als die Bilder eines 35-Millimeter-Films. Der Bürgermeister und seine Gäste waren am Ende begeistert. »Das muss ich jetzt erst mal verarbeiten«, meinte ein Stadtverordneter, der die Bilderflut nach knapp drei Stunden noch nicht so recht einordnen konnte.

Der 3D-Effekt vermittelt den mit den entsprechenden Brillen ausgestatteten Zuschauern den Eindruck, sie säßen an einem offenen Fenster und das Geschehen spiele sich direkt vor ihren Augen ab, so nah, dass die Samen vom Baum des Lebens schon mal reingeflogen kommen und man sie greifen möchte, so nah, dass man sich beim Flug auf dem Rücken des Drachens schon mal an der Sessellehne festhält. »Und das gibt es in Friedberg!«, staunte ein Kinobesucher am Ende der Vorstellung.



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