02. September 2010, 20:06 Uhr

Nach B 3-Bau: »Lückenschluss« fürs zerschnittene Wegenetz

Friedberg (ütz). Die B 3-Umgehung ist gebaut, und so erfreulich das für die Innenstadtbewohner und die Autofahrer ist, so wirft es doch ein Problem auf: Die Trasse zerschneidet Feldwege, Grundstücke und Ackerflächen in bisweilen kuriosen Winkeln. Eine Flurbereinigung muss also her, um wieder sinnvolle Wegeverbindungen und Grundstückszuschnitte herzustellen.
02. September 2010, 20:06 Uhr
Beispiel für vorgenommene Flurbereinigung: der neue Feldweg hinter der Pflanzenwelt Lück.

Das Verfahren liegt in den Händen des Amts für Bodenmanagement Büdingen (früher Katasteramt), und das hat jetzt einen ersten Schritt hinter sich. Wie Pressesprecher Michael Frischkorn mitteilte, sind die Planungsgespräche zwischen Flurbereinigungsbehörde, Stadt Friedberg und dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft abgeschlossen; Ziel war eine Neugestaltung des Wege- und Gewässernetzes gewesen. Dieses nun entstandene Konzept bildet die Grundlage für die Neuordnung aller Grundstücke und für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen. Betroffen sind Gemarkungsteile von Friedberg, Bad Nauheim und Ockstadt.

Teilnehmergemeinschaft - zu ihr gehören alle, die in dem rund 680 Hektar umfassenden Flurbereinigungsbereich ein Grundstück haben. Wer geglaubt hatte, dass es sich dabei vornehmlich um Ockstädter Landwirte handelt, muss sich vom zuständigen Sachbearbeiter in Büdingen, Matthias Höhn, eines Besseren belehren lassen. »Das sind Leute aus aller Welt, darunter viele aus den USA und Mexiko«, sagt er. Denn: Oft bewirtschaften die Bauern die Ackerflächen zwar, haben sie aber nur gepachtet - eben von Eigentümern, die (durch die Hochzeit mit US-Soldaten) heute in den USA leben oder aus anderen Gründen dorthin oder in ein anderes Land ausgewandert sind. Aus der Teilnehmergemeinschaft - ihr gehören auch Garten- und Gebäudebesitzer, die Obere Naturschutzbehörde oder auch (durch den ehemaligen Hubschrauberlandeplatz) die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) an -, wird ein Vorstand gebildet, der dann Ansprechpartner für die Flurbereinigungsbehörde ist. Dazu kommt die Stadt Friedberg, die ebenfalls Grundbesitz in dem fraglichen Gebiet hat.

Wie Höhn erläutert, gilt es, für das zerschnittene Wegenetz wieder einen »Lückenschluss« herzustellen. Teilweise können alte Wege gelassen werden, aber auch neue müssen her. Ein Beispiel dafür ist der Feldweg, der über die Brücke neben der Pflanzenwelt Lück in Richtung Kernstadt führt. Er wurde bereits vor einiger Zeit völlig neu angelegt. Auch Leitungen müssen ver- und naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen für die neue B 3 angelegt werden. Eine solche Fläche findet sich am ehemaligen Hubschrauberlandeplatz, wo eine Vielzahl von Bäumen gepflanzt wurden. Die Kosten hierfür und auch für andere im Wege- und Gewässerplan festgelegte Maßnahmen trägt das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Gelnhausen als Bauherr der neuen Umgehung.

Höhn: »Darüber hinausgehende Einzelmaßnahmen, die von der Teilnehmergemeinschaft gewünscht werden, müssen auch von ihr bezahlt werden.« Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein spezieller, im Konzept nicht vorgesehener Feldweg geschaffen werden soll. Höhn: »Allerdings gewähren die EU, der Bund und das Land Hessen dafür Zuschüsse, sofern es dem öffentlichen Interesse dient.« Bei allen Baumaßnahmen würden, wie bei normalen Bebauungsplanverfahren, die regionalen und überörtlichen Behörden angehört. Sein Amt werde noch in diesem Jahr rund 90 000 Euro, die man von der EU erhalten hat, für neue Feldwege ausgeben. Damit seien 60 Prozent der Kosten finanziert, den Rest zahle die Kommune.

Um die Grundstücke - im wesentlichen geht es dabei um Äcker - neu zuschneiden zu können, muss das Amt für Bodenmanagement für das ASV Flächen kaufen. »Damit sind wir fast zu 100 Prozent durch«, so Höhn. Die Grundstücksbesitzer hätten dabei die Wahl: entweder sich für das abgegebene Stück ein anderes im gleichen Wert geben lassen oder dafür Geld kassieren. Gelände müsse auch für Ausgleichsmaßnahmen erworben werden, die durch die B 3-Umgehung einerseits und auch die neuen Feldwege andererseits erforderlich würden.

Und wenn jemand partout nicht sein benötigtes Grundstück verkaufen oder tauschen will? Würde es dann eine Enteignung geben? Dieses Wort hört man beim Amt für Bodenmanagement nur höchst ungern, dort spricht man lieber von »Landabzug«. Aber Höhn versichert: »Kein Teilnehmer verliert einen Quadratmeter Land.« Und er weist auf eine Besonderheit bei der Flurbereinigung hin: Dabei gelten Einschränkungen am Eigentum. So dürfen Einfriedungen, Gräben und Obstbäume nur mit Zustimmung der Flurbereinigungsbehörde verändert werden.



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