29. Juni 2010, 19:26 Uhr

Schüler-Demo: »Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut«

Friedberg (chh). »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut«, skandierten gestern rund 150 Schüler auf den Straßen von Friedberg. Im Rahmen eines bundesweiten Bildungsstreiks hatten sie sich vor dem Burghof versammelt, um gegen die in ihren Augen mangelhafte Bildungspolitik zu demonstrieren.
29. Juni 2010, 19:26 Uhr
»Gute Bildung schützt vor Faschismus.« Nur ein Grund für die Demonstranten, auf die Straße zu gehen. Hier skandieren sie vor dem Friedberger Schulamt. (Foto: chh)

Friedberg (chh). »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut«, skandierten gestern rund 150 Schüler auf den Straßen von Friedberg. Im Rahmen eines bundesweiten Bildungsstreiks hatten sie sich vor dem Burghof versammelt, um gegen die in ihren Augen mangelhafte Bildungspolitik zu demonstrieren.

Ziel der Protestler: an den Bildungseinrichtungen in Friedberg vorbeizuziehen und ihre Unzufriedenheit kundzutun. Mehr Pädagogen an Schulen, freie und demokratische Bildung sowie die Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren waren nur einige der Forderungen.

Bevor es losging, hielt die stellvertretende Kreisschulsprecherin Lena-Marie Nachtigall eine Rede, in der sie sich für ein inklusives Bildungssystem einsetzte. Inklusiv heißt, »mit einer neuen Art der Pädagogik allen Kindern, sowohl mit als auch ohne Behinderung, in Anerkennung ihrer Verschiedenheit gerecht zu werden.«

Anschließend zogen die jungen Demonstranten in Begleitung eines Pritschenwagens, von dem aus die Veranstalter die Demonstranten mit Megafon und lauter Musik einheizten, bei bestem Kaiserwetter die Kaiserstraße entlang. »Ihr müsst auf der rechten Straßenseite laufen, auch wenn euch das schwer fällt«, schallte es zweideutig aus dem Mikrofon.

Erstes Ziel war die Augustinerschule. Dort angekommen, wurden die dortigen Schüler lautstark aufgefordert, die Schule zu verlassen und sich der Demo anzuschließen. »Leider hat die Augustinerschule heute Wandertag, daher ist kaum jemand da, der sich uns anschließen könnte«, erklärte der stellvertretende Kreisschulsprecher Tim Wagner. Ohnehin hätte man sich eine größere Beteiligung erhofft. »Aber für die Wetterau ist das Ergebnis okay, dafür, dass wir so etwas zum ersten Mal hier veranstalten.« Da auch an vielen anderen Schulen am Dienstag Wandertag gewesen sei und zudem die Schulen weit auseinander lägen, könne man zufrieden sein.

»Bildung oberste Priorität«

Einer der Augustinerschüler, der sich an der Demo beteiligte, war der 16-jährige Tobias Koch. »Bildung hat einfach Priorität. Es ist an der Zeit, dass die Politiker das auch so sehen«, sagte der 16-Jährige zu seinen Beweggründen.

Sorge machte den Veranstaltern die Ankündigungen der Jungen Nationalen, ebenfalls an der Demo teilzunehmen. »Die sind aber nicht aufgetaucht«, sagte Polizeisprecher Jörg Reinemer. »Wir haben uns gut auf eine Teilnahme der NPD vorbereitet. Wir halten uns zwar im Hintergrund, sind aber sofort zur Stelle, wenn etwas passiert.« Zur Freude aller Beteiligten verlief die gesamte Aktion friedlich. Auf ihrem Weg sangen die Demonstranten immer wieder ihre Schlachtrufe: » Eliteuni, ha-ha-ha, Bildung ist für alle da. Reiche Eltern, schönes Leben, sollte es für alle geben.«

Schüler an Teilnahme gehindert

Nach einem Zwischenstopp vor dem Schulamt - einige Protestler rannten kurz hinein, um ihre Meinung über das Schulwesen loszuwerden - ging es weiter zur Adolf-Reichwein-Schule. Auch hier forderten die Veranstalter die Schüler auf, die Klassenräume zu verlassen und sich der Demo anzuschließen. »Wenn ihr geschlossen rauskommt, kann euch nicht viel passieren, die Zeugnisse sind schon geschrieben.« Nachdem eine Handvoll Schüler unter tosendem Jubel der Demonstranten aus dem Gebäude stürmte, wurde der Hof vom Hausmeister der Schule verschlossen. »Skandalös«, wie die Demonstranten fanden. »Wir wussten nichts von diesem Streik. Im Grunde haben wir ja auch nichts dagegen, aber wir haben eben eine Aufsichtspflicht zu erfüllen«, erklärte ein Lehrer der Schule. »Dass die Schule nichts davon gewusst hat, stimmt so nicht, wir haben die Schulleitung informiert«, erwiderte Kreisverbindungslehrer Sascha Abel. An der Henry-Benrath-Schule, an der er unterrichte, habe es eigens Versammlungen gegeben, um die Schüler über die Demo und mögliche Folgen einer Teilnahme zu informieren. »Die Zeugnisse sind geschrieben, schlimmstenfalls erhalten die Schüler eine unentschuldigte Fehlstunde und für diese Stunde die Note ›Ungenügend‹.«

Die Tür der Schule wurde nach hitzigen Diskussionen wieder aufgeschlossen, aber niemand wusste so recht, wie er sich verhalten sollte. »Wir würden ja gerne mitdemonstrieren, aber die Lehrer gucken so streng«, erklärten die Schülerinnen Maria und Mona. Also gingen die beiden 14-Jährigen wieder in das Schulgebäude. So zog der Tross ohne die Adolf-Reichwein-Schüler weiter. Nachdem die Demonstranten noch die FH und die Johann-Philipp-Reis Schule besucht hatten, ging es weiter zur Henry-Benrath-Schule und am Ende auf die Seewiese, wo sich die Gruppe gegen 13.30 Uhr nach einer Abschlusskundgebung auflöste.

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