28. April 2010, 18:22 Uhr

Kein Soundgarden-Festival in diesem Jahr

Friedberg (ütz). Das Soundgarden-Festival wird es in diesem Jahr nicht geben. »Wir haben uns zusammengesetzt und beschlossen, es unter den gegebenen Umständen ausfallen zu lassen«, sagt der Vorsitzende des Stadtjugendrings (SJR), Johannes Stamm. Stamm betont allerdings, dass dies »nicht der Tod des Festivals« sei.
28. April 2010, 18:22 Uhr
Der Soundgarden vor einem Jahr: Das Wetter war durchwachsen und der Besuch nicht ausreichend, um die Kosten zu decken. In diesem Jahr wird daher ausgesetzt. (Foto: WZ-Archiv)
Es solle künftig weiterhin veranstaltet werden, aber unter anderen Vorzeichen. Das Aus war auch Thema der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales, Senioren, Sport und Kultur am Dienstagabend. Stamm hatte im Beisein seiner Stellvertreterin Anna Tennbusch den Ersten Stadtrat und Jugenddezernenten Peter Ziebarth und Stadtjugendpfleger Jürgen Umsonst am Montag im Rathaus über die Entscheidung informiert.

Der Umstände sind es viele, die Stamm auflistet und die den SJR und seine Soundgarden AG dazu bewogen, den Soundgarden in diesem Jahr aus dem Veranstaltungskalender zu streichen. Da wurden vom Stadtparlament zum Beispiel im Zuge der Einsparungen im Haushalt 2010 die Mittel für die Ausfallbürgschaft von 10 000 auf 5000 Euro halbiert. »Das Geld«, so Stamm, »ist zwar nicht in unserer Kalkulation enthalten; es spielt aber eine Rolle bei der Berücksichtigung des finanziellen Risikos.« Dazu kam eine 20-prozentige Kürzung des Zuschusses der Stadt an den SJR. Und der Magistrat habe verlangt, berichtet Stamm, dass der SJR seine Kalkulation auf »realitätsnahen Zuschauerzahlen« aufbaut.

Kamen vor zwei Jahren - bei Sommerwetter und außerhalb der Ferien - noch rund 2000 Besucher, so waren es in 2009 in den Ferien und bei Schlechtwetter nur rund 1100. Dementsprechend niedriger war auch der Umsatz beim Getränkeverkauf. »Das sind beträchtliche Einnahmen, die wegfallen«, so Stamm. Und diesmal wäre der Soundgarden erneut in die Ferien gefallen, was den SJR befürchten lässt, dass wieder zu wenig Besucher kommen, weil viele von der Zielgruppe - jüngeres Publikum - verreist sind.

Aber auch die Ausgaben würden steigen. So verlange der Zirkus Renz eine um fast 25 Prozent höhere Zeltmiete, und dazu kämen neue Auflagen für den Brandschutz, die ebenfalls ins Geld gehen. So müsse die Stadt ein vom Wetteraukreis vorgegebenes Sicherheitskonzept für alle Veranstaltungen auf der Seewiese umsetzen, und dazu gehöre, dass von den Veranstaltern Löschmittel - sprich Feuerlöscher und Löschmitteldecken - angemietet werden müssen. Stamm: »Die hat sonst immer die Feuerwehr mitgebracht und dann wieder mitgenommen.« Wie hoch die Miete für die Löschmittel sei, habe man dem SJR auch auf der Stadt nicht sagen können.

Angesichts dieser Umstände treibt den SJR die Sorge um, dass er Bands, die nötig wären, um ein größeres Publikum anzulocken, nicht bezahlen kann - und als Folge davon automatisch weniger Besucher kommen. »Das ist eine Zwickmühle«, beschreibt Stadtrat Ziebarth die diesjährige Situation, und er findet es »sehr schade, dass das Festival ausfällt«. Allerdings respektiere er die Entscheidung des SJR und hoffe, »dass es im nächsten Jahr wieder weitergeht«.

Das soll es auch, sagt Stamm, aber nicht so wie bisher. So werde man auf keinen Fall wieder ins Zirkuszelt auf der Seewiese zurückkehren. Stamm: »Der Soundgarden war schon immer ein Open-Air-Festival, und wir möchten kein Zelt mehr.« Der SJR werde das »Krisenjahr 2010« nutzen, um das Konzept zu überdenken. Dabei schwebt den Soundgarden-Machern ein zweitägiges Festival außerhalb der Ferien mit Möglichkeiten zum Campen vor. Man sei schon auf der Suche nach größeren freien Grasflächen - auch außerhalb Friedbergs - und werde sich mit Bauern in Verbindung setzen. Was die Infrastruktur anbelangt, sieht Stamm keine Probleme. Es gebe Stromgeneratoren und mobile Toilettenwagen; in anderen Städten fänden solche Festivals auch auf Wiesen statt.

Der Soundgarden wurde erstmals im Jahr 2000 im Burggarten als direkter Nachfolger des Burgfests verstaltet, das seine 25. Auflage nicht mehr erlebte. Auf der Seewiese fand er erstmals im Jahr 2006 statt, nachdem feststand, dass der Burggarten nicht mehr dafür genutzt werden kann.



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