11. Januar 2010, 18:16 Uhr

Die Seewiese wird zum Wintersportparadies

Friedberg (ini). Vor dem Vergnügen stand die Arbeit. Dank Tief »Daisy« war die Eisfläche auf der Seewiese tief verschneit und die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die sonst für spiegelnden Glanz auf dem Eis sorgen, waren mit dem Räumen von Straßen und Gehwegen beschäftigt.
11. Januar 2010, 18:16 Uhr
Im Beisein des Ersten Stadtrats Peter Ziebarth (3. v. l.) hisst Skiclub-Vorsitzender Dirk Pfannmüller die Vereinsfahne.

Friedberg (ini). Vor dem Vergnügen stand die Arbeit. Dank Tief »Daisy« war die Eisfläche auf der Seewiese tief verschneit und die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die sonst für spiegelnden Glanz auf dem Eis sorgen, waren mit dem Räumen von Straßen und Gehwegen beschäftigt. Also griffen die Mitglieder des Friedberger Skiclubs zur Selbsthilfe und schoben mit großen Schiebern die weiße Pracht an den Rand. Seit Samstag ist die Eisfläche auf der Seewiese für den Spaß auf den Kufen freigegeben. Im Beisein des Ersten Stadtrats Peter Ziebarth hisste Skiclub-Vorsitzender Dirk Pfannmüller die Flagge; weht sie über der Seewiese, ist das Skiclubheim besetzt und man kann sich mit Glühwein aufwärmen.

Es handelt sich um die deutschlandweit größte Natureisfläche, die von einer Stadt zusammen mit einem Verein betrieben wird, wusste Eiswart Dieter Keller zu berichten. Das muss sich erst noch rumsprechen. Am Samstag zogen noch nicht allzu viele Schlittschuhläufer ihre Bahnen, am Sonntag waren es ein paar mehr. Eishockeyspieler hatten sich ein Spielfeld freigeräumt und droschen auf den Puck ein, der Vorstand des Skiclubs zeigte, dass er auch auf rutschigem Eis harmoniert, Ortsvorsteher Norbert Sinner überzeugte sich ohne Schlittschuhe von der Gleitfähigkeit und Erster Stadtrat Ziebarth sowie der CDU-Vorsitzende Olaf Beisel halfen beim Schneeräumen. »Es ist nicht wie im Eisstadion. Das Eis ist schnell abgenutzt. Aber es ist kostenlos«, freute sich die 16-jährige Gina Meininger, die mit ihren Freundinnen Luzia Schoser und Laura Pfannmüller die Eisqualität testete.

Eislaufen auf der Seewiese hat eine lange Tradition. Generationen von Friedbergern hatten hier ihr Wintervergnügen. »Ich bin schon als Kind hier gelaufen. Ich kam oft nach der Schule direkt mit den Klassenkameraden hierher«, berichtete Dieter Keller, der seit gut zwölf Jahren als Eiswart des Skiclubs auf dem Eis nach dem Rechten sieht. »Nach dem Krieg war das hier ein richtiger Jugendtreff. Es gab ja auch wenig Sporthallen«, erzählte der 74-Jährige und erinnerte sich an manchen Hausarrest, wenn das Eis noch nicht trug und die Kleider nass geworden waren.

Außer nassen Füßen kann auch heute nicht viel passieren. Die Wasserfläche von mehr als einem Hektar ist 30 Zentimeter tief. Schlittschuhlaufen ist ab einer Eisdicke von zwölf bis fünfzehn Zentimeter möglich. Keller: »Wenn zwei oder drei Personen nebeneinander stehen können, ist das Eis okay.«

Per Vertrag ist der Skiclub verpflichtet, den Eislauf sicherzustellen. Im Spätherbst wird die Fläche von der Stadt geflutet. Dann heißt es abwarten. »Es gab schon Winter, da gab es überhaupt kein Eis«, so Keller. Vergangenes Jahr war ein gutes Jahr. Drei Wochen Eis am Stück. Pfannmüller erinnerte sich an den Winter vor einigen Jahren, als nach einem Brand das Clubheim neu aufgebaut wurde. »Zehn Tage Eis bei strahlendem Sonnenschein. Und wir konnten nichts machen, weil wir am Bauen waren.«

Nach Tauwetter wird Eis wellig

Sonnenschein ist im Übrigen nicht der Feind des Eises. Vielmehr Tauwetter mit Regen oder Schnee. »Wenn es dann wieder friert, ist das Eis nicht mehr zu gebrauchen. Die Eisfläche wird wellig und uneben«, sagte Keller. Den Erste-Hilfe-Kasten musste der Eiswart bisher noch nicht benutzen. »Es ist mal einer eingebrochen oder auf die Nase gefallen, aber etwas Schlimmes ist bisher noch nicht passiert.«

Im Clubheim bereiteten Kerstin Achard und Martina Pfannmüller den Glühwein zu. Dabei wurden auch Erinnerungen an früher ausgetauscht. »Der Herbert Becker ist immer gesurft, wenn das Wasser eingelassen wurde«, lachte Achard. Tee, Glühwein und Kinderpunsch sowie Würstchen werden im Clubheim immer dann angeboten, wenn die Fahne gehisst ist. Die flatterte am Samstag erstmals im Wind, denn der Fahnenmast wurde erst kürzlich aufgestellt. Da im vergangenen Jahr viele Schlittschuhläufer nicht auf das Angebot des Skiclubs aufmerksam wurden, soll nun die Fahne die Möglichkeit zur Bewirtung sichtbar machen.

Das Clubheim des Skiclubs ist werktags von 15 bis 17 Uhr, an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Bei Bedarf, beispielsweise wenn Schulklassen die Eisfläche nutzen wollen, ist Dieter Keller (Tel. 01 71/4 94 73 72) auch zu anderen Zeiten dort. Das Benutzen der Eisfläche ist kostenlos. Einen Schlittschuhverleih gibt es nicht.



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