15. September 2009, 19:30 Uhr

»Die Leute hier haben Sinn für kleine Gesten«

Friedberg (ini). »Es ist schön gesagt zu bekommen: ›Wir freuen uns, dass Sie hier sind.‹« Stefan Wanske, seit 1. September neuer katholischer Pfarrer der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, ist immer noch erstaunt, aber auch hocherfreut über die »enorm herzliche Aufnahme« in der Gemeinde. »Die Leute hier haben Sinn für kleine Gesten«, erinnert sich der 35-Jährige an die Begrüßung mit Lied, Willkommenstransparent und Apfelkuchen durch die Kindergartenkinder gleich am ersten Tag, an die entspannte Atmosphäre im Pfarrbüro, die vielen Helfer bei der Renovierung des Pfarrhauses. Selbstverständlich sei das nicht, weiß der Pfarrer aus seiner Tätigkeit als Kaplan in anderen Gemeinden.
15. September 2009, 19:30 Uhr
Pfarrer Stefan Wanske in der Marienkirche. (Foto: Martini)

Friedberg (ini). »Es ist schön gesagt zu bekommen: ›Wir freuen uns, dass Sie hier sind.‹« Stefan Wanske, seit 1. September neuer katholischer Pfarrer der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, ist immer noch erstaunt, aber auch hocherfreut über die »enorm herzliche Aufnahme« in der Gemeinde. »Die Leute hier haben Sinn für kleine Gesten«, erinnert sich der 35-Jährige an die Begrüßung mit Lied, Willkommenstransparent und Apfelkuchen durch die Kindergartenkinder gleich am ersten Tag, an die entspannte Atmosphäre im Pfarrbüro, die vielen Helfer bei der Renovierung des Pfarrhauses. Selbstverständlich sei das nicht, weiß der Pfarrer aus seiner Tätigkeit als Kaplan in anderen Gemeinden.

Aus den Worten ist auch Erleichterung herauszuhören, schließlich ist Friedberg die erste Pfarrstelle des gebürtigen Bonners, der in Buseck aufwuchs. Das Priesteramt ist für Wanske Berufung, auch wenn er zugibt, zu Beginn des Theologiestudiums überhaupt noch nicht gewusst zu haben, ob es tatsächlich das Richtige sei oder er der Richtige für dieses Amt. »Ich musste es einfach versuchen«, lautet die schlichte Antwort auf die Frage, warum er sich für das Priesteramt entschieden hat. Alternativen gab es auch: Hätte sich das Theologiestudium nicht als die richtige Wahl herausgestellt, wäre Wanske heute Lehrer für alte Sprachen oder Hauptschullehrer.

In seiner Heimatgemeinde war Wanske stark in die Gemeinde eingebunden, war Messdiener und Gruppenleiter, arbeitete in der Bücherei und bei der Pfarrfastnacht - die Schwarze 7 dürfte das freuen - mit. 1994, direkt nach dem Abitur, trat Wanske in das Priesterseminar in Mainz ein, studierte in der Domstadt und in Wien. Nach der Weihe zum Diakon 2000 war er in der Pfarrei St. Stephan in Mainz-Gonsenheim tätig, blieb dort für weitere zwei Jahre als Kaplan nach seiner Priesterweihe 2001. Dann folgte ein Wechsel in die Pfarrgruppe Nierstein-Oppenheim.

Nach dem Pfarrexamen 2005 hätte Wanske seine erste Pfarrstelle übernehmen können, doch es kam anders. »Zu meiner großen Überraschung wurde ich gefragt, ob ich Bischöflicher Sekretär werden wollte«, berichtet Wanske. In den folgenden dreieinhalb Jahren begleitete der Pfarrer Karl Kardinal Lehmann zu Gemeindebesuchen und in Fernsehstudios, lernte Prominente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien kennen.

Als Bischofssekretär war Wanske für die Korrespondenz mit Gemeinden und Priestern sowie die Vorbereitung von Gottesdiensten, denen der Kardinal vorstand, verantwortlich. »Es war eine unglaubliche Erweiterung des Horizonts«, blickt Wanske dankbar auf diese Zeit zurück.

Kardinal Lehmann war ein geschätzter und gesuchter Gesprächspartner. Sein Wirken ging weit über das Bistum hinaus, sei trotzdem für die einzelnen Gemeinden und Menschen wichtig. »Alle Anstrengungen des Kardinals sind kein Selbstzweck. Er trägt das, was zu sagen und zu verkündigen ist, in eine breite Öffentlichkeit«, berichtet der Insider darüber, dass durch die öffentlichen Auftritte die Positionen der katholischen Kirche gehört werden.

Auch der Perspektivenwechsel habe gut getan. »Überall arbeiten Menschen«, hat Wanske festgestellt. Der übergroße Respekt vor Authoritäten sei während seiner Zeit beim Bistum sicher zurückgegangen. »Und ein bisschen Takt, Umsicht und Diplomatie schadet keinem Gemeindepfarrer.« Diese Eigenschaften habe er sich von Kardinal Lehmann abgeschaut.

Dass die Zeit in Mainz nun vorbei ist, bedauert Wanske allerdings nicht. »Ich musste viele Dinge, die ich gerne tue, wie liturgischen Feiern vorstehen, Predigt und Katechese, Religionsunterricht und Jugendarbeit, hintanstellen. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass mein Beruf die Pfarrseelsorge ist«, so der Pfarrer. Auch gebe es in einer Pfarrei mehr Spielraum zur Gestaltung.

Mittlerweile ist schon ein gutes Stück Alltag eingezogen. Auch wenn Wanske bis zum Ende der Renovierungsarbeiten im Pfarrhaus noch im Gästezimmer aus dem Koffer lebt, waren schon die ersten Beerdigungen, die regulären Gottesdienste und auch schon Nachfragen nach persönlichen Gesprächen zu verzeichnen. Noch ist alles auch ein wenig verwirrend, fremd. »Lernen«, lautet darum die Antwort auf die Frage nach Prioritäten. In der Orientierungsphase will Wanske die Gemeinde kennenlernen, stellt sich allen Gruppen vor. Begeistert ist der neue Pfarrer schon jetzt über das große Engagement der Mitarbeiter und der Ehrenamtlichen.



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