02. Juli 2009, 19:14 Uhr

B 3-Marathon kurz vor dem Zieleinlauf

Friedberg (hau/jw). Kaum zu glauben, aber wahr: Nach einem rekordverdächtigen Planungsmarathon von einem guten halben Jahrhundert (und nachdem am Sonntag dann auch die Ironman-Veranstaltung über die Bühne gegangen ist) wird die B 3-Umgehungsstraße am Montag eröffnet. Die feierliche Verkehrsfreigabe beginnt um 11 Uhr am südlichen Ende der neuen Straße, wo die Bundesstraße von Wöllstadt kommend nach Friedberg abzweigt.
02. Juli 2009, 19:14 Uhr
Die B 3a endet bisher in Höhe des Bad Nauheimer Feuerwehrstützpunkts, wo Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Butzbach kommen, nach rechts in die Schwalheimer Straße abbiegen müssen (Bildmitte), um über die Kurstadt nach Friedberg zu gelangen. Ab Montag kann weiter geradeaus gefahren werden. Die Aufnahme aus einer Höhe von 30 Metern ermöglichte die Bad Nauheimer Feuerwehr, die gerade die Drehleiter testete, als die WZ-Fotografin vorbeischaute. (Foto: hau)

Friedberg (hau/jw). Kaum zu glauben, aber wahr: Nach einem rekordverdächtigen Planungsmarathon von einem guten halben Jahrhundert (und nachdem am Sonntag dann auch die Ironman-Veranstaltung über die Bühne gegangen ist) wird die B 3-Umgehungsstraße am Montag eröffnet. Die feierliche Verkehrsfreigabe beginnt um 11 Uhr am südlichen Ende der neuen Straße, wo die Bundesstraße von Wöllstadt kommend nach Friedberg abzweigt. Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch und Achim Großmann, Staatssekratär im Bundesverkehrsministerium, werden erwartet, Ansprache halten ferner Burkhard Vieth, stellvertretender Präsident des Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen, sowie Landrat Joachim Arnold und Bürgermeister Michael Keller. Viele weitere Politiker werden anwesend sein, aber auch die Bevölkerung ist eingeladen. Nachdem das Band durchschnitten ist, setzt sich ein Autokorso über die neue B 3 in Bewegung. Anschließend wird auf dem Parkplatz des Burgfeldes unterhalb des Adolfsturms gefeiert - mit Erbsensuppe, archäologischen Funden und Fotos vom Bauverlauf.

 

Wer an der Eröffnungsfeier teilnehmen möchte, sollte mit dem Auto kommen und kann sich dann dem Korso anschließen, der in nördlicher Richtung bis zur Abfahrt in Höhe des Bad Nauheimer Feuerwehrstützpunktes fährt. Von dort geht’s über Schwalheimer Straße und K 13 zum Burgfeld, wo ein Zelt aufgebaut wird. »Die Bevölkerung ist eingeladen«, betont Erwin Koch vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV). Neben Erbsen- und Gulaschsuppe gibt’s Getränke und jede Menge Informationen über den Straßenbau. Pläne werden gezeigt, Fotos illustrieren den Baufortschritt, die Kreisarchäologie zeigt archäologische Funde, die während der Bauarbeiten gemacht wurden, der Butzbacher Ökologe Matthias Gall zeigt Fotos von der Umsiedlung der Feldhamster, und die in der WZ veröffentlichten Luftbildaufnahmen von Ernst Stadtler erlauben einen Blick aus der Vogelperspektive auf die B 3-Trasse und die Brückenbauwerke.

Erleichterung im Wetterauer »Bermudadreieck«

Feierstimmung ist am Montag angesagt, für die meisten jedenfalls, und eine kleine Zeitreise durch einen Langlauf, der Generationen von Befürwortern und Gegnern jede Menge Schweiß und Nerven gekostet hat. Nach dreieinhalb Jahren Buddeln und Baggern lässt der vorläufige Zieleinlauf jetzt auf spürbare Erleichterung für Friedberg im »Bermudadreieck« von B 3, B 455 und B 275 hoffen - und, frei nach dem Motto »Ende gut, alles gut«, auf positive Energien und Endorphine für die anstehende Ertüchtigung der Kaiserstraße zur verkehrsberuhigten Flaniermeile. Um beim sportlichen Bild des Ironman zu bleiben: Auf dem Weg des langen Atems von den ersten Skizzen einer Ortsumfahrung aus dem Jahr 1952 bis heute hat es so manche Durststrecke und so manchen Gegenwind gegeben, aber auch Spurts und Einlenkungsmanöver. Bürokratische Hürden, Steilanstiege, Gefällestrecken und Richtungswechsel galt es zu meistern, demokratische Prinzipien zu wahren und den ebenso klaren wie flexiblen Blick fürs Wünschenswerte und Machbare - damit am Ende niemand auf der Strecke bleibt und alle mit dem Ergebnis in möglichst großer Zufriedenheit leben können.

Das gilt nicht nur für Feldhamster, Eisvögel und Linden, für deren Belange sich zahlreiche Menschen stark machten, sondern vor allem für die Menschen selbst, die in der Region leben und arbeiten. Kein Wunder also, dass die Bandbreite der Vorstellungen immens war, wo - wenn überhaupt - eine Ortsumfahrung von Friedberg und Ockstadt entlangführen soll. Verschiedene Varianten im Westen der Stadt, im Osten und in der Mitte bis hin zur Untertunnelung der Kaiserstraße standen zur (teils heftigen) Debatte, zumal auch Bund und Land ein Wörtchen bei Genehmigung und Finanzierung mitzureden hatten.

Achterbahnfahrt durch die Institutionen

Nicht weniger als sechs Pro- und Contra-Bürgerinitiativen legten sich allein seit Mitte der 90er Jahre für ihre Überzeugungen rund um Trassierung, Mutter Natur oder Broterwerb in Stadt und Land ins Zeug. Mit den amerikanischen Streitkräften wurde über Jahre wegen des Landeplatzes verhandelt, und man legte Irritationen zwischen den Nachbarstädten Friedberg und Bad Nauheim bei, wo man längst in die B 3-Pötte gekommen war. Das Planfeststellungsverfahren von 1972 sollte nur das erste einer ganzen Reihe von konkreten Anläufen und ebenso vielen Umwürfen, Bedenken und Hiobsbotschaften aus der Bundeshauptstadt sein. Ein kleines Beispiel für die Achterbahnfahrt: Im März 1998 bescheinigt das Amt für Straßen- und Verkehrswesen, dass die Westtrasse die beste Lösung sei, um das Verkehrsaufkommen auf der Kaiserstraße und in Ockstadt zu halbieren. Im November 1999, nach dem Regierungswechsel in Berlin, war die B 3 nicht mehr im Investitionsprogramm vorgesehen. Ein Jahr später stellt der Bund 30 Millionen Mark zur Verfügung. Nach weiterem Stillstand durch das Veto von Naturschützern und einer Gegenbewegung aus der regionalen Wirtschaft heißt es Ende 2003 von übergeordneter Stelle, die B 3 gehöre zum vordringlichen Bedarf und das Geld stehe zur Verfügung. Anfang 2004 erscheint sie auf der Streichliste des Bundes, derweil die Grünen eine Klage vorbereiten. Im Oktober 2004 hält der Verkehrsminister die B 3 wieder für »sinnvoll und nötig«. Ihrem Bau stehe nichts mehr im Wege, wenn denn der Bundeshaushalt bis zum Jahresende verabschiedet sei und das Land Baurecht erteilt habe.

17 Jahre nach Eröffnung des zweiten Planfeststellungsverfahrens wird am 8. Juni 2005 feierlich das besiegelnde Dokument des Darmstädter Regierungspräsidiums unterzeichnet. Im August gibt es noch eine Radler-Demo gegen die Straße, kurz darauf besichtigt Minister Stolpe die vom Verkehr geknebelte Stadt und verspricht den baldigen Baubeginn. Trotz ihrer Zweifel am Entlastungspotenzial reichen die Umweltschützer keine Klage gegen die B 3-Planung ein. Am 3. Februar 2006 folgte der erste Spatenstich mit der Aussicht auf gut vier Jahre Bauzeit und 28,4 Millionen Euro Kosten.



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