07. Mai 2008, 10:20 Uhr

Begegnung mit einer selten gewordenen Tierart

Friedberg-Dorheim (pm). Jugendliche der Dorheimer Naturschutzgruppe besuchten unlängst mit ihrer Betreuerin Julia Blatt, Vorsitzendem Gerd Bauschmann und den Vorstandsmitgliedern Dr. Stefan Nawrath und Dr. Klaus-Dieter Rack den Wildpark Alte Fasanerie im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim.
07. Mai 2008, 10:20 Uhr
Die Kinder im Wildpark

Das 107 Hektar umfassende Wildgehege wurde in der Regierungszeit des Mainzer Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegt und wird heute von Hessen-Forst unterhalten.

90 Prozent der Fläche sind überwiegend mit Kiefern, zum geringeren Teil mit Laubbäumen bewaldet, das restliche Areal besteht aus Wiesen und Sumpfflächen. Das weitläufige Gelände ist von 15 Kilometern Wanderwegen durchzogen. Es herrschen ideale Lebensbedingungen für rund 40 mittel- und nordeuropäische Tierarten vor, darunter Schafe, Ziegen, Hirsche oder auch Luchse und Elche, die alle in großzügigen Gehegen mit reichlich Rückzugszonen untergebracht sind. In zahlreichen Vogelvolieren finden sich zudem Gold- und Silberfasane, Uhus oder Schnee-Eulen. Im Jahr 2006 kam dann noch ein Gehege für Polarwölfe hinzu.

Der Wildpark beherbergt seit kurzem einen Jungtier-Star, nämlich »Emma«, das erste Auerochsen-Kälbchen, das seit fast 20 Jahren im Klein-Auheimer Tierpark das Licht der Welt erblickte. Das Muttertier kam erst im letzten Jahr aus dem Ebsdorfergrund in das Wildgehege und kümmert sich mit Artgenossen bestens um den Nachwuchs.

Jedoch macht man sich im Tierpark weiterhin ernste Sorgen um den Fortbestand der vier verbliebenen Wisente. Von einstmals 16 Exemplaren dieser größten und schwersten Wildrindart verendeten im letzten Jahr zwölf an der durch Stechmücken übertragenen Blauzungenkrankheit. Bislang standen Tierärzte und Pfleger dem zumeist tödlichen Verlauf dieser bis zum letzten Jahr in unseren Breiten kaum bekannten Krankheit machtlos gegenüber. Erst ab Mitte Mai soll ein neues Impfserum auf den Markt kommen. Auch in Klein-Auheim hofft man, dass die Impfungen in einem eigens hergerichteten Stall noch rechtzeitig vor der sommerlichen Wärme durchgeführt werden können, um eine weitere dramatische Dezimierung des Bestandes zu verhindern.

Die hünenhaften Wisente, das europäische Pendant des amerikanischen Bisons, wurden durch Abschuss bereits vor rund 250 Jahren in Deutschland ausgerottet. Einzig im östlichen Europa überlebten freilaufende Herden. Aus einem Dutzend Tieren gelang es Tiergärten und Wildparks im 20. Jahrhundert schließlich wieder Bestände von rund 3500 Tieren aufzubauen, die je zur Hälfte in Wildgehegen und in Freiheit leben. Wegen seiner erneut extremen Bestandsbedrohung wurde das Wisent von der in Bonn ansässigen Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum »Wildtier des Jahres 2008« ausgerufen.

Die Jugendlichen der Dorheimer Naturschutzgruppe erlebten einen lehrreichen Besuch und hörten den Erläuterungen der Vorstandsmitglieder interessiert zu. Am Ausgang bot sich dann noch Gelegenheit, das Forstmuseum aufzusuchen, in dem viele Informationen zur früheren und zur modernen Waldbewirtschaftung vermittelt wurden.



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