28. Juni 2016, 18:53 Uhr

»Ich bin total geschockt«

Wetteraukreis (jw).Vielen Briten in den Wetterauer Partnerstädten bereitet der Brexit Bauchschmerzen. Die Vereine in Friedberg, Bad Nauheim und Bad Vilbel machen weiter, wollen sich nicht von ihrem Weg der Völkerverständigung abbringen lassen.
28. Juni 2016, 18:53 Uhr
Das Verhältnis zwischen Großbritannien und dem Rest von Europa ist in leichte Schieflage geraten. Die Partnerschaftsvereine lassen sich davon aber nicht beirren. (Foto: nic)

Der Friedberger Europaclub lässt sich nicht vom Brexit beirren. Wie geplant, findet das nächste Treffen der Partnerstädte an Pfingsten 2017 in England statt. »Very british« geht’s auch beim Open-Air-Kino im Rathauspark zu. Wie Stadtrat Dirk Antwokiak (CDU) sagt, werden am 8. und 9. Juli zwei englische Filme gezeigt: Freitags der neue James Bond »Spectre« und samstags »A Royal Night Out – Ein königliches Vergnügen«. Den Briten selbst ist der Humor vergangen. Ein so knappes Ergebnis (51,9 zu 48,1 Prozent) dürfe nicht ausreichen, um den Status Quo zu ändern, meint David Smith.

»Unser Land ist geteilt, das Risiko weiterer negativer Auswirkungen droht.« Damit meint der Ex-Bürgermeister von Bishop’s Stortford Nordirland und Schottland, die mit großem Vorsprung für einen Verbleib in der EU stimmten. Die beiden Länder würden nun versuchen, unabhängig zu werden und in der EU zu bleiben. Smith: »Wir vertrauen darauf, dass die britische Entscheidung keinen Domino-Effekt in den anderen EU-Ländern auslöst. Wir müssen weiterhin unsere enge Zusammenarbeit zum Wohle aller aufrecht erhalten.« Die Bishop’s Stortford Town Twinning Association werde sich weiter für europäische Ideale stark machen.

Junge Briten gegen den Ausstieg

Der Stadtrat von Bishop’s Stortford hat die Partnerschaft mit Friedberg bekanntlich Ende 2011 gekündigt, was europaweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Vereine aber machen weiter, auch nach der Brexit-Entscheidung. »Brexit? Jetzt erst recht!« hat Bernd Stiller, Vorsitzender des Europa-Clubs, als Motto ausgegeben. Die Entscheidung habe man im Club »mit Bestürzung« aufgenommen: »Uns fehlte die ernsthafte Auseinandersetzung vor der Wahl, die gründliche Abwägung der Vor- und Nachteile. Zu emotional und irrational erscheinen uns die genannten Gründe.« Der Brexit brüskiere die Jugend, die ihre Zukunft in Europa sehe. »70 Prozent der jungen Briten haben sich gegen den Ausstieg entschieden«, sagt Stiller. Der Europa-Club werde aber nicht in Schockstarre verfallen. »Hier geht es um die Begegnung von Mensch zu Mensch. Kennen heißt Verstehen, Verstehen heißt Vertrauen, Vertrauen verhindert Kriege. Darum brauchen wir persönliche Begegnungen, wie sie der Europa-Club ermöglicht.«

Jochen Wilbert vom Partnerschaftsverein Bad Vilbel sieht das genauso. »Der Brexit ist eine politische Entscheidung. Das ist bedauerlich, aber die Partnerschaft geht weiter.« Vom 18. bis 22. August werden 20 Glossoper in Bad Vilbel erwartet. »Von denen jubelt sicher keiner«, sagt Wilbert. »Vielleicht werden mit dem Brexit neue Aufgaben auf die Partnerschaftsvereine zukommen.«

Terry Chaplin, Schatzmeister des Partnerschaftsvereins in Glossop, wird auf dessen Homepage mit den Worten zitiert: Ich bin total geschockt und kann nicht glauben, dass wir uns für den Austritt entschieden haben. »Alle meine Freunde haben für den Verbleib gestimmt.«

»Die Freunde aus Buxton sind entsetzt«, schildert Wolfgang Mahr vom Bad Nauheimer Partnerschaftsverein. Schließlich laute die zentrale Losung der Partnerschaft »Identifikation mit Europa«. Mahr: »Unser Freunde verstehen ihre Leute nicht mehr. Diejenigen, die für den Brexit gestimmt haben, sind sich mittlerweile offenbar bewusst, was sie angerichtet haben. Die dachten: ›Wir setzen ein Zeichen, wir machen nur ein bisschen Wirbel, und das legt sich dann wieder. »« Großbritannien sei noch nicht raus aus der EU, sagt Mahr. »Abwarten, ob das Parlament zustimmt.« An der Freundschaft zu den Menschen in Buxton ändere sich nichts.

Das betont auch Bürgermeister Armin Häuser. »Die Städtepartnerschaften entstanden auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs. Einige denken, Aussöhnung sei nicht mehr so wichtig. Der Brexit zeigt uns, dass wir die Partnerschaften sogar noch intensivieren müssen.«

Knappe Ergebnisse

Das Ergebnis war knapp. 51,9 Prozent der Wähler in Großbritannien haben für den Austritt aus der EU gestimmt, 48,1 Prozent dagegen. In den drei englischen Partnerstädten von Friedberg, Bad Nauheim und Bad Vilbel gab es beim EU-Referendum ganz ähnliche Zahlen. Im High Peak-Distrikt, wozu Glossop (Partner von Bad Vilbel) zählt, stimmten 50,55 Prozent für den Brexit. Buxton (Partnerstadt von Bad Nauheim), liegt im Derbyshire Dales, hier votierten 51,6 Prozent für den Brexit. Am knappsten war Ergebnis in der Grafschaft Hertfordshire, wozu Bishop’s Strotford (Friedberger Partner) zählt. Für »Leave« (Verlassen) stimmten hier 50,4 Prozent der Wahlbeteiligten.

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