27. April 2016, 19:23 Uhr

Traum des jungen Druckers

Friedberg (har/lod). Viele Flüchtlinge möchten gerne in Deutschland arbeiten, am liebsten in dem Beruf, den sie in ihrer Heimat ausgeübt haben. Doch selbst nach einem positiven Asylbescheid gelingt dies zunächst nur wenigen. Kareem Al Hannoun ist auf dem richtigen Weg.
27. April 2016, 19:23 Uhr
Kareem Al Hannoun (l.) und Daniel Widera sind ein eingespieltes Team. (Foto: lod)

Sechs Jahre hat Kareem Al Hannoun in der Druckerei der Universität Damaskus gearbeitet. Dann entschloss er sich Anfang vergangenen Jahres, zusammen mit seinem Bruder Camil aus Syrien zu fliehen. Zwei Monate waren die beiden über die Balkanroute unterwegs bis sie am 21. April 2015 Deutschland erreichten.

Inzwischen hat der 33-Jährige eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, wohnt mit seinem Bruder in einer kleinen Wohnung in der Fauerbacher Hauptstraße. Was für ihn das Wichtigste ist: Er arbeitet neun Stunden pro Woche als Drucker in der Wetterauer Druckerei von Andreas Kugland.

Die evangelische Pfarrerin Susanne Domnick, mit der Al Hannoun bei einem Besuch syrischer Freunde ins Gespräch kam, hatte bei Kugland nachgefragt, ob er noch einen Drucker benötige. »Eigentlich habe ich keine zusätzliche Kraft gesucht, aber ich helfe, wo ich kann und tue das gerne«, sagt Kugland, der sich nach der Anfrage Domnicks an den Arbeitgeberservice des Jobcenters gewandt hatte. Sachbearbeiter Hans-Jürgen Staufenbiel, der in seinem Bereich derzeit gut 30 Flüchtlinge betreut, war über Kuglands Initiative hocherfreut: »Er war der erste Arbeitgeber, der sich bei mir gemeldet hat und einen Flüchtling beschäftigen wollte.«

»Dann wären viele Probleme gelöst«

Dass Al Hannoun derzeit nur als Mini-Jobber für den Mindestlohn von 8,50 Euro arbeitet, hat einen ganz einfachen Grund: Er besucht fünfmal in der Woche einen Deutschkurs, der noch bis Juni läuft – und er macht große Fortschritte. »Er überrascht uns immer wieder aufs Neue«, sagt Kugland, und Al Hannoun zeigt sich im Gespräch in der Druckerei ebenfalls erfreut: »Das hier ist wirklich Integration«, sagt der junge Syrer und fügt hinzu: »Mein Chef hier ist sehr, sehr lieb.«

Gerade lernt Al Hannoun die Bedienung der großen Druckmaschine, die in Farbe produziert. Das ist für den jungen Mann Neuland, druckte er in Damaskus doch nur in Schwarz-Weiß. »Die Maschine stammte aus Deutschland«, erzählt er. Druckerei-Mitarbeiter Daniel Widera weist den jungen Mann in die Technik ein.

Der 28-jährige Reichelsheimer ist von seinem neuen Kollegen begeistert: »Er versteht und lernt unglaublich schnell.« Al Hannoun ergänzt: »Ich bin immer sehr neugierig.« Seine Deutschprüfung steht im Juni an, dann könnte es auch mit der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Druckerei klappen. Kugland will Al Hannoun fest einstellen, »wenn es irgendwie möglich ist«, kündigt der mittelständische Unternehmer an. Er hofft auf Nachahmer: »Würde jeder Unternehmer so handeln wie ich, wären viele Probleme gelöst.«

Für Al Hannoun wäre die Festeinstellung die Vollendung eines großen Traums. Was er mit dem Geld dann macht, weiß er schon: »Ich werde für eine Bürgschaft sparen, damit ich meine Eltern nachholen kann«. Sie leben noch in Damaskus, oft ohne Wasser und Strom. »Mein Vater kann nach einer Operation nicht mehr laufen, es geht ihm nicht gut«, erzählt Kareem, während er mit Daniel Widera am Leitstand der Druckmaschine den Andruck für einen neuen Prospekt zur 800-Jahr-Feier der Stadt überprüft.

Arbeitgeberservice

Der Arbeitgeberservice des Jobcenters berät grundsätzlich jeden Arbeitgeber, der eine oder mehrere offene Stellen besetzen möchte. Auf Wunsch übernehmen die Mitarbeiter des Arbeitgeberservices den gesamten Prozess der Personalrekrutierung. Dabei profitieren die Arbeitgeber vom bundesweiten Netzwerk des Jobcenters. Die Sachbearbeiter helfen den Arbeitgebern auch bei der Gestaltung der Stellenanzeigen und der gezielten Bewerberauswahl und beraten bei Förder- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Weitere Infos unter www.jobcenter-wetterau.de/eingliederung/arbeitgeber/vermittlung.html

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