02. März 2016, 18:33 Uhr

Besuch in der Kaserne: Weniger Flüchtlinge, weniger Druck

Friedberg (jw). »Momentan reichen die Kapazitäten aus«, sagt Sozialdezernent Helmut Betschel. Zusammen mit acht weiteren Grünen besuchte er am Montag das Flüchtlingsheim des Kreises in der Kaserne. Da die Flüchtlingszahlen zurückgehen, gibt es bereits jetzt Überlegungen, wie das für rund 1,5 Millionen Euro gekaufte und sanierte Haus einmal anderweitig genutzt werden könnte.
02. März 2016, 18:33 Uhr
»Beschränkter Zugang« (v. l.): Die Grünen Rainer Knak, Peter Hohmann mit Beagle »Moby«, Rudi Mewes und Helmut Betschel in der ehemaligen Waffenkammer der Kaserne. (Foto: jw)

Die Einfahrt wurde feuerwehrgerecht betoniert, dahinter sieht man Erdhaufen, wo Leitungen für Gas, Wasser, Strom und Telefon verlegt worden sind. Seit September lässt der Wetteraukreis das Haus 3639 der ehemaligen US-Kaserne sanieren. 120 Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsländern sollen dort Zuflucht erhalten, Ende März können die oberen Etagen bezogen werden. Am Montag informierten sich die Wetterauer Grünen über die Baufortschritte. Der in Frankfurt lebende deutsch-iranische Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour hatte sich angekündigt, dann aber kurzfristig abgesagt.

Erste Station des Rundgangs ist die Heizzentrale. Eine Gasheizung wurde eingebaut, was Thomas Zebunke von den Friedberger Grünen nicht gefällt. »Warum keine Holzpellets?«, fragt er. Thomas Lori vom Fachbereich Gebäudewirtschaft des Wetteraukreises sagt, man habe keine Experimente machen wollen. »Wir mussten schnell fertig werden.« »Holzpellets-Heizungen sind kein Experiment, das ist Standard«, erwidert Zebunke.

Ein drei Meter hoher Zaun grenzt das Haus vom übrigen Kasernengelände ab. Direkt dahinter befindet sich das Wachhäuschen der Kaserne, das permanent besetzt ist, auch nachts. So kann sich der Kreis Security-Personal sparen. Im Haus gibt es vier große Schulungsräume. Die Volkshochschule Wetterau wird hier Deutschkurse anbieten, »nicht nur für die hier lebenden Flüchtlinge«, wie Lori erläutert. In den Fluren hängen Rauchmelder und Kabel von der Decke, überall liegt Arbeitsmaterial, der Fußboden ist von weißem Staub bedeckt. Die Reinigungsarbeiten haben bereits begonnen, von oben nach unten wird das Flüchtlingsheim gesäubert. Zuvor ist noch einiges zu tun. Die Brandschutzauflagen müssen beachtet werden, in den Fluren wurden die Elektroverteilerkästen durch vorgebaute Türen gesichert.

In den nächsten Tagen werden die Betten angeliefert, hergestellt in der JVA Butzbach. In den rund 16 Quadratmeter großen Zimmern werden – wie schon in Zeiten der US-Armee – je drei Betten stehen, dazukommen Stühle und ein Tisch. Die Wandschränke der US-Soldaten werden genutzt. Pro Zimmer gibt es ein Bad mit Toilette, außerdem auf jedem Stockwerk zwei Küchen und zwei Waschmaschinenräume. Blickt man aus dem Fenster gen Süden, sieht man die Skyline von Frankfurt. Auf die Flüchtlinge warten Zimmer mit Aussicht.

Ohne Internet und Gebetsraum

Die Bauarbeiten wurden an heimische Firmen vergeben, sagt Lori. Am meisten zu tun ist noch im Erdgeschoss. Dort werden Büros für Verwaltung, Sozialarbeit und Hausmeister sowie Lagerräume eingerichtet. »2009 hatte der Wetteraukreis einen Hausmeister für alle seine Gebäude, heute sind es zwölf«, erzählt Betschel. Die Flüchtlingskrise als Jobmotor. Internetanschlüsse gibt es nicht im Haus, aber eine zentrale TV-Satelliten-Anlage. Lori: »Damit nicht jeder eine Schüssel aus dem Fenster hängt.« Einen Gebetsraum gibt es nicht. Betschel: »Das ist in Flüchtlingsheimen nicht üblich.« Außerdem könnte dies wie ein Internetanschluss zu Konflikten führen. Dann kommt das Gespräch auf die Flüchtlingszahlen. Gut möglich, dass das Haus früher als geplant für ganz andere Zwecke genutzt wird. »Wir können derzeit durchatmen«, sagt die Kreistagsfraktionsvorsitzende Sylvia Klein. Wie Betschel erläutert, gibt es im Wetteraukreis 3500 Plätze für Flüchtlinge, nicht alle seien besetzt. So werden nur 60 Prozent der 300 Erstaufnahmeplätze genutzt. Die Turnhalle in Assenheim stand vier Wochen lang leer, in Kirch-Göns/Pohl-Göns werden derzeit nur 30 statt 80 Asylbewerber untergebracht, und nachdem die Turnhalle in Nidda komplett geräumt und wieder für den Schulsport freigegeben worden ist, wird auch einer der beiden Klinkerbau-Komplexe in der Friedberger Kaserne nicht mehr hierfür benötigt. »Was die kommenden Monate bringen, wird man sehen«, sagt Betschel. Das Haus 3639 könne nicht nur für Menschen, die längerfristig hier bleiben, genutzt werden. Es eigne sich auch für unbegleitete minderjährige Jugendliche oder als Erstaufnahmeeinrichtung. »Und irgendwann könnten hier Studenten der THM einziehen.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos