26. Februar 2016, 18:53 Uhr

Auch Priscilla gratuliert zum Friedberg-Jubiläum

Friedberg (jw). Roter Teppich für die Bürger von Friedberg: Mit einem Festakt sind in der Stadthalle die Feiern zum Stadtjubiläum eröffnet worden. Vom Spardiktat war dabei wenig zu spüren, und es gab eine echte Überraschung: Priscilla Presley, Witwe des King of Rock’n’Roll, gratulierte per Video zum 800. Geburtstag der Elvis-Stadt.
26. Februar 2016, 18:53 Uhr
Elvis-Interpret Gordon Hendricks gratuliert (Fotos: Rainer Strack)

Wer Geschichte lebendig machen will, muss Bilder erzeugen. Starke Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben und Identität stiften. Das ist der Stadtverwaltung und allen Beteiligten des Festabends gelungen. Wobei es nicht nur auf die Leinwand projizierte Fotos von der Burg oder der Urkunde mit der Ersterwähnung von »Wridburc« im Jahr 1216 waren, die den 700 Gästen in der Stadthalle die Historie der Stadt vor Augen führten. Sie durften auch einen Blick in die Zukunft der Kaserne werfen, und als der vielleicht weltbeste Elvis-Imitator Gordon Hendricks die Bühne betrat, rieben sich manche die Augen und glaubten kaum, was sie da hörten: Er »sieht aus wie Elvis, bewegt sich wie Elvis und singt wie Elvis«, hatte Priscilla Presley den Friedbergern versprochen. Und, so die einhellige Meinung, Wort gehalten.

Kein langatmiger Kommersabend mit trockenen Reden sollte es werden. Stattdessen ein Fest mit Begegnungen, Gesprächen und Aktionen. Neben dem roten Teppich am Eingang der Stadthalle konnte man an einer »Eco-Box« kurbeln und ein Grußwort des Bürgermeisters hören; die Boxen sollen entlang des Usatal-Radwegs über die Geschichte der Stadt informieren. An einer Foto-Box im Foyer konnten die Besucher per Fotoshop in die Rolle eines Burggrafen schlüpfen oder als GI neben Elvis posieren. Es gab Blätterteigtörtchen mit Flusskrebs, Fleischspieße und andere Leckereien, und eine Gruppe syrischer Flüchtlinge, die sich sehr heimisch in Friedberg fühlen, sagte »Danke« und verteilte Süßigkeiten aus ihrem Heimatland.

Eine Modellstadt in der Kaserne

Dazu passten die orientalischen Klänge der »Arabeske«, mit der die Stadtkapelle Friedberg unter der Leitung von Michael Meininger den Abend eröffnete. Viele Besucher staunten über das hohe musikalische Niveau. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender demonstrierte, dass die Geschichte der Stadt viel früher begann. Er hatte 16 Millionen Jahre alte Vogelsberger Basalt-Lava vom Burgberg dabei. Landtagspräsident Norbert Kartmann erinnerte sich, wie er als Elfjähriger auf dem Traktoranhänger gesessen hatte, um Rüben in der Zuckerfabrik abzuliefern. Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch überreichte einen Scheck an die Friedberger Tafel, und Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid erinnerte an die Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterbringung: »Es gibt hier einen Konsens, diese Aufgabe anzupacken.« Dann war metallisches Rasseln zu hören. Zwei Mitglieder der Freien Ritterschaften begleiteten Bürgermeister Keller in Kettenhemden auf die Bühne. »Überall ist Geschichte« hatte Keller seinen Vortrag überschrieben. Mit Fotos erinnerte er in lockerer Art an bedeutende Ereignisse, von der abgeknickten Spitze des Adolfsturms bis zum geschlossenen Auftreten der Friedberger gegen Rechtsextremismus auf der Kaiserstraße.

Über »die nicht einfache Gegenwart« referierte Prof. Herfried Münkler. Hinsichtlich des Vortragsstils ein Kontrast zum Vorredner – der Mann ist schließlich Hochschullehrer. Doch wer ihm folgte, dem öffneten sich die Augen. Münklers Credo: Die Stadt ist im Gegensatz zum Dorf nicht nur der Ort, wo Fremdheit neutralisiert wird. Städte sind von jeher auf Zuwanderung angewiesen. Als in Friedberg im 15. Jahrhundert der Zuzug von Fremden ausblieb, war dies eine »ökonomische Katastrophe«. Heute komme es auf eine gelingende Integration der Flüchtlinge an. »Wir müssen aus diesen Leuten Deutsche machen im Sinne unserer gemeinsamen Werte.« Möglich sei das, aber nicht einfach.

Zahlreiche Ehrengäste waren gekommen, auch Vertreter der Technischen Hochschule Mittelhessen. Einer davon, der Bauinformatiker Prof. Joaquín Díaz, gehört zu einem internationalen Expertenteam, das der in Friedberg geborene und in Singapur tätige Technologie-Unternehmer Thomas Wolf (RIB Software AG) vorstellte. Was Wolf sonst noch vorstellte, verschlug vielen die Sprache. In der Kaserne will er die »Wissensstadt des 21. Jahrhunderts« bauen, eine grüne Modellstadt, die Leben, Arbeit und Lernen vereinigt und Friedberg goldene Zeiten verspricht. Vorbild ist das Silicon Valley, das 37 Kilometer entfernt von San Francisco liegt – so weit wie Friedberg vom Finanzplatz Frankfurt. Bezahlbare Wohnungen, Gärten mit organischem Landbau, ein internationaler Uni-Campus mit der THM sowie Niederlassungen »der weltbesten Universitäten«, ein »iTWO-Gründerzentrum« für 200 Start-up-Unternehmen und ein Elvis-Museum kann sich Wolf vorstellen. Apropos Elvis: Wolf schloss seine Präsentation mit dem Schriftzug »Let’s Rock’n’Roll«, und den gab es eine halbe Stunde nach dem Festakt, als Elvis-Interpret Hendricks ein umjubeltes Konzert gab.

Grüße aus Memphis/Tennessee

Thomas Wolf sorgte für die Überraschung des Abends. Einen Geburtstagsgruß von Priscilla Presley hatte er sich ausgedacht. »Wir haben ein Büro in Memphis.« Das stellte den Kontakt her, Wolf zahlte »900 US-Dollar für Make-up und Friseur«, und Priscilla (70) erzählte per Videobotschaft, wie wichtig Friedberg für Elvis gewesen sei. Von ihr kam auch der Tipp, Elvis-Interpret Gordon Hendricks zu engagieren. Wolf: »Den habe ich mal einfliegen lassen.« Schmunzeln im Publikum, doch kaum hatte Hendricks »Stuck on you« angestimmt, waren alle aus dem Häuschen.



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