17. Februar 2016, 18:23 Uhr

Kampf um die Panzerstraße

Friedberg-Ockstadt (har). »Wir beschäftigen uns heute mit einer Zeit, in der es den Menschen wieder gut ging.« So beschrieb Jürgen Kessler die Zeit von 1955 bis zur Eingemeindung Ockstadts in die Kreisstadt Ende 1971. Kessler führte zusammen mit Dr. Werner Schaaf, Hermann Kosch und Raymund Hofmann durch das Erzählcafé des Geschichtsvereins im proppenvollen katholischen Jugendheim.
17. Februar 2016, 18:23 Uhr
Die letzten 16 Jahre der selbstständigen Gemeinde Ockstadt beleuchten (v. l.) Hermann Kosch, Jürgen Kessler und (nicht zu sehen) Dr. Werner Schaaf und Raymund Hofmann. (Foto: lod)

Zwei Stunden dauerte die unterhaltsame Zeitreise durch die letzten 16 Jahre der selbstständigen Gemeinde. Kessler hatte einen »Zeitkalender« mit 31 Türchen erstellt. Aus Zeitmangel wurden nicht alle geöffnet. Doch die Auswahl Kesslers traf genau den Geschmack der Besucher, von denen sich so mancher als Kind oder Jugendlicher auf den gezeigten Bildern und Zeitungsauschnitten wiederfand.

Einer davon war Bernd Hofmann, der als (bn) viele Jahre für die Wetterauer Zeitung schrieb. Als Kind posierte er vor einem Jeep der US-Army. Das Bild wurde in einem WZ-Artikel von 2008 über den Besuch von David Bailey, einem Soldaten, der in der gleichen Kompanie wie Elvis tätig war, gezeigt.

Elvis fuhr oft im offenen Jeep auf dem Weg zum Übungsgelände der US-Army im Ockstädter Wald durch das Kirschendorf. Doch die vielen Fahrzeuge der Amerikaner wurden zu einem ernsthaften Problem. Manchmal fuhren über 100 Panzer am Tag durch die Bachgasse und die Usinger Straße. So forderte der Gemeinderat bereits 1959 den Bau einer Panzerstraße. Erst 1963 folgte, nach harten Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium in Bonn der Spatenstich für die noch heute vorhandene Straße im Südwesten des Ortsteils.

Schule wird Kreissache

Nicht gebaut wurde dagegen die Mitte der 60er Jahre geplante »neue Schule« direkt neben dem Sportplatz. Viele Besucher waren überrascht über die schon abgeschlossene Schulbauplanung. Wegen des Zuständigkeitswechsels von Gemeinde auf Kreis und des Baus der Friedberger Dieffenbach-Schule zog die Gemeinde den Antrag schließlich zurück.

Ausführlich gewürdigt wurde die Arbeit der in dem Zeitraum tätigen Bürgermeister Wilhelm Heinze, Franz Lang und Johannes Grimmel. Dazwischen gab es, dank »Chefmoderator« Jürgen Kessler, immer wieder einen »Blick über den Tellerrand hinaus«. Die umstrittene Einführung der Bundeswehr war ebenso ein Thema wie die Gleichstellung der Frau, die »68er- Revolution« oder Willy Brandts Ostpolitik.

Die Geschichtsvereinsmitglieder Elisabeth Berz und Josef Schaupp hatten im Vorfeld unzählige Zeitungen durchstöbert und dabei so manches Kleinod entdeckt. So auch einen WZ-Artikel aus dem Jahre 1958 mit der Überschrift »Neue Flüchtlinge kommen«. »Der könnte auch heute erscheinen«, meinte Kessler dazu.

Erinnert wurde auch an die vielen kleinen Betriebe, Handwerker und Geschäfte, die zu jener Zeit in Ockstadt ansässig waren. Gezeigt wurden die Entwürfe für das Ockstädter Wappen von Oberstudienrat Otto Weil aus den Jahren 1963 und 1964. Der Nachmittag endete mit einem Blick auf »Menschen, die Ockstadt mitgestaltet haben«, wie Pfarrer Ernst-Wilhelm Metzger oder Schwester Roberta, die als Oberin die Kranken- und Pflegestation leitete.

Musikalische Erinnerungen von Freddy und Lys Assia bis hin zu Elvis und den Beatles trugen zum Gelingen der Veranstaltung bei. Und auch das HB-Männchen ging in die Luft.

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