08. Januar 2016, 18:53 Uhr

Flüchtlinge in der Friedberger Kaserne: Besser als im Zelt

Friedberg (jw). Von wegen Luxus: Die Flüchtlingsunterkünfte in der Friedberger Kaserne sind »zweckmäßig, aber traurig«, wie ein Besucher feststellte. Stadt und RP Darmstadt hatten gestern zur Führung eingeladen. Ab Februar sollen hier in vier Einrichtungen bis zu 2400 Flüchtlinge untergebracht werden.
08. Januar 2016, 18:53 Uhr
Die Klinkerbauten werden vom Land als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt. (Foto: Nicole Merz)

Politisch und baulich habe sich in der Kaserne viel getan, sagt Bürgermeister Michael Keller (SPD). Fertig ist die Sanierung aber noch nicht. Davon können sich die Besucher – Kommunalpolitiker, Stadtverwaltung, Nachbarn, ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer, Vertreter von Kreis und Regierungspräsidium – am Freitag bei klirrender Kälte überzeugen. Immerhin funktioniert in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes die Heizung schon.

Ansonsten überwiegt der Eindruck des SPD-Stadtverordneten Klaus Fischer: »Zweckmäßig, aber traurig. Mir fehlt die Farbe.« Die Flure sehen trist aus, die Decken sind teils nicht verputzt. Die Zimmer werden noch eingerichtet, die Doppelbetten stehen schon. Vier Personen belegen ein Zimmer, je zwei Zimmer sind durch eine Dusche mit Toilette verbunden. »Besser als im Zelt«, sagt ein Besucher. Die Flüchtlinge könnten doch die Wände streichen, meint eine Stadtverordnete.

Die Gebäude werden so hergerichtet, dass sie den Bewohnern einen Dach über dem Kopf bieten, erläutern Christian Dornblüth vom RP und Architekt Thomas Jaeger. Brandschutz und Hygiene seien gewährleistet. Der einzige Komfort sind die Waschmaschinen der Marke »Miele Professional«. »Das Beste vom Besten«, urteilt ein Stadtverordneter. »Weil sie eine hohe Auslastung haben werden«, weiß eine Rathaus-Mitarbeiterin. Im Erdgeschoss werden Räume für die medizinische Betreuung eingerichtet, für die Kinderbetreuung gibt es ein eigenes Haus.

Neben der EAE des Landes wird der Kreis die Überlaufeinrichtung Nidda hierher verlegen. Bis zu 1000 Personen sollen unterkommen, vermutlich werden es aber nur 300 bis 400, sagt Matthias Nickel vom Katastrophenschutz. Auch der Kreis würde gerne mit der Sanierung beginnen. Die Planungen sind erledigt. Wie Landrat Arnold in einer Pressemitteilung vom Freitag schreibt, fehlt nur die Kostenzusage des Landes. Seit Mitte Dezember warte man auf Post aus Wiesbaden. Der Landrat schimpft über die »Untätigkeit des Landes«, mal wieder.

Marion Götz (SPD) schlägt vor, Land und Kreis sollten beim Catering zusammenarbeiten. Das spare Geld. Gute Idee, sagt Dornblüth. Kritik kommt von den Grünen. Florian Uebelacker erinnert daran, dass es zwei Erstaufnahmeeinrichtungen von unterschiedlicher Qualität direkt nebeneinander geben werde. Die einen haben mehr Rechte als die anderen. Räume für die Flüchtlingshelfer werden gefordert und auch versprochen.

Direkt angrenzend bringt der Kreis über 100 Flüchtlinge in einem Haus unter. Dahinter stehen zwei Häuser, in denen die Stadt rund 300 Betten einrichtet. Macht zusammen im Höchstfall bis zu 2400 Menschen. Mehr geht nicht, betont Bürgermeister Keller und begründet das fachlich: Mit den Anschlüssen der Kasernengebäude sei die Kläranlage nun ausgelastet.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos