19. November 2015, 18:43 Uhr

Notfallplan: Bauernheim zuerst

Friedberg (bk). An einer Unterbringung von Flüchtlingen in Bürgerhäusern führt jetzt auch in Friedberg kein Weg mehr vorbei. Das erste Notquartier entsteht in Bauernheim, dem kleinsten Stadtteil. »Es handelt sich nur um Übergangslösungen«, betont Bürgermeister Michael Keller. Für die betroffenen Vereine dürfte das kein Trost sein.
19. November 2015, 18:43 Uhr
Als erstes soll das Dorfgemeinschaftshaus in Bauernheimfür die Unterbringung von Flüchtlingen umgerüstet werden. (Foto: Nicole Merz)

Auch die Kreisstadt gerät bei der Unterbringung von Asylbewerbern an ihre Grenzen. »Im dritten Quartal haben wir 60 Flüchtlinge zugewiesen bekommen, für die letzten drei Monate des Jahres sind es 165, fast dreimal so viele«, sagt Bürgermeister Keller. Die bisherige Praxis, Wohnungen anzumieten und städtische Immobilien zu belegen, könne dieser Herausforderung nicht mehr gerecht werden. Der Magistrat hat deshalb einen Notfallplan beschlossen. Danach sollen die Bürgerhäuser in Bauernheim, Dorheim und Ockstadt als erstes herangezogen werden. »Kriterium für die Festlegung der Reihenfolge war die Zahl der Sport- und Vereinsaktivitäten in den Gebäuden«, sagt der Bürgermeister. Laut Keller soll die ehemalige Grundschule in Bauernheim bis Mitte Dezember umgerüstet werden. »Das Gebäude ist günstig am Park gelegen, ein Problem ist aber ganz klar die fehlende Infrastruktur«, meint der Rathauschef. Hauptnutzer des Bürgerhauses seien die Tischtennisspieler, deren Trainings- und Spielbetrieb in einer Kernstadt-Halle aufrechterhalten werden soll. »Wir müssen enger zusammenrücken«, appelliert Keller an andere Vereine.

In Bauernheim sollen 33 Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden, ähnliche Größenordnungen schweben dem Magistrat für die Bürgerhäuser Dorheim und Ockstadt vor. »Voraussichtlich werden diese Gebäude ab Januar belegt. Es handelt sich um Vorsichtsmaßnahmen, um Obdachlosigkeit zu verhindern, keine Dauerlösungen. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, feste Unterkünfte für die Neuankömmlinge zu schaffen«, sagt Keller. Alle Möglichkeiten, alternative Unterkünfte auf dem freien Markt zu akquirieren, würden genutzt. Große Hoffnungen, längerfristige Lösungen zu schaffen, setzt der Bürgermeister auf ein Gebäude in der Kaserne und das alte Stadthallen-Hotel. Komme es zu einer Einigung mit der BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), könnten in der ehemaligen Kaserne im zweiten Quartal 2016 etwa 200 Asylbewerber wohnen. »Schneller wird ein Umbau nicht machbar sein, Gleiches gilt für das leer stehende Hotel an der Stadthalle«, sagt der Rathauschef. Nachgedacht werde außerdem über die Möglichkeit, in einem Gewerbegebiet provisorische Holzhäuser zu errichten.

Der Ortsbeirat von Dorheim hat sich bereits mit der Entscheidung des Magistrats beschäftigt, lehnt eine Nutzung des Bürgerhauses ab. Nach Angaben von Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack hat der Magistrat nicht deutlich gemacht, nach welchen Kriterien die Prioritätenliste erstellt worden sei. Auch Informationen, welche anderen Immobilien im Stadtgebiet infrage kämen, lägen nicht vor. Wie SPD-Ortsbeiratsmitglied Karl W. Fölsing ergänzt, habe eine Belegung des Bürgerhauses weitreichende Konsequenzen für die Vereinsaktivitäten. Betroffen seien vor allem die Wetterfrösche und das Musikcorps. »Dies hätte in Zeiten zunehmend kritischer Haltung von Teilen der Bevölkerung zu Flüchtlingsthema unter Umständen fatale Folgen für den sozialen Frieden vor Ort«, betont Fölsing. Der Ortsbeirat spricht sich unter anderem gegen eine Belegung des Bürgerhauses ab, weil der an das Gebäude angrenzende Hof vom Kindergarten als Spielfläche genutzt werde. Auch Bürgermeister Keller bewertet diesen Punkt kritisch: »Darüber muss noch gesprochen werden.«

Bürgermeister Keller kündigte an, in den Ortsbeiräten der betroffenen Stadtteile Rede und Antwort zu stehen. Erste Gelegenheit dazu besteht am kommenden Mittwoch, 25. November, in Bauernheim.



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