11. Oktober 2015, 14:13 Uhr

Kotzen kostet extra

Wetteraukreis (pob). Ein Hotelzimmer kommt günstiger. Das sollte man jenen antworten, die es darauf anlegen, einmal eine Nacht in der Ausnüchterungszelle zu verbringen.
11. Oktober 2015, 14:13 Uhr
Lange nicht so komfortabel wie ein Hotel, aber ähnlich teuer: Wer ein paar Stunden in der Gewahrsamszelle der Polizei verbringt, ist schnell 100 Euro los. (Foto: DPA Deutsche Presseagentur)

Betrunkene, die kaum noch auf den eigenen Füßen stehen können, oder Randalierer, die davon abgehalten werden müssen, Straftaten zu begehen, sind die Hauptnutzer der Gewahrsamszellen bei der Polizei.

Neben einer Pauschale von 50 Euro für die Fahrt im Polizeiwagen wird dabei je nach Zeitdauer des Aufenthalts abgerechnet, erklärt Polizeisprecherin Sylvia Frech. Wer bis zu sechs Stunden ausnüchtert, zahlt pauschal 45 Euro. Wird diese Zeit überschritten kommen für Blöcke von jeweils sechs weiteren Stunden 8 Euro dazu. In den Kosten enthalten ist die »Betreuung« durch die Polizeibeamten, die Benzinkosten, die Personalkosten für das »Polizeitaxi« und schließlich auch die Kosten für die Grundreinigung der genutzten Zelle – schließlich haben nicht alle Insassen immer die volle Kontrolle über ihre Schließmuskeln.

Oft muss desinfiziert werden

In hygienischen Härtefällen kommen weitere Kosten auf die »Gäste«: Wer die Zelle oder den Dienstwagen über die Maßen verschmutzen – was durchaus häufig durch Kot oder Erbrochenes der Fall ist – muss nachzahlen, sagt Frech. Zusätzliche Kosten fallen auch dann an, wenn beispielsweise die Zelle aufgrund von ansteckenden Krankheiten des Insassen desinfiziert werden muss.

Zudem ist es manchmal erforderlich, insbesondere bei stark alkoholisierten Personen, diese vor dem Aufenthalt in der Zelle von einem Arzt auf die sogenannte Gewahrsamsfähigkeit untersuchen zu lassen, damit keine gesundheitlichen Probleme während des Aufenthalts zu erwarten sind. Der dafür angeforderte Arzt stellt ebenfalls eine Rechnung an die Polizei, die sich diese Auslagen später vom Übernachtungsgast wieder zurückholt.

»Alles in allem kommt also fast keiner unter 95 Euro davon. Außerdem darf er nicht frei wählen, wann er seine vorübergehende Unterkunft wieder verlässt«, erklärt Frech.

Nötig für die Entscheidung für und die Dauer des Freiheitsentzug ist übrigens immer eine richterliche Anordnung.



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