23. Juli 2015, 16:43 Uhr

Ärger bei der Grabpflege: Ein Friedhof ist keine Kneipe

Friedberg (jw). Friedhöfe sind Orte der Ruhe und der Besinnung. Wer sie aufsucht, hält Zwiesprache mit verstorbenen Angehörigen oder Freunden und will dabei nicht gestört werden. Eine 80-jährige Friedbergerin fühlte sich am Montag gestört und setzte sich gegen drei alkoholisierte Männer zur Wehr.
23. Juli 2015, 16:43 Uhr
Was dem einen der Eintritt ins Himmelreich, ist dem anderen ein kühles Plätzchen zum Schoppepetzen. Auf einem Friedhof ist Letzteres aber nicht erlaubt. (Foto: Jürgen Wagner)

Die Stadt hat daraufhin vermehrte Kontrollen durch die Ordnungspolizei angekündigt.

»Ich kann bei sowas nicht ruhig sein«, sagt Marianne Rupp. Als sie die drei Männer sah, musste sie etwas sagen. Am Morgen hatte sie den Hauptfriedhof über die Gebrüder-Lang-Straße betreten und wollte bei den Grabstelen ein Blumengebinde ablegen. In der Nähe saßen drei Männer ausländischer Herkunft auf einer Bank. Zwischen 40 und 45 Jahren seien sie wohl gewesen und hatten neben sich leere Bier- und Wodka-Flaschen stehen.

»Ich habe ihnen gesagt, dass ein Friedhof ein Ort der Ruhe ist und sich nicht für ein Saufgelage eignet. Sie sollten sich einen Platz außerhalb des Friedhofs suchen«, erzählt Rupp. Die Männer rührten sich nicht. Als sie gleich darauf das Blumengebinde ablegen wollte, sei einer der Männer ihr entgegengeschritten und habe sie bedroht. »Der ging auf mich los.« Doch die Seniorin hatte einen zusammenfaltbaren Stock dabei, drohte dem Angreifer. »Er ließ dann von mir ab, bespuckte mich aber.«

Angst habe sie keine gehabt. »Nein, ich war wütend. Erst nachher kam die Angst.« Die Polizei rät in solchen Fällen zur Vorsicht. »Das war mutig von der Dame. Die Opferrolle einzunehmen, ist falsch«, sagt Polizeipressesprecher Erich Müller. Wehre man sich und habe Erfolg, habe man alles richtig gemacht. Ist bei den Angreifern aber ein gewisses Gewaltpotenzial vorhanden, kann die Sache ungut ausgehen. Dann sollte man lieber weglaufen. Müller bittet in solchen Fällen auf jeden Fall, Anzeige zu erstatten.

Auch das städtische Ordnungsamt könne nur handeln, wenn es informiert wird, sagt Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. »Nur wenn wir wissen, dass es eine Gefährdungslage gibt, können wir den Streifendienst vorbeischicken.« Seit einiger Zeit habe es keine derartigen Vorkommnisse mehr gegeben.

Im Oktober berichtete die WZ über Grabschändungen. Mehrfach hatten Diebe Blumenschalen und Erinnerungsstücke von einem Grab gestohlen. Daraufhin schickte die Stadt ihre Ordnungspolizisten häufiger als sonst auf den Friedhof. Schlerf: »Das werden wir jetzt wieder tun. Wir gehen den Vorkomnissen nach und haben ein Auge auf den Friedhof.«

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