06. Juli 2015, 10:03 Uhr

Nach Delfintherapie: Weiter kämpfen, weiter genießen

Friedberg-Bruchenbrücken (chh). Katharina Ferdyan hatte nicht die Hoffnung, ihr Sohn würde gesund werden. Sie wollte nur, dass Philip noch einmal glücklich ist. Noch einmal so lächelt wie vor 14 Jahren, als der behinderte Junge zum ersten Mal mit Delfinen schwamm. Diesen Wunsch konnte sie Philip jetzt erfüllen – dank der vielen Spender.
06. Juli 2015, 10:03 Uhr
Philip geht mit Delfin Ada auf Tuchfühlung. Nur dank der vielen Spender war die Therapie möglich. (Foto: pv)

Vor kurzem saß Katharina Ferdyan mit ihrem Sohn Philip wieder im Flugzeug Richtung Süden. Doch dieses Mal war es anders. Damals, vor 14 Jahren, war die Bruchenbrückenerin furchtbar aufgeregt, mit schwitzigen Fingern umklammerte sie die Reservierung für die Delfintherapie in Florida. Die alleinerziehende Mutter hatte große Hoffnung, ihr schwerbehinderter Sohn könne durch den Umgang mit den Tieren wieder gesund werden. Doch die Hoffnung wurde nicht erfüllt. Philip lernte weder laufen noch sprechen, er wird es auch nicht mehr. Warum Mutter und Sohn vor zwei Monaten trotzdem wieder zur Delfintherapie flogen? Philip hat vielleicht nicht laufen oder sprechen gelernt. Dafür haben die Delfine es geschafft, den Jungen zum Lächeln zu bringen.

Katharina Ferdyan sitzt mit einem Milchkaffee am Esstisch ihres Bruchenbrückener Wohnzimmers. Vor ihr liegen jede Menge Fotos. Sie zeigen, wie Philip mit Delfinen spielt, die Finne streichelt, wie Philip lächelt. Auch der Mutter huscht ein Lächeln übers Gesicht, wenn sie die Fotos anschaut. »Das hat uns so viel Kraft gegeben. Ohne die vielen Spenden hätten wir das niemals geschafft.«

Rückblick: Im Februar hatte die WZ über Philips Schicksal berichtet. Nach der Geburt hatten ihm die Ärzte ein Jahr gegeben, länger würde er mit den schweren Behinderungen nicht leben. Doch der Junge strafte die Mediziner Lügen, Anfang des Jahres feierte Philip seinen 16. Geburtstag. Der Junge hat jedoch einen langen Leidensweg hinter sich. Etliche Male lag er im Krankenhaus, im vergangenen Herbst musste er eine schmerzhafte Operation an den Hüften über sich ergehen lassen. Drei Monate blieb er in der Klinik. »Er hat furchtbar gelitten. Das habe ich in den vergangenen 15 Jahren noch nicht erlebt«, erinnert sich seine Mutter. Während dieser Zeit reifte der Entschluss, ihrem Sohn noch einmal das Schwimmen mit Delfinen ermöglichen zu wollen. So lange es noch geht. Denn die 38-Jährige hatte noch immer die Worte der Ärzte im Kopf: Philip wird nicht lange leben. Die Geschichte rührte etliche WZ-Leser, viele wollten der Familie helfen und spendeten. Mit Erfolg: Vor einigen Wochen konnte Katharina Ferdyan mit Philip und seiner zweijährigen Schwester Sophie in die Türkei fliegen. Zwei Wochen Delfintherapie. 14 Tage schwimmen mit den klugen Kreaturen – an der Seite immer ein Arzt, ein Therapeut und ein Delfintrainer.

»Das waren sehr schöne Momente«, sagt die Bruchenbrückenerin beim Betrachten der Bilder. Philip habe sich sehr gefreut, die Tiere gestreichelt. »Es war besonders schön, zu sehen, wie entspannt er war. Wir konnten die schwere Zeit hinter uns lassen.« Doch nicht nur das Schwimmen mit den Tieren half ihrem Sohn. »Er bekam regelmäßig Lymphdrainagen und wurde massiert. Die zwei Wochen haben ihm sehr gut getan.« Nicht nur ihm: Auch Philips zweijährige Schwester

Sophie war hin und weg von den Delfinen, besonders Bulle Ada hatte es ihr angetan. Einmal habe auch Sophie ins Wasser gedurft und mit den Delfinen spielen dürfen. Für Katharina Ferdyan ist es pures Glück, ihre Kinder zusammen zu sehen. Sie ist stolz, wie rührend sich ihre Tochter um den Bruder kümmert. Solche Erinnerungen sind Gold wert. Die Mutter möchte, dass sich ihre Tochter später an Philip erinnern kann.

Katharina Ferdyan hat die Zeit in der Türkei ebenfalls genossen. Für sie gab es nichts Schöneres, als ihren Sohn aufblühen zu sehen. »Es ging nur um die zwei Wochen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich an Philips Zustand etwas ändert. Das war keine Heilungstherapie. Philip sollte einfach eine schöne Zeit haben.«

Die hatte er – dank der Leser der Wetterauer Zeitung und der vielen anderen Spender. »Ich hätte nie gedacht, dass das Geld so schnell zusammenkommt. Es ist überwältigend, wie viele Menschen uns geholfen haben«, sagt Katharina Ferdyan. Privatleute, Vereine, Unternehmen – alle hätten etwas gegeben. Was die Mutter besonders freut: Viele hätten nicht nur gespendet, sondern auch angerufen. »Sie haben mir gesagt, wie toll ich das mache und dass ich stolz auf mich sein könne.« Die Bruchenbrückenerin betont zwar immer, ihr Einsatz sei selbstverständlich. »Aber Lob und Zuspruch tun natürlich trotzdem gut.« Die 38-Jährige habe



























durch die Spendenaktion erfahren, wie viele liebe Menschen es gebe. Sie will sich aber auch bei allen anderen bedanken, die ihr in den vergangenen 16 Jahren geholfen haben – seien es Betreuer, die Lehrer der Johann-Peter-Schäfer-Schule, Freunde oder Nachbarn.

Und wie geht es jetzt weiter? Philip wird weiterhin regelmäßig zu Ärzten und ins Krankenhaus müssen. An seinem Zustand werde sich nichts mehr ändern, sagt seine Mutter. Umso wichtiger sei die Delfintherapie gewesen. »Das hat uns sehr viel Kraft gegeben. Die brauchen wir auch. Denn wir kämpfen weiter – aber wir genießen auch weiter.«

Vielleicht der letzte große Wunsch

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