21. Mai 2015, 19:13 Uhr

Nach fünf Jahren: Planungen für Campus laufen an

Friedberg (har). Vor drei Jahren wurde ein Abschnitt der Wilhelm-Leuschner Straße für den Autoverkehr gesperrt. Wenig später wurde die Einbahnstraßenregelung in der Kettelerstraße gedreht. Was eine halbjährige Probephase für den Bau eines Campus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) sein sollte, wurde zum Dauerzustand.
21. Mai 2015, 19:13 Uhr
Ein Campus für die THM: Die Grobskizze zeigt, wie die Fläche einmal aussehen könnte. (Foto: Harald Schuchardt)

Noch immer ist der Abschnitt gesperrt, die Anwohner protestierten, es fanden zwei Gespräche mit den Betroffenen statt und vor einem Jahr wurde ein Gutachten zur Verkehrssituation im Bereich »Am Edelspfad/Kettelerstraße« erstellt.

Wieder verging ein Jahr, bis sich am Mittwochabend der Ortsbeirat Kernstadt mit der Thematik beschäftigte. Gut 30 Besucher waren in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, darunter etliche Anwohner, aber auch zahlreiche THM-Studenten. »Einleitung eines Umwidmungsverfahrens« stand auf der Tagesordnung. Doch wer auf einen ersten Beschluss eines parlamentarischen Gremiums nach fünf Jahren – damals beantragten CDU, Grüne und FDP gemeinsam die Einrichtung eines Campus – hoffte, wurde enttäuscht. Willensbekundungen, den momentan für alle unbefriedigenden Zustand zu ändern, gab es dagegen viele.

Ihren Antrag, die Sperrung bis zu einer endgültigen Planung aufzuheben, wird die SPD-Fraktion im Stadtparlament auf jeden Fall einbringen (die WZ berichtete). Ausführlich begründete Fraktionsvorsitzende Marion Götz den Antrag. Sie betonte, dass der Antrag kein Aus für den Campus bedeute. »Meine Rede ist so lang, weil der Weg so lang ist«, meinte sie. Immer wieder war der lange Zeitraum der Sperrung, in der sich nichts getan hat, ein Thema.

»Das ist alles viel zu spät« meinte Johannes Contag (Grüne), während sein Parteikollege Carl Cellarius die Grundlagen des Gutachtens anzweifelte. Basis waren die Zahlen aus dem Frühjahr 2014, wie Dipl.-Ingenieur Holger Ebert vom Frankfurter Ingenieurbüro IMD-Plan bei der ausführlichen Präsentation des Gutachtens sagte. Daraus ging hervor, dass nach der Sperrung der Straße zwischen den beiden THM-Arealen der Verkehr in der Kettelerstraße ab-, in der Straße Am Edelspfad aber zugenommen hat. Kritik, das bei der Untersuchung die Bahnpendler, die schon früh morgens alle Parkplätze belegen, nicht berücksichtigt wurden, wies Ebert zurück: »Die Begutachtung der Parksituation war nicht unser Auftrag.«

»Verkehrschaos vor Schulbeginn«

Die Empfehlung, vor der Adolf-Reichwein-Schule eine temporäre Parkmöglichkeit zu schaffen, um das »Verkehrschaos vor Schulbeginn« (Ebert) zu entschärfen, wurde inzwischen umgesetzt, teilten der Erste Stadtrat Peter Ziebarth (CDU) und Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf mit. Dem Fazit, dass ein Campus aus Sicht des Straßenverkehrs machbar sei, widersprachen Michael Meiß und Daniel Hatlak, zwei Anwohner aus dem Edelspfad. »Wir sind die Verlierer«, sagte Hatlak. Nicht nur er forderte mehr Parkflächen für Studenten. Meiß wies auf den hohen »Tagesverkehr« in diesem Bereich hin und forderte bei den Campus-Planungen eine Einbeziehung der gesamten Verkehrssituation in diesem Bereich.

Die Anwohner unterstützen den SPD-Antrag, für den die Studenten kein Verständnis zeigten. »Wir wollen den Campus und eine gemeinsame Lösung der Verkehrsführung« sagte David Gaus, Mitglied im THM-Parlament. Gaus: »Die Studenten sind ein Teil von Friedberg. Wir haben Ideen, wie der Bereich schon jetzt genutzt werden kann. « Das nahm Ortsvorsteherin Evelyn Weiß sofort auf: »Teilen sie uns diese Ideen mit, wir freuen uns drauf«, sagte sie zu dem »jungen Mann mit rednerischen Fähigkeiten«.

Neu an diesem Abend war die Willensbekundung aus den Reihen der THM und des Hessischen Baumanagements, die Campus-gestaltung nun tatsächlich anzugehen. Gerold Reitz vom THM-Facility-Management und dessen Mitarbeiterin Nadine Balser stellten eine erste Skizze vor, wie der Campus aussehen könnte. Er soll einen parkähnlichen Charakter mit Bäumen, viel Grün und Bänken erhalten. Mit einbezogen werden soll das bisher als Parkplatz genutzte Areal entlang der Wilhelm-Leuschner Straße zwischen Kettelerstraße und Haupteingang. Die Parkplätze könnten durch den Bau eines Parkdecks zwischen Haupteingang und Karlsbader Straße verlagert werden.

Projektmanager Friedhelm Dorndorf, zuständig für alle Bauangelegenheiten der hessischen Universitäten und Hochschulen im Hessischen Baumanagement, zeigte am Beispiel der umgewidmeten Wiesenstraße in Gießen, wie ein Campus aussehen könnte. THM und Baumanagement wollen nun einen Ideenwettbewerb zur Umgestaltung der abgesperrten Asphaltfläche durchführen.

Deutlich wurde im Verlauf der Sitzung, dass es vor allem THM und Baumanagement waren, die die Campus-Planungen bisher nicht vorangetrieben haben. »Nehmen sie Geschwindigkeit auf«, appellierte Grünen-Fraktionsvorsitzender Florian Uebelacker in Richtung THM und Baumanagement.

Nur einer ist dagegen

Es hatte den Anschein, dass generell niemand gegen die Einrichtung eines Campus ist, selbst die Anwohner nicht, sollte eine Lösung für den Verkehr gefunden werden. Nur FDP-Fraktionsvorsitzender Achim Güssgen-Ackva, einst Unterzeichner des Antrags für einen Campus, sieht dies inzwischen anders: »Die Idee des Campus hat sich für mich erledigt.« Die große Mehrheit widersprach. »Es wird Zeit, dass aus dieser Asphaltfläche endlich was Vernünftiges wird«, sagte Bürgermeister Michael Keller (SPD). »Das war fast ein Schlusswort«, meinte Ortsvorsteherin Weiß. Zu einer Abstimmung kam es nicht. »Ich sehe diese Sitzung als eine Anhörung«, sagte Weiß. So wird sich wohl nicht nur der Ortsbeirat bald wieder mit dem THM-Campus, der noch keiner ist, beschäftigen.

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