20. Mai 2015, 11:53 Uhr

Behütet in Bauernheim

Friedberg (sda). Der Schauspieler Michael Trischan erzählt im Interview, warum die Wetterau serientauglich ist und wie er seine Kindheit hier erlebt hat. Am Samstag, 23. Mai, tritt er in der alten Heimat auf – mit seinem Soloprogramm »Schwampf«.
20. Mai 2015, 11:53 Uhr
Schwimmen ist nicht so sein Ding, sagt Michael Trischan. Auf der Bühne und vor der Kamera stehen schon.

Der ein oder andere wird sich noch erinnern: Im Theater Altes Hallenbad gab es einmal ein richtiges Schwimmbecken. Kinder aus Dorheim, Bauernheim oder Ossenheim haben dort Schwimmen gelernt. Eines von ihnen war Michael Trischan. Gewohnt hat er in Bauernheim, ins Hallenbad ist er mit dem Bus gefahren – wenn auch eher ungern. Warum er das Gebäude heute lieber betritt, wie es ihn aus der Wetterau nach Leipzig verschlagen hat und warum man als Theaterschauspieler keine Familie satt kriegt, erzählt er im Interview. Außerdem verrät Trischan, was er gegen die Friedberger Verkehrsführung hat, über die er sich am kommenden Samstag wohl wieder ärgern wird. Dann treten er und sein Sohn um 19.30 Uhr im Theater mit dem Programm »Schwampf« auf.

Herr Trischan, Sie sind nicht zum ersten Mal im Friedberger Hallenbad.

Michael Trischan: Dort habe ich Schwimmen gelernt. Oder das, was man Schwimmen nennt. Damals sind wir mit dem Bus von Dorheim zum Schwimmunterricht gefahren. Ich bin eigentlich ungern schwimmen gegangen. In Wirklichkeit habe ich es nie richtig gelernt. Das ist wie im Englischunterricht: Man kommt rein, die einen können Englisch, die anderen eben nicht. So war das bei mir mit dem Schwimmen.

Dann gefällt Ihnen die neue Bestimmung des Hallenbads besser?

Trischan: Auf jeden Fall. Ich war erstaunt, dass sich ein Verein gefunden hat, um daraus eine Kulturstätte zu errichten. Das finde ich schon klasse.

Sie versprechen Ihren Zuschauern im Alten Hallenbad ein humorvolles Programm. Was ist Humor?

Trischan: Alles, was komisch ist und nicht unter der Gürtellinie liegt.

Wie setzen Sie das um?

Trischan: Ich bin ein bisschen anspruchsvoller. Ich mache mich nicht lustig auf Kosten irgendwelcher Gruppen. Es geht in meinem Programm um Autoren, die noch schreiben konnten. Es ist der Humor von Otto Schenk, Ringelnatz, Goethe und Kästner. Der passt zu mir.

Wieso?

Trischan: Sie bringen mich sehr zum Lachen. Schenk zum Beispiel bringt sehr viele Theateranekdoten, aber so, dass auch der Theaterlaie sie versteht.

Was erwartet die Zuschauer?

Trischan: Anspruchsvolle Unterhaltung, die leichtfüßig ist und sich steigert. Ich garantiere: Nach fünf Minuten wird gelacht. Das ist eigentlich schon lange. Bei Comedy-Programmen lacht man ja eigentlich schon nach 30 Sekunden. Oft grundlos, weil der Comedian auf die Bühne stolpert.

Sie leben heute in Leipzig, stehen oft vor der Kamera und reisen durch Deutschland, um Ihre Soloprogramme aufzuführen. Wie kommt ein Bauernheimer Bub ins Theater?

Trischan: Das fing an, als ich 15 war und auf die Wingertschule gegangen bin, um die Mittlere Reife nachzuholen. In einem medizinisch-technischen Bereich. Dort war eine Lehrerin, die mein Talent fürs Spielen bewunderte und mir die Empfehlung gab, in einer Theater-AG mitzuspielen. Die war damals an der Gesamtschule in Friedberg, unten, wo die Stadthalle ist. In der AG habe ich mich ausprobiert. Und so wurde mein Spaß am Spielen geweckt.

Sie haben trotzdem die Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen?

Trischan: Ich habe mir gesagt: Schieb’ den Krankenpfleger noch vor, dann gehst du auf die Schauspielschule. Früher war es nicht so einfach, zu sagen, ich werde Schauspieler. Das war noch eine Generation, in der man eigentlich das gemacht hat, was die Eltern erwarteten. Zuerst einen Beruf lernen, dann konnte man machen, was man will. So habe ich’s gemacht. Erst die Ausbildung, dann Theater. Nebenbei habe ich gedreht.

Bühne oder Set? Was liegt Ihnen mehr?

Trischan: Am Theater ist man von der Gunst des Intendanten abhängig. Es gibt auch keine unbefristeten Verträge. Zu meiner Zeit waren es Zweijahresverträge, heute sind es nur noch Jahresverträge. Es gibt nie eine Sicherheit. Und zudem: Man verdient sehr wenig. Die Mindest-Gage für Anfänger liegt bei 1400 Euro brutto. Damit kriegt man keine Familie satt. Neben dem Theater habe ich daher schon immer gedreht, um die Kasse aufzubessern. Als mein Vertrag am Schlosstheater in Celle nicht verlängert wurde, hieß das für mich, freischaffend tätig zu werden. Das war bei Film und Fernsehen.

Und vom Spielen her?

Trischan: Theater ist immer groß. Große Gesten. Beim Film ist alles feiner, der Ton wird geangelt, die Gesten sind klein. Wenn ich in der Großaufnahme bin und Grimassen wie auf der Bühne machen würde, sähe das affig aus.

Sie haben in zahlreichen Serien gespielt. »Alarm für Cobra 11«, »Großstadtalarm« oder aktuell »In aller Freundschaft«. Stellen Sie sich vor, es gebe eine Serie über Ihr Leben. Wäre die Wetterau ein Drehort?

Trischan: Auf jeden Fall. Ich habe in Bauernheim eine schöne Jugend verbracht. Sehr behütet. Das passt zu einem Spruch, den ich vor Kurzem gelesen habe. »Wir haben früher draußen gespielt, hatten kein Facebook und kein iPad, und unsere Freunde waren noch real.« So war es damals in Bauernheim. Auch in der Grundschule dort. Mit vier Klassen in einem Raum, die von einem Lehrer unterrichtet wurden.

Eine Szene?

Trischan: Mein Lehrer war unser Nachbar. Und ich war ein ziemlich schlechter Grundschüler. Wenn ich oben aus dem Fenster aus meinem Zimmer geguckt habe, und gesehen habe, wie der Lehrer auf der Straße mit meinem Vater redet, dachte ich immer, er verrät mich. Dass ich mal wieder nicht an der Tafel rechnen konnte oder so. Aber er hat mich nie verpfiffen. Die haben wahrscheinlich andere Probleme gewälzt, als über irgendwelche Schulsachen zu diskutieren.

Sind Sie heute noch manchmal in der Region?

Trischan: Ja, meine Brüder leben in Bauernheim. Wenn ich zu Besuch komme, fahre ich immer mal in Friedberg oder Bad Nauheim ab und schaue, was sich da so alles verändert hat. Die verrückte Verkehrsführung. Furchtbar, wie man da über die Äcker geführt wird. Naja. Aber ich bin gespannt, wie sich die Kaiserstraße gemacht hat.

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